Nachlese

August 17, 2018 § 2 Kommentare

 

Ohne mit der Wimper zu zucken hat uns der Strand ziehen lassen. Kein Wölckchen zog auf, nicht die kleinste Böe ließ erkennen, dass wir unsere Zelte abbrachen und abreisten. Da geht der Sommer einfach weiter, wo wir am Wasser lagerten, unendliches Rauschen, Möwengekreisch, Sonne weit und breit. Wird schon sehen, was er davon hat, der Strand, würde man normalerweise sagen und beleidigt die Stimmlage senken. So blöd ist die Natur aber nicht, dass sie sich auf unsere dämliche Zwiesprache einließe. Zwar glänzt sie nur, WEIL WIR SIE ANSCHAUEN, doch ist ihr das schwerlich beizubringen. Den Mit-Strand-Müßiggängerinnen freilich auch nicht. Liegen immer noch da rum. Ein paar von denen hab ich aber ein Andenken bereitet, ein heimliches. Und so bin ich sie noch mal durchgegangen, meine Skizzen. Diese vermisse ich jetzt schon:

 

Der Quengler

 

Die Sinnsucher

 

Der Poser

 

Der Gottsucher

 

Der Fels in der Brandung

 

Der Exhibitionist

 

Die Wartenden

 

Die Midlifekrise

 

Die Schöne

 

Die Sonnenanbeterin

 

 

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homo litoris

August 9, 2018 § 4 Kommentare

Intellektuelle Menschen meiden das Strandleben. Handelt es sich dabei doch offensichtlich um sinnloses Totschlagen von Zeit zur Erreichung maximaler Bräune bei infantiler Fixierung auf eine oberflächlich hedonistische Lebenspraxis. Außerdem wird zu der dafür vorgesehenen Zeit der Strand massenweise heimgesucht. Ein eigener Industriezweig hat sich auf das perfekte Bespielen attraktiver Strände durch Menschenmassen verlegt. Der Intellektuelle aber macht sich nicht gemein mit der Masse. Er nutzt sie allenfalls als Folie für seine Einzigartigkeit. Ich meinesteils gestehe, mich lange Zeit dem Diktum der Intellektualität gebeugt und mit Verachtung auf das Treiben der Masse geblickt zu haben. Das fühlte sich ziemlich gut an, machte mich aber nicht zu einem besseren Menschen. Nun zog mich nicht erst die anhaltende Hitze ans Wasser, bereits früher hatte ich entdeckt, wie wohltuend Licht, Sonne, Luft, Wind, Sand in Verbindung mit Wasser, genauer: Salzwasser – noch genauer: dem Meer in seiner tief existenzialistisch erfahrbaren Ursprünglichkeit auf die Psyche des Körpers wirken. Und ja: im Verbund mit vielen anderen Menschen, die genau diese Erfahrung suchen. Einzelkämpfer, Paare, Familien, Greise – alle kommen sie zusammen, um in seiner Ursprünglichkeit Natur zu erleben, zu feiern. Sonne, Sand, Wasser, Hitze, Abkühlung. Wer will, betrachtet den Horizont. Oder misst seinen Körper an dem anderer. Lebt die Dynamik innerhalb seiner Familie aus oder wird zum Betrachter fremden Schauspiels. Vertieft sich in ein Buch oder döst. Oder zeichnet. Spürt den Sand auf der Haut, oder – Glücklicher – die Berührung des Anderen. Irgendwann, wenn die Hitze ins All entwichen ist, ziehen alle von dannen. Ein paar Verliebte bleiben.

 


Aus der Deckung …

Juli 19, 2018 § 2 Kommentare

 

Das kauernde Mädchen hat ein neues Zuhause gefunden. Das freut mich sehr. Einerseits. Andererseits hatte ich gehofft, sie in Gesellschaft all der anderen anonym hängenden Zeichnungen in der Galerie im Körnerpark sehen zu können. Aber es war jemand schneller…

Auf der Brüstung

Juli 4, 2018 § 2 Kommentare

Meine Fichte

Mai 20, 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

 

Die majestätische Fichte vor meinem Küchenfenster wächst gelassen gen Himmel. Wir grüßen uns jeden Morgen wie zwei alte Bekannte. Ihre sanft schaukelnde Ruhe nehme ich mir zum Vorbild für den Tag, meine stille Bewunderung wiederum gibt ihr die Kraft für stetes  Ausharren. Sie dürfte so alt sein wie der Wohnblock, in dessen Innenhof sie steht, und überragt nach hundertährigem Wachstum die sie umgebenden Gemäuer um das doppelte. Von meinem Hochsitz im dritten Stock aus befinde ich mich in etwa auf Höhe des Bauchnabels. Sie ist eine echte Schönheit, und gerne würde ich sie malen. Aber das ist aussichtslos. Weder hätte ich die Geduld, abertausende Nadeln zu malen, noch dürfte ich je hoffen, mit drei vier schwungvollen Pinselstrichen die Essenz Ihro Majestät auf die Leinwand zu werfen. Und vielleicht gäbe sie auch gar nicht die Genehmigung. Mir scheint, sie ist ziemlich eitel und ließe keinesfalls einen Dilettanten wie mich an sie heran. Trotz der gutnachbarlichen Beziehungen. Ich bleibe bei meinenesgleichen. Köpfe und Körper. Zwei Augen, Nase, Mund, oder Rumpf zwei Beine zwei Arme – immer das gleiche. Das geht.

 

 

 

 

Nabelschau

Mai 19, 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

 

Der Mensch ist, wie alles was lebt, eine expanierende Spezies. Gut möglich, dass er, als Megaseller der Evolution, irgendwann über die Grenzen seiner eigenen Belastbarkeit hinaus expandiert. Dann könnte schon bald alles vorbei sein. Es lohnt also, noch mal genau hin zu schauen. Wer sind wir, und vor allem, wie sehen wir aus?

 

 

 

 

 

 

 

 

Aus der Zeit gefallen

Mai 7, 2018 § 6 Kommentare

 

Am vorgestreckten Arm das Smartphone, dessen rückwärtsgewandtes Auge schon nicht mehr interessiert. So wenig wie die Kippe, längst erloschen. Im Haar krümmt sich das Gebirge. Felsen, aus der Zeit gefallen. Nie sind wir so alt, wenn wir jung sind.

 

Wo bin ich?

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