Moabiter Skizzen

Juni 20, 2017 § 6 Kommentare

Unten zieht die Spree ihre träge Bahn, oben, auf der Terrasse der Buchkantine, pflegen Moabiter und Moabiterinnen entspannten Müßiggang. Der Dilettant protokolliert’s mit dem 35 mm Tuschefüller.

 


Mit Tusche und Kohle

Juni 17, 2017 § 2 Kommentare

 

 

 

 

 

 

 

Schreiende Frau

Juni 13, 2017 § 6 Kommentare

Schreiende Frau ist eine Figur aus gebranntem Ton betitelt, die in der Skulpturensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin ausgestellt ist. Mehrfach bereits diente sie mir als Vorlage für zeichnerische Erkundungen. Die verstörende Isoliertheit des Torsos, das Fehlen jeglichen erklärenden Zusammenhangs im Ausstellungskontext wendete sich mir unter der Hand ins fast Surreale bei dieser Annäherung in Eitempera.

Netzfrei stimmgewaltig

Juni 10, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Man sitzt auf der abendlichen Terrasse – das Buch ist längst zusammengeklappt, die selbstgeschnitze, Tuschegetränkte Weidenfeder beiseite gelegt – und lauscht den Vögeln. Der eben noch Kübelweise runtergemachte Regen tropft gemächlich von den Blättern, in den Wipfeln fangen sich die letzten Strahlen einer wiedererstandenen Sonne während es aus der Ferne noch leise grummelt. Die Vögel haben sich nach einem solchen Spektakel viel zu erzählen. Vielfalt, Strahlkraft und Modulationsfähigkeit ihrer Stimmen versetzen in Erstaunen. Vor Jahren, als ich noch elektronische Musik machte, gelang mir einmal mit einem Analogsynthesizer ein Sound ganz ähnlich dem, der da jetzt aus dem Wald schallt. Zzinnggg. Das Entscheidende ist die Attackphase. Die ersten drei Millisekunden. Da passiert alles Wesentliche, der Rest ist dann fast wurscht. Davon freilich ahnen die kleinen Stimmbiester, die selbstverständlich die abendliche Szene beherrschen, nix. Nur zeigen sie sich nicht. So stimmgewaltig sie auch sind – sie bleiben unsichtbar. Der Wald schweigt eisern gegen die Vögel an, Augen und Ohren liegen im Clinch miteinander.

Dies alles und noch viel mehr gab’s die letzten Tage wieder mal  im Naturpark Vogelsberg, Oberhessen. Brauchwasser aus der Zisterne und 12-Volt-Solarstrom, ohne Internet inclusive. Sehr erholsam.

 

 

 

 

 

 

 

Aus den Kasseler Bergen

Juni 2, 2017 § 8 Kommentare

Liebe Mitreisende und Mit…reisen…d…innen – so beginnt ein junger Mann seine kleine improvisierte Rede, mit der er sich bei den Fahrgästen eines ICEs für die wunderschöne gemeinsame Reise bedankt. Er bittet, alle lieben Verwandten recht herzlich von ihm zu grüßen, rät, den sonnigen Tag zu nutzen und schließt mit den Worten: ich steige jetzt aus. Ein flaues Gefühl kommt auf: machen wir Weitereisenden und -innen etwas falsch, indem wir sitzenbleiben? Handelt es sich um einen Todeszug mit tickender Bombe und wir rasen ahnungslos ins Verderben? Als versierter Bahnkunde kenne ich das Personalwechselritual der DB – noch nie aber kam es so – wie soll ich sagen – persönlich daher. Den jungen Mann am Mikro bekam ich nicht zu Angesicht, mochte ihn aber instinktiv in den Arm nehmen und drücken. Vielleicht war das die erste ICE-Ansage einer noch frischen beruflichen Laufbahn, die ihn statt in die Kabine eines Stadionansagers auf die Schienen, die die Welt bedeuten, gesetzt hatte.

Allen die wo hier mitlesen wünsch ich pfrohe pfingsttage!

 

 

 

 

 

Das Ziel ist im Weg

Mai 31, 2017 § 10 Kommentare

Wärend die meisten Menschen damit beschäftigt sind, Hürden aus dem Weg zu räumen, tut eine Minderheit das genaue Gegenteil. Sie räumt Steine in den Weg und legt dadurch ein erstaunliches schöpferisches Potential frei. Von der Band Talk Talk [Mark Hollis, zum Teufel, wo steckst du eigentlich?] ist überliefert, wie sie einmal mit dem Spiel ihres Keyboarders unzufrieden war und daraufhin beschloss, seine Finger zu tapen. Tapen im Sinne von: die Finger der rechten Hand mit Klebeband zusammenbinden. Das verleitete (Haha, Euphemismus: er konnte ja nicht anders!) den Keyboarder zu einer wunderbar reduzierten, inspirierteren Melodieführung. Woraus folgt, dass man sich mitunter ein Bein stellen muss, um voran zu kommen. Das Nächstliegende, Einfache weil Gewohnte, Schnell Belohnung Versprechende etc. will gewaltsam ausgehebelt werden. Das bedeutet auch: die Angst vor Fehlern, vor dem Scheitern darf ins Positive gewendet werden,  ja sogar: der Fehler ist willkommen. Nie vergesse ich den Rat meines (Lieblings)(Jazz)Klavierlehrers Andreas Schmidt: wenn du beim Improvisieren einen Fehler machst, eine „falsche“ Note spielst, wiederhole sie an jeweils gleicher Stelle, und sie wird „richtig“. Für mein Erforschen menschlicher Physis und Physiognomie nach Maßgabe skulpturaler Schöpfungen nehme ich gern „benutztes“ Papier und arbeite z. B. gegen Schrift, oder auch gegen eigene Setzungen (davon später mehr).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stadt unter

Mai 28, 2017 § 2 Kommentare

Sommer. Saftiges Grün unter azurner Kristallkugel. Die große Stadt aufgefressen von Natur. Mit Skizzenblock und Fotoapparat an der Spree entlang, vorm ehemaligen Innenministerium grüßen Konrad Zuse und Thomas Mann, durchs Schneegestöber entfesselter Pappeln dann Richtung Tiergarten. Rhododendronhain, Liegewiesen, Flötenspieler im Baum, Friedrich Wilhelm III. Übers Kulturforum zur oberen Potsdamer Straße, dort gestärkt mit Couscous und Nudelsalat draußen, selbst der Autoverkehr respektiert das grenzenlose Blau über mir.