März 2, 2017 § 2 Kommentare

Ich habe stets kleine Zettelchen bei mir, auf die ich gelegentlich Figuren, Gesichter oder kleine Szenen skizziere. Hauptsache schnell und mit dem Schwung der Emphase. Meist ist ein Foto die Vorlage, aus einer Zeitschrift oder einem Buch, gelegentlich eine Person im Raum oder auch mal eine unwillkürlich emporsteigende Erinnerung. Diese Zettel wandern in meine hintere Hosentasche, von wo sie in gewissen Abständen den Weg auf den Maltisch und irgendwann in eine Schublade finden. Von Zeit zu Zeit schaue ich dann mal durch und wäge, was zu mir spricht. So auch gestern. Und plötzlich war da die Lust auf Farbe, kleine Töpfchen Gouachefarbe in Griffweite, ein Pinsel sowieso, und hier ist sind die Ergebnisse:

 

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Ich lebe

März 19, 2014 § 7 Kommentare

von, mit, an, auf, unter, zwischen  Zetteln. Sie sind mein ständiger Begleiter durch den Tag, in dessen Verlauf sich meine linke Hosentasche mit beschriebenen Zetteln auffüllt. Ich bewirtschafte sie, und sie bewirtschaften mich. Wir wirtschaften miteinander. Heute habe ich gefühlte tausend davon eingeklebt. Das Einkleben ist der Versuch, der Zettelflut Herr zu werden und sie in den Modus eines Buches, welches man in Ruhe durchblättern kann, zu überführen. Ich habe nämlich festgestellt, dass spontan aufgezettelte Notate durchaus eine gewissen Halbwertszeit haben (können), und sich ihre Funktion keineswegs im Akt der Klärung komplizierter Sachverhalte durch instantöses Ausformulieren derselben erschöpft. Nachdem drei Prittstifte verbraucht waren (hielten die früher länger?) und ich mit der guten alten Uhu-Tube weiterkleben musste (deren Klebstoff noch immer Fäden zieht aber – vermutlich aufgrund sachdienlicher Intervenierung unseres Drogenbeauftragten – nicht mehr so intensiv riechen wie ehedem) griff ich erschöpft zum Weinglas. Ruppig nahmen die Tannine Besitz von meinem Gaumen, und da durchschoss ein Gedanke mein verklebtes Gehirn: wie kommt es, dass Wissenschaftler drei Milliarden Jahre alte Strahlen im Universum aufspüren, sozusagen die frische Erinnerung an den Urknall anzapfen, während meine besten Gedanken keinen Tag überleben, so dass ich sie auf Zettel notieren muss, die ich dann mühsam in Bücher klebe, hoffend, dereinst beim Durchblättern derselben mein Potential anzapfen zu können. Etwas stimmt nicht mit demUniversum. Ich bin frustriert. Und während die guten Gedanken gehen, bleiben die schlechten, und umkreisen 14 Milliarden Jahre nach dem Urknall mein armes Hirn. Etwas stimmt nicht mit dem Universum.

selbst 14 Milliarden Jahre

Oder mit mir?

Vom Weiterleben der Dinge

August 24, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich gehöre zu denen, die nichts wegschmeißen können. Ich mag alte Sachen, mit Vorgeschichte, mit Spuren früherer Benutzung. Und ich mag den Gedanken, einer Sache, die ihre Funktion erfüllt hat, eine zweite Chance zu geben. Daher meine Vorliebe für Schmierpapier. Jemand hat sich Notizen gemacht, etwas ausgedruckt, das Blatt droht schließlich in den Müll zu wandern. Hier komme ich als freundlicher Entsorger ins Spiel und zeichne etwas darauf. Vielleicht laviere ich mit Tusche oder Acryl, Textfragmente drücken sich von der anderen Blattseite durch und schon entsteht innigste Zwiesprache. Das Blatt hat seine zweite Chance. Vielleicht ist die Rohstoffgerechte Entsorgung nur aufgeschoben. Vielleicht aber gefällt jemand die Zeichnung und plötzlich hängt sie an irgendeiner Wand. Ein Nachlassverwalter aber schmeißt das Gekrackel Jahre später in die zum bersten volle Altpapiertonne, ein Windstoß treibt das bunt leuchtende Blatt spielenden Kindern in die Hände, die daraus einen Flieger basteln…

Jüngst habe ich ein Zettelwirtschaftsbuch- fast bin ich versucht zu sagen: ein Zettelwunderwirtschaftsbuch – angelegt. Ich habe nämlich festgestellt, dass Zettel mit Gedankenblitzen, die tagsüber in meine linke hintere Hosentasche wandern, abend auf dem Schreibtisch der allgegenwärtig unausweichlichen nimmersatten Entropie in einem Maße zuarbeiten, das meiner Gesundheit abträglich ist. Auf einem der Zettel stand aber: Zettelwirtschaftsbuch anlegen! Ich nahm also ein altes Buch und begann mit dem Einkleben der Gedankenblitze. Das mache ich nun allabendlich und es lässt sich bei Bedarf herrlich in dem Buch vor und zurück blättern. Und ganz nebenbei ist auch das alte Buch gerettet.

An dieser Stelle sei freilich ein wichtiger Hinweis erlaubt: MEIN GESAMTGESELLSCHAFTLICH SCHÄDLICHES WEIL KONSUMFEINDLICHES ERGO KONJUNKTURBREMSENDES ERGO ARBEITSPLÄTZEVERNICHTENDES VERHALTEN SEI HIER AUSDRÜCKLICH NICHT ZUR NACHAHMUNG EMPFOHLEN: KAUFT VIELMEHR STETS ALLES NEU UND FÜHRT DAS ALTE DER RECYCLINGINDUSTRIE ZU! ENDE DER DURCHSAGE.

Und dann fiel mir ein Stapel  fehlgedruckter Postkarten in die Hände. Zu schade zum Wegschmeißen, zu schlecht zum Verschicken. Ich nahm sie erstmal an mich mit dem sicheren Instinkt: die kann man noch für irgendetwas gebrauchen. Vorgestern hatte ich die Idee und startete die Postkartenübermalungsserie. Hier erste Ergebnisse, weitere werden folgen und landen dann im Ordner „Postkartenübermalungen“. Wer möchte, bekommt von mir ein Original zugeschickt! Einfach die Adresse mailen.

Wo bin ich?

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