Find the river

November 24, 2020 § Ein Kommentar

Manche Songs nisten sich in den Gehörgängen ein und werden zum ständigen Begleiter. Find the river von R.E.M. ist mir so einer. Und dann habe ich neulich diese Video von Michael Stipe auf youtube entdeckt, das mich in seiner direkten und ungekünstelten Ansprache berührt hat. Es ist eine Demo-Version von No time for love like now. Was mich wiederum zu diesem Bild anregte.

Michael Stipe

learning what I wasn‘t doing

November 14, 2020 § 5 Kommentare

Klavierspielen, sofern man es nicht rein perkussiv betreiben will, ist permanetes Ankämpfen gegen den Tod. Jeder Ton stirbt, kaum ist er angeschlagen. Die Saite bekommt nur diesen einen Impuls, dieses eine Lebenszeichen, danach ist sie zum Verklingen verureilt. Da hilft weder Hoffen noch Bangen, Drücken und Schieben schon mal gar nicht. Nachgetretenes rechtes Pedal schafft für einen Moment zusätzliche Resonanz und öffnet den Ton ein letztes Mal auf dem Weg in die Stille. Wie aber aus diesen reanimationsunfähigen Patienten eine Melodie formen? Wie den Bogen spannen, dem Wechsel im Ein- und Ausatmen den höheren Sinn verleihen? Wie nachahmen, was Sängerinnen, Geiger mühelos vormachen? Wie stets im Leben hilft Einbildungskraft gepaart mit ein paar Tricks die geeignet sind, das menschliche Ohr zu überlisten. Große Pianistinnen schaffen das. Keith Jarrett ist so einer. War so einer, muss man präsizieren, seit er kürzlich bekannt gab, nach zwei Schlaganfällen nie wieder mit beiden Händen Klavierspielen zu können. Die linke ist seither gelähmt. Unnötig zu betonen, dass Jarret mit dieser Linken allein ein ganzes Orchester zur Verfügung stand. Wie er dann seine Rechte vors Orchester zu stellen imstande war, ihr primadonnenhaft alle Freiheiten ließ und über allem doch eine höhere Instanz waltete  – pure Magie.

Der zum Sterben verurteilte Klavierton – wie also beginnt er zu leben? Um davon eine Ahnung zu bekommen, hilft ein Blick auf den klavierspielenden Jarrett. Es wird sofort klar, dass hier einer derart perfekt den Spielapparat beherrscht – und mit Spielapparat ist hier nicht wie im herkömmlichen Klavierunterricht der Finger/Arm/Schulterbereich gemeint, sondern alles zwischen kleinem Finger und großem Zeh – dass jeder einzeln angeschlagene Klavierton, jede noch so beiläufig gestreifte Taste in einem großen Ganzen aufgeht. Und da lebt, pulsiert, wogt und webt alles in einem Organismus, den schnöde mit „Musik“ zu bezeichnen fast schon Blasphemie wäre. Denn Klang ist es zwar, was man vernimmt, aber als Vorschein von etwas, das auf jeden Fall sehr groß ist, vielleicht universell. Und so ringt Jarrett mit dem Flügel, knetet die Finger in ihn hinein, windet sich und tanzt mit dem halbtonnen schweren Ungetüm den Ringkampf zweier Giganten. Zweier ineinander verliebter Giganten. Denn hier vereinigt sich ein Liebespaar auf offener Bühne. Das hat seinen Preis. Trotz athletischer Konstitution zwang totale Erschöpfung Jarrett bereits vor zwanzig Jahren zu einer zweijährigen Spielpause. Und nun das endgültige Aus. Von meiner Liste der Musiker, die ich hoffte einmal im Leben live erleben zu dürfen, muss nun, nach Bowie, auch er gestrichen werden. Es bleiben die Aufnahmen, und spektakuläre Videos und Filme. In der sehr zu empfehlenden Dokumentation „Keith Jarrett – The art of Improvisation“ (zu sehen auf youtube) spricht er darüber, wie er versuchte der Falle zu entgehen, sich improvisierend zu wiederholen: „Learning, what I wasn‘t doing.“ Welche Herausforderung für einen, der eigentlich alles kann. Und wie aktuell jetzt, wo er lernen muss, nicht mehr Klavier zu spielen. 

Aufblühendes Ende

November 1, 2020 § 6 Kommentare

Der Herbst erinnert uns daran, dass alles ein Ende hat. Er zeigt uns aber auch welch Aufblühen im Übergang liegt. Aufnahmen aus dem Berliner Tiergarten, dem schönsten aller Parks inmitten einer Großstadt. Denn natürlich ist Natur dort am Schönsten, wo ihr der Mensch den letzten Schliff verpasst.

Den Pinsel flach halten

Oktober 29, 2020 § 3 Kommentare

Ich versuche, beim Malen mehr in die Fläche zu gehen. Auffächern statt umreißen, ausbreiten statt einhegen. Schweifen, ein Plateau fürs Auge. (Ist irgendwie auch meditativer, hab’ ich festgestellt)

Aktzeichnen

Oktober 26, 2020 § 5 Kommentare

Das Modell vor Beginn der Sitzung:

und währenddessen:

A shitter splash

Oktober 14, 2020 § Hinterlasse einen Kommentar

lass krachen

September 24, 2020 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Raucher

September 16, 2020 § Hinterlasse einen Kommentar

(In meiner Studentenzeit gönnte ich mir eine gelegentliche Zigarette am Küchenfenster. Sie half, heiß gelaufene Synapsen abzukühlen und geistige Schwerstarbeit stilvoll abzufedern. Später gab ich das Rauchen auf…)

Instagram VI

September 9, 2020 § 8 Kommentare

Konturen markant aufs Papier zu setzen und damit die Figur buchstäblich zu umreißen, um ihr anschließend farblich-fließend Leben einzuhauchen ist das eine. Nämlich ihre Existenz kraft Linie zu behaupten in einem Akt bildnerischer Schöpfung. Etwas ganz anderes ist es, sich in der Fläche mit zunächst zarten, wässrigen Tönen das Terrain sukzessive zu erobern, die Figur „werden“ zu lassen. Im Entstehungsprozess lässt sich so gut beobachten, ab wann diffuse Flächen zu „menscheln“ beginnen, wann erkennbare Merkmale der Physiognomie und der Gesichtsform Ausdruck annehmen und den Betrachter berühren. In der nunmehr sechsten Folge meiner Instagram-Erkundungen bin ich den Weg der Fläche gegangen, von innen nach außen gewissermaßen und ohne vorab klärende Kontur. Desgleichen von hohem Wasseranteil und unbunten Farben allmählich zu höherer Farbdichte fortschreitend. Ganz nebenbei arbeiten mir die Mittel, Papier und Farbe, zu und entfalten ein faszinierendes Spiel aus Zufallsstrukturen, die sich sowohl in die Idee einbinden lassen, als auch ihr neue Impulse zu geben vermögen. 

Generation instagram V

September 5, 2020 § 2 Kommentare

Wo bin ich?

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