Francis Bacon

September 21, 2021 § 5 Kommentare

Wer Wege der Darstellung des menschlichen Körpers sucht, kommt an dem britischen Maler Francis Bacon nicht vorbei. Das Dogma einer vermeintlich allein selig machenden abstrakten Kunst in der Nachkriegszeit konsequent ignorierend, suchte er nach Möglichkeiten, das Wesen menschlichen Seins als physisches Spektakel auf die Leinwand zu bringen.

Doch anders als heutzutage üblich ist der Körper bei Bacon kein Lifestyle-Produkt, das nach Belieben klischeehaften Schönheitsvorstellungen untergeordnet wird. Bacons Körper gehen durch den Schmerz, vibrieren vor Lust und grenzen bei aller Vitalität stets an das Stadium morbiden Verwesens. Die Bilder schockieren noch immer, weil sie alles bloß Illustrative strikt meiden und die Dynamik menschlich-physiognomischen Agierens durch stellenweise groteske Verzerrungen sichtbar machen. Bacon war ein fanatischer Genussmensch und bediente sich schonungslos der Möglichkeiten des eigenen Körpers. Bannte er ihn auf die Leinwand, ungeschönt und die Sensationen des Nervensystems auslotend, hatte er am eigenen Leib erfahren, worum es ging.

Mir persönlich sind Exzesse dieser Art fremd. Drum bleibt meine Skizze des Baconschen Kopfes auch dem Illustrativen verhaftet. Das Faszinosum seiner Bilder aber wirkt. Nicht zuletzt, weil das Prinzip einer ästhetische Überhöhung die an Körper und Seele jüngst erfahrenen eigenen Verletzungen in ein neues Licht tauchen.

Rehausen IX

August 15, 2021 § 2 Kommentare

Erneut ein paar Skizzen. Spontan, schnell, und einzig in dem Bestreben, Proportion, Perspektive und „Glaubwürdigkeit“ eines flüchtigen Moments zu erwischen. Ähnlichkeit zu lebenden Personen natürlich rein zufälliger Natur. Glücklicherweise hat sich auch meine Perspektive unterdessen verschoben. Erhöht, genauer gesagt – von der sitzenden Mittellage in die aufrechte Spitzenposition. Damit ist auch das baldige Ende meiner Rehäuser Beiträge nunmehr absehbar. Passt.

Rehausen VIII

August 7, 2021 § 3 Kommentare

Es gibt sie noch, die Raucher. Versteckt hinten im Wald, hinter den Corona-bedingt gesperrten Holzpavilons.

Rehausen VII

August 3, 2021 § 2 Kommentare

Zwei Ruhebedürftige unter einer Kiefer.

(Nichts Spektakuläres hier. Einfach der Zeit vertrauen)

Rehausen V

Juli 18, 2021 § 4 Kommentare

Verweile doch, du bist so krumm…. nun ja, krumm sind hier allenfalls die Knochen der geschundenen Menschen, die sich zwischen Elektro- und Physiotherapiesitzung ein sonniges Nachmittagsstündchen zum Entspannen auf der Gartenterasse gönnten. Jetzt, zum Abend hin, ist alles verwaist, und zurück bleibt das Mobilar, dem der schnelle Strich meiner Zeichnung etwas Krummes verleiht.

Rehausen IV, mit einem Seitenhieb auf Beuys und einem Loblied auf Cage

Juli 15, 2021 § 11 Kommentare

Manche Menschen haben das Glück, das Selbstverständliche ein zweites Mal erlernen zu dürfen. Gehen, zum Beispiel. Den Körper, als recht eigentliches Wunder, neu begreifen. – Naja, die Not zur Tugend verklärt, klar. Aber gerade wird mir, als übungsbegleitend permanent Radio Hörender der zum Heiligen verklärte Beuys um die Ohren gehauen. Der ja auch die Perspektive auf die Kunst einfach umkehrte. Kunst ist für alle, machen alle. Gut immerhin für ihn, dass sein Part ihm allein vorbehalten blieb. Er sich um so doller von der Masse abheben konnte, je mehr er sich ideologisch mit ihr gemein machte. Wie wohltuend sich davon einer wie John Cage abhob, der weit vor Beuys bereits alles Elitäre an Kunst überführte in ein allgemeines Bewußtseinsprinzip. Und dabei so bescheiden blieb. Anschaulich illustrierte er seinen Kunstbegriff in der Antwort auf die Frage: Ist der Akt des Öffnens einer Tür Kunst? Wenn man es aufführt, ja. Also: Gewinne ich etwas, wenn ich weit hinter einem bereits erreichten Stand neu beginne? Wenn ich es neu betrachte, „aufführe“ – ja. Nie werde ich Cages verschmitztes Lächeln, seine überaus sympathische Art vergessen, derer ich Ende der 80er Jahre im Frankfurter Theater am Turm TAT zuteil werden durfte. Und seine inspirierenden Erkenntnisse zur Kunst, die das Leben umschließen.

Rehausen II

Juli 11, 2021 § Ein Kommentar

Ein schönes Erker-Zimmer mit freundlich hereingrüßendem Laub- und Fichten-Bestand, morgens in sonnengereifter Pracht erstrahlend, abends mild ermattete Strahlen gnädig durchlassend für den liebevoll inszenierten Tanz gefilterter Lichtpunke. Die als Leinwand fungierenden weiß gekalkten Zimmerwände akzeptieren den TV-Monitor in ihrer Mitte und verleihen den abendlichen EM-Spielen nebenher eine poetisch-friedliche Note. Ich bin zuversichtlich, dass selbst 60.000 gebrexte Engländer in ihrer vorsintflutlichen Raserei dem Charme dieses allabendlichen Zaubers nichts anhaben werden. In der Cafeteria und am See den Sonntag für weitere Skizzen genutzt.

Im Wald

März 29, 2021 § 5 Kommentare

Ein paar Tage verschnaufen auf dem Grundstück im Vogelsberg. Jedoch: Der Wald nebenan ein Trümmerfeld. Da wurden jüngst großflächig abgestorbene Fichten geschlagen, die Aufräumarbeiten dauern noch an. Das ermöglicht zwar ungeahnte Aus- und Durchblicke, aber wir haben doch schon Pandemie, wozu braucht‘s da zusätzlich die apokalyptisch anmutende Szenerie eines abgestorbenen Waldes? Sprechen die Katastrophen nicht miteinander? Heute du, morgen ich, übermorgen gerne jemand neues? Die Erde als Auslaufmodell. Kann man schon trübsinnig werden. Oder zeichnen.

Instagram VII

März 20, 2021 § 7 Kommentare

Man stelle sich kurz vor, es hätte Instagram bereits vor 250 Jahren gegeben. Johann Georg Sulzer hätte Fotos seiner exotischen Bäumen gepostet, das ein oder andere auf der Spree vorbei driftende Segelboot abgelichtet und uns vielleicht auch in seinen caucasischen einsamen Wald mitgenommen. Aber wüssten wir heute mehr über die Zeit damals? Sollten sich Menschen in 250 Jahren je heutige Instagram-Fotos anschauen, wüssten sie wahrscheinlich auch nicht mehr über uns. Vielleicht etwas über unsere Träume.

Nach Rembrandt

Januar 23, 2021 § 6 Kommentare

In der Kunst dürfen wir, was uns im Leben versagt bleibt. Menschen betrachten. Solange wir möchten, und im freien Spiel der Assoziationen. Bildende Künstler reagieren auf dieses Bedürfnis, sie sind getrieben von dem Wunsch, sich Wirklichkeit anzueignen und im Vorzeigbaren die Facetten der menschlichen Kondition auszuloten. Rembrandt brachte, wie das von einem Maler seiner Zeit gefordert wurde, die großen, staatstragenden Themen auf die Leindwand. Geschichten aus der Bibel, der Mythologie und Historie. Wer aber waren die Menschen, die er zeigte? In seinen Zeichnungen und Radierungen kann man sie sehen, Menschen seines Umfeldes. Familie, Dienstboten, Mägde, Bauern, Bettler, Auftraggeber. Mit seinem Verzicht auf Idealisierung (weiblicher) Körper stieß er in früheren Zeiten auf Kritik. Heute berührt seine Kunst gerade durch den ungeschönten Blick, dem scheinbar nichts entgeht, nichts zu profan ist, und der sich nicht mit Tabus beschwert. An seinen Figuren lässt sich studieren, wie meisterlich er den menschlichen Körper zum Sprechen bringt und alle Register zwischen Scham und Begehren, Glücksgefühl und Staunen zieht. Mit meinem Rotring Rapidograph habe ich mich an einigen seiner Radierungen versucht, die ich dem Ausstellungskatalog „Rembrandt. Von der Macht und Ohnmacht des Leibes. 100 Radierungen“ (Petersberg 2017) entnommen habe.

Der blinde Geiger
Diana im Bade
Nackte Frau, auf einem Erdhügel sitzend
Jupiter und Antiope (kleines Format)
Der Mönch im Kornfeld
Jupiter und Antiope
Die pinkelnde Frau
Bauer auf einen Stock gestützt mit hochstehendem Hut
Sitzende nackte Frau

Wo bin ich?

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