Fotografisches Protokoll eines Arbeitseinsatzes mit anschließender Autofahrt durch Wintereinbruch

Dezember 13, 2017 § 2 Kommentare

 

Endlich der erste Schnee. Alljährlich ein saisonaler Höhepunkt. Dieses Mal Zusammentreffen mit einem seit längerem geplanten Arbeitseinsatz auf dem Häuschengrundstück im Hohen Vogelsberg und anschließender Rückfahrt nach Berlin. Im PKW auf der Autobahn durch sanft rieselnden, später heftig peitschenden Schneefall. Die Karavane zog mal langsam, mal schleichend, mal stehend Richtung Berlin. Seltsames Verhalten mancher Karavanenteilnehmer, bedauerliche Havarieen in folgedessen, aber davon unberührte Konzentration unsererseits auf das nicht alltägliche (Natur)schauspiel. Bevor die Dämmerung alles Licht nahm, zugeschaltetes Zartrosa und damit Anknüpfen an den letzten Artikel hier. Einfahrt in die traumhaft eingeschneite Große Stadt kurz vor Mitternacht, butterweiche Ankunft. Leider alles weggeschmolzen andernmorgens.

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rosagelb

Dezember 7, 2017 § 6 Kommentare

 

Rosa ist gefährlich. Kein Farbeffekt ist billiger zu haben. Sexualisiertes Fleisch, Biologie, Urschlamm. Noch gefährlicher in Verbindung mit gelb. Jetzt, wo der Maler Balthus mal wieder auf den Prüfstand kommt – eine Online-Petition fordert die Abhängung des im New Yorker Metropolitan Museums hängenden Gemäldes „Therese, träumend“ (s. Artikel „Lolita soll gehen“ in der Süddeutschen von heute) – und die Grenzen zwischen Kunst und Realität, Vorstellen und Handeln neu verhandelt, vielleicht nachjustiert werden, lohnt es sich, neu über all dies nachzudenken. Welche Freiheit hat der Künstler. In welcher Verantwortung steht er. Was darf von Kunst erwartet werden. (Nebenbei: ein Blogger echauffierte sich neulich über eine am Steuer mit dem Handy telefonierende Tatortkommissarin – als hätte sie per se eine Vorbildfunktion, bzw. der Tatort den Auftrag zur Volksbildung)  Und eines scheint mir klar: jede Gesellschaft verhandelt die Grenze zum Unerlaubten, zum Tabu hin aufs neue. Und passiert dies, werden spannende Einblicke in die Grundlagen der menschlichen Existenz möglich.

Aus meinem Skizzenbuch

Dezember 4, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Fünfmarkstück

Dezember 1, 2017 § 2 Kommentare

 

Mein Klavierlehrer am Konservatorium pflegte ein Fünfmarkstück auf meinen Handrücken zu legen. Wenn es herunterrutschte, hatte ich verloren. Er war ein massiger Mann, ein Koloss, aber ohne alles Muskulöse, Stählerne. Seine Konturen flossen dahin wie seine wulstigen Finger, wenn sie über die Tastatur glitten. Spielte ich, lauerte er neben mir und wartete auf den richtigen Moment. Der kam schnell, denn etwas auszusetzen an meinem Spiel gab es immer. Dann setzte er sich mit unvermuteter Behendigkeit auf den Klavierstuhl, auf dem ich gerade noch gesessen zu haben glaubte. Zu behaupten, er habe mich beiseite geschoben hieße, den Kraftaufwand übertrieben darzustellen, dessen der ganze Vorgang, der sich im übrigen im Bruchteil einer Sekunde abspielte, bedurfte. Die stupende Klaviertechnik, die ihm wahrscheinlich von Geburt an zur Verfügung gestanden hatte, beschämte mein hölzernes Gestümper. In unserer Heimatstadt verfügte er über eine ansehnliche Fangemeinde, litt jedoch Zeit seines Lebens unter der Kränkung, dass ihm die Professur an der Musikhochschule der nächst größeren Stadt verweigert wurde. So unternahm er regelmäßig Tourneen in ferne Länder. In Fernostasien galt er wahrscheinlich als der authentische Nachkomme Beethovens und Schumanns. Auch Schallplatten spielte er gelegentlich ein, nicht ohne uns Schülern den Erwerb dieser Platten auf das Dringlichste ans Herz zu legen. Einmal hatte ich bei ihm zuhause Unterricht. Während wir am Klavier saßen – der Flügel durfte zu Unterrichtszwecken keinesfalls mißbraucht werden – huschte im Hintergrund ein federleicht winziges Persönchen auf der Suche nach dem gemeinsamen weißen Hasen durch die Szene. Nachdem ich auf die Hochschule gewechselt hatte, verlor sich der Kontakt. Es blieb eine grundsätzliche Blockade im Spielapparat, die Energie konnte nie fließen. Nachdem ich mich noch eine Weile daran abgearbeitet hatte, gab ich auf. Doch in konzetrischen Kreisen kehrte das Klavierspiel immer wieder zurück. Und über die Jahre, Jahrzehnte mittlerweile, nach Anregungen vielfältigster Art, lockerte sich der Knoten. Heute weiß ich, wie sich Arm, Hand und Finger anfühlen müssen, damit die Energie fließen kann. Und es gelingt mitunter. Dann ist es ein Fest, der Körper im Rausch, fünf Finger buhlen um die Taste, eine nach der anderen formen sie die Phrase, die singend über dem Bass emporsteigt. Und dann spielen die Finger von alleine, ich stehe bewundernd daneben, vergesse darüber fast die Musik… So unterhalten sich Körper und Geist. Wie beim Sport. Wie in der Liebe. Ganz ohne Fünfmarkstück.

 

 

Schwindendes Licht am Ende des Tunnels

November 28, 2017 § 2 Kommentare

 

 

 

 

 

Die Sache mit dem Ruhm und dem Geld

November 26, 2017 § 6 Kommentare

 

Mit Ruhm und Geld ist das doch so: Man will das gerne haben, einerseits, man weiß aber auch, dass das nicht viel bedeutet, andererseits. Sobald man ins Atelier geht, hilft einem nicht weiter, dass man berühmt ist – da ist man wieder dasselbe kleine Arschloch, das da steht, sich am Kopf kratzt und auf eine gute Idee hofft.

Per Kirkeby*

Man sieht: wer etwas geschafft hat, bleibt eben immer noch der, der er war, als er es noch nicht geschafft hatte. Oder die, die sie war, als sie es noch nicht geschafft hatte. Diese Erfahrung zu machen, ist sicher so frappierend wie erhellend, und schnell ist man da mit der Beobachtung bei der Hand, dass Geld nur dem nichts bedeutet, der im Übermaß darüber verfügt. Es steckt aber doch eine tiefere, und in diesem Falle durchaus beruhigende Erkenntnis dahinter. Freilich gilt’s auch umgekehrt: es hilft einem auch nicht, n i c h t berühmt zu sein, sondern ein bloggender Dilettant. Statt mir den Kopf blutig zu kratzen hab ich mir gesagt, geh doch mal raus aus dem Atelier Dilettantenstüberl, dorthin, wo den kleinen Arschlöchern vergangener Zeiten ein ehrendes Andenken bereitet wird, ins Museum. Diesmal das Bode-Museum. Natürlich mit Tuschefüller und Notitzbüchlein. Später bisschen Farbe drauf, als Trost- und Heilpflaster, gewissermaßen.

 

 

* in: Süddeutsche Zeitung Magazin, 20 Jahre Edition 46, S. 29

 

 

20 Variationen über ein Thema auf Schmierpapier

November 21, 2017 § 6 Kommentare

 

Der Mensch vorm PC-Monitor.