Palast der Republik

Januar 31, 2023 § 4 Kommentare

Friede den Hütten, Krieg den Palästen. Oder gleich den Palast fürs Volk. Die untergegangene DDR hatte schöne Ideen, leider auch die Stasi. Der Berliner Palast der Republik jedenfalls war beliebt, auch kein ganz unansehnliches Bauwerk. Dann kam die Wende, und der Palast wurde geschleift. Was Sieger halt so machen. Beseitigen die Symbole der Verlierer. Nicht dass die darauf folgende Leere irgendwie anstößig gewesen wäre. Aber sie bot doch Spielwiese für allerlei dumme Gedanken. Das Ergebnis ist nun betongewordene Realität. Ein Grund mehr, den untergegangenen Palast in der Fantasie etwas weiterzuspinnen…

Tanz mit mir

Dezember 28, 2022 § Ein Kommentar

Doppelportrait

Dezember 18, 2022 § 3 Kommentare

Ein serbischer Kriegsgefangener zeichnete 1942 anhand einer fotografischen Vorlage das Portrait meines Urgroßvater in Neuenhaus, Grafschaft Bentheim. Sicherlich im Tausch gegen Naturalien, der Familienüberlieferung zufolge aber auch aus Dankbarkeit für dessen Sohn, meinen Großonkel Ernst August Ocker, der als Lageraufseher Verantwortung trug für die Kriegsgefangenen und, so wird erzählt, ein Vertrauensverhältnis zu ihnen aufbauen konnte. Dabei verstieß er gegen die Vorschriften, wurde im Ort angeschwärzt und an die Front nach Russland strafversetzt. Als einziger unter seinen Geschwister überlebte er den Krieg nicht. Die Zeichnung in fotorealistischer Ausführung zeugt von hohem handwerklichen Können. Leider wissen wir nichts über das weitere Schicksal des Künstlers. Eine Sichtung der mittlerweile reichlich vorhandene Literatur über die Geschichte der Emslandlager im Westen Niedersachsens mag hier künftig Hinweise liefern. 

Die aktuelle Fotografie des hinter Glas gerahmten Bildes rückt mich unverhofft in die Nähe meines Urgroßvaters.

Manche Bilder…

November 28, 2022 § Hinterlasse einen Kommentar

…kommen langsam.

Dieses zum Beispiel. Ein Anfang war schnell gemacht mit ein paar impulsiven Kreisbewegungen. Steht man doch vor der Leinwand und das Weiß brüllt gib mir Farbe. Nichts leichter als das. Farbe plus Energie. Kick your ass and your mind will follow. Wie hasste ich früher Lehrer, denen zu Spontaneität nichts besseres einfiel als erst denken dann reden. Einer dieser Sprüche. Überhaupt die kolossal überschätzte Kategorie, das Denken. Viele denken sich zu Tode, statt einfach zu leben. Schauen was da ist, mitschwingen, einfühlen, nachspüren. Vielleicht den Körper denken. Farbe, paint and colour. Ein guter Anfang. Der Rest hat Zeit.

Platanen

Mai 18, 2022 § 4 Kommentare

Acryl auf mehrfach übermalter Leinwand.

Licht. Von der Sonne in den Maschinenraum

Mai 14, 2022 § Hinterlasse einen Kommentar

Licht. Von der Sonne aufs Objekt, von dort gebrochen auf die Netzhaut und weiter ins Gehirn. Die Nerven schaffen dann anhand eines Bauplans, den die Evolution ersann, ein Bild, das wir für die Welt halten. Finden wir‘s schön, beauftragen wir ein Maschinchen, dem wir mitgeteilt haben, wie es die Welt abbilden soll, das Bild über den Moment hinaus festzuhalten. Zum Beispiel hier in meinem Blog. Im Maschinenraum.

Insta(ge)wimmel und ein paar zeitkonforme Betrachtungen

Mai 11, 2022 § 3 Kommentare

in der Vergangenheit habe ich auf der Suche nach Vorlagen für meine Skizzen und für das Studium figürlicher Arbeiten gerne das unbegrenzt und jederzeit verfügbare Bilderreservoir auf Instagram genutzt. Hier sind es nun nicht einzelne portraitartige Blätter geworden, sondern heraus kam ein Blatt zum Thema Bilderfllut auf Instagram. Natürlich dachte ich dabei an die alten Meister, die gerne auf Studienblättern Detailaspekte einer Zeichnung fixierten. Nebeneffekt bei dieser durchaus auch zerstreuenden Beschäftigung: man klickt sich in wenigen Minuten einmal um die Welt. Konten sind miteinander vernetzt, es lässt sich beliebig weltumspannend von Bild zu Bild und damit Ort zu Ort surfen. Was dabei ins Auge sticht, findet seinen Weg auf mein Blatt. Freilich bleibt das alles rein virtuell. Ein scheinendes Oberflächenkonstrukt, das nur sehr mittelbar etwas über die gestreiften Orte und Menschen verrät. Nun ist es müßig, die immer gleiche (pessimistische) Kulturkritik aus dem Tornister zu holen. Wir Alten blicken stets mit Schrecken nach vorne und suhlen uns in einem rückwärts gewandten Blick, das früher vermeindlich “echte“ Leben idealisierend. Annehmlichkeiten, die die Segnungen der Wissenschaft mit sich brachte, kassieren wir ein anstatt sie in die Waagschale des Für und Wider zu geben. Aber ich verliere mich in allgemeinen Betrachtungen. Dabei wollte ich doch nur ein wenig wimmeln (und bedaure dann doch, dass mein geliebter Rotring Isograph nicht mehr hergestellt wird).

Warten…

Mai 7, 2022 § 3 Kommentare

Nachtrag

Mai 3, 2022 § 4 Kommentare

zum vorherigen Blogbeitrag. Die wie ich finde etwas lieblichere Variante meiner Acrylstudie aus dem Vogelsberger Wald.

Weh mir…

April 27, 2022 § 8 Kommentare

Über Ostern weilten wir im Hessischen und hatten das Glück, einen sonnigen, wenngleich noch etwas frischen Morgen auf der Ostterasse des Häuschens im Vogelsberg genießen zu können. Der Dreiklang aus zartblauem Himmel, luftig weißen Wölkchen und erstem Grün schmeichelte unseren Sinnen. Die Seele baumelte einen Moment und ließ das Große und Ganze in den Hintergrund treten. Der Wald hinterm Häuschen ließ ob seiner Kargheit noch genug Licht durch, weiße Blütenpracht mischte sich mit trockenem Geäst und erstem Grün. Das zieht offenbar noch immer ausreichend Wasser aus den trockenen Böden. Aber – weh mir, wo nehm ich, wenn es Sommer ist, das Wasser, und wo die Blumen und Gräser der Erde? Hölderlin wusste nichts vom Klimawandel, aber die Natur in Ihrem unbarmherzig stoischen Lauf taugte ihm als Gleichnis für seelische Nöte. Die von ihm erlebte Natur will uns heute paradiesisch scheinen, dabei war sie den Damaligen mindestens so bedrohlich wie anmutig. Der vertrocknete Baum mit expressiv aufgeplatzter Rinde inmitten zart frühlingshafter Pracht so wie ich ihn hinterm Häuschen sah, beeindruckte mich jedenfalls. Nach einer Fotografie enstanden gestern zwei Versionen in Acryl, von denen dies die zweite ist.

Wo bin ich?

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