Die Sache mit dem Ruhm und dem Geld

November 26, 2017 § 6 Kommentare

 

Mit Ruhm und Geld ist das doch so: Man will das gerne haben, einerseits, man weiß aber auch, dass das nicht viel bedeutet, andererseits. Sobald man ins Atelier geht, hilft einem nicht weiter, dass man berühmt ist – da ist man wieder dasselbe kleine Arschloch, das da steht, sich am Kopf kratzt und auf eine gute Idee hofft.

Per Kirkeby*

Man sieht: wer etwas geschafft hat, bleibt eben immer noch der, der er war, als er es noch nicht geschafft hatte. Oder die, die sie war, als sie es noch nicht geschafft hatte. Diese Erfahrung zu machen, ist sicher so frappierend wie erhellend, und schnell ist man da mit der Beobachtung bei der Hand, dass Geld nur dem nichts bedeutet, der im Übermaß darüber verfügt. Es steckt aber doch eine tiefere, und in diesem Falle durchaus beruhigende Erkenntnis dahinter. Freilich gilt’s auch umgekehrt: es hilft einem auch nicht, n i c h t berühmt zu sein, sondern ein bloggender Dilettant. Statt mir den Kopf blutig zu kratzen hab ich mir gesagt, geh doch mal raus aus dem Atelier Dilettantenstüberl, dorthin, wo den kleinen Arschlöchern vergangener Zeiten ein ehrendes Andenken bereitet wird, ins Museum. Diesmal das Bode-Museum. Natürlich mit Tuschefüller und Notitzbüchlein. Später bisschen Farbe drauf, als Trost- und Heilpflaster, gewissermaßen.

 

 

* in: Süddeutsche Zeitung Magazin, 20 Jahre Edition 46, S. 29

 

 

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§ 6 Antworten auf Die Sache mit dem Ruhm und dem Geld

  • mickzwo sagt:

    Dazu passt der Satz: Egal wo man hinreist, man trifft zuerst sich selbst.

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  • Deine Methode, im Museum zu zeichnen, hat mal wieder wunderbare Ergebnisse gebracht, lieber Der Dilettant. Manches, namentlich die 2. Zeichnung, erinnert mich stilistisch an den späten F.K.Waechter, ist nur nicht witzig. Zu deinen Überlegungen fällt mir eine Bemerkung von Oscar Wilde ein:
    „Es gibt nur zwei Tragödien im Leben. Die eine besteht darin, dass man nicht bekommt, was man sich wünscht, und die andere darin, dass man es bekommt.“
    Was Per Kirkeby sagt, bezweifele ich ein wenig. Ruhm und Geld verändern einen Menschen, oft nicht zum Besseren. Aber auch ohne es moralisch zu bewerten: Die gezeigten Bilder gezeichnet zu haben, die Vorlagen studiert zu haben, das hat auch dich ein wenig verändert, dich virtuoser gemacht, mehr verändert vielleicht als mich eher nüchternen Betrachter, aber da menschliches Leben ein ständiger Rückkopplungsprozess ist, will ich das nicht unterschätzen.

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    • derdilettant sagt:

      Ich denke auch, dass Geld und Ruhm den Menschen verändern. Kirkeby will aber glaube ich noch auf etwas anderes hinaus: es ist vielleicht keine Veränderung im Hinblick darauf, was man sich davon verspricht. Die innere Wahrnehmung verändert sich nicht, das Gefühl, etwas schaffen zu können oder eben nicht bleibt unberührt. Das Zeichnen im Museum ist für mich ständiger Prozess, schön zu lesen, dass sich meine Mittel dadurch vielleicht erweitern. Herzlichen Dank fürs aufmerksame Begleiten!

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  • Ganz wundervolle Retrospektive Zeichnungen hast Du da hingezaubert!

    Bekannt oder Unbekannt, ein wahrer Künstler kann auch sein völlig unbenannt. BaSch

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