Die Sache mit dem Ruhm und dem Geld

November 26, 2017 § 6 Kommentare

 

Mit Ruhm und Geld ist das doch so: Man will das gerne haben, einerseits, man weiß aber auch, dass das nicht viel bedeutet, andererseits. Sobald man ins Atelier geht, hilft einem nicht weiter, dass man berühmt ist – da ist man wieder dasselbe kleine Arschloch, das da steht, sich am Kopf kratzt und auf eine gute Idee hofft.

Per Kirkeby*

Man sieht: wer etwas geschafft hat, bleibt eben immer noch der, der er war, als er es noch nicht geschafft hatte. Oder die, die sie war, als sie es noch nicht geschafft hatte. Diese Erfahrung zu machen, ist sicher so frappierend wie erhellend, und schnell ist man da mit der Beobachtung bei der Hand, dass Geld nur dem nichts bedeutet, der im Übermaß darüber verfügt. Es steckt aber doch eine tiefere, und in diesem Falle durchaus beruhigende Erkenntnis dahinter. Freilich gilt’s auch umgekehrt: es hilft einem auch nicht, n i c h t berühmt zu sein, sondern ein bloggender Dilettant. Statt mir den Kopf blutig zu kratzen hab ich mir gesagt, geh doch mal raus aus dem Atelier Dilettantenstüberl, dorthin, wo den kleinen Arschlöchern vergangener Zeiten ein ehrendes Andenken bereitet wird, ins Museum. Diesmal das Bode-Museum. Natürlich mit Tuschefüller und Notitzbüchlein. Später bisschen Farbe drauf, als Trost- und Heilpflaster, gewissermaßen.

 

 

* in: Süddeutsche Zeitung Magazin, 20 Jahre Edition 46, S. 29

 

 

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Zacharias Hegewald im Bode-Museum

März 14, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Zacharias Hegewald, Adam und Eva als Liebespaar. Skulptur im Bode-Museum

Zacharias Hegewald, Adam und Eva als Liebespaar. Skulptur im Bode-Museum

Im Bode-Museum zu Berlin sind viele schöne, bekannte Skulpturen zu sehen. Und es ist so manche Preziose zu entdecken. Zum Beispiel ein kleines Figurenpaar von Zacharias Hegewald, einem barocken Bildhauer mit Atelier im Dresdner Schloss. Titel: Adam und Eva als Liebespaar. Da begehren sich zwei, das sieht man sofort. Und obwohl beide frontal dargestellt sind, ist ihre Hinwendung zueinander vom Künstler virtuos inszeniert. Nach kurzer Betrachtung fielen mir zwei Knubbel auf, die aus dem Schleier, der die Scham verhüllt, herausragen. Das Rätsel löste sich schnell: hier wird ein abnehmbares Stück „Stoff“ von zwei Stiften festgehalten. Und obwohl der kunstinteressierte Museumsbesucher des 21. Jahrhunderts, anders als der ursprüngliche Auftraggeber der Figurengruppe, das abnehmbare Teil nicht entfernen darf – durch das Vorhandensein einer Glasvitrine sogar ausdrücklich daran gehindert  wird – verrät ein Blick von schräg oben unmissverständliche Erkenntnisse über die sinnenfrohe Gestimmtheit des Bildhauers bzw. des Auftraggebers. Nur so viel sei verraten: Zacharias Hegewald war eine ausgewiesener Schlawiner vor dem Herrn.

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