im zirkonrot

Juni 7, 2016 § Hinterlasse einen Kommentar

Gesicht zirkonrot

 

zeit

teigig tropft..

leere lippen

gleiten

ewigkeitsträumerisch

sanden

roten asphalt

tierheiß

über

brückenatmen…

 

(Elfriede Jelinek)

 

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Erfüllte Zeit

Januar 24, 2015 § 6 Kommentare

Ich gehe von A nach B. B ist das Ziel. In Gedanken bin ich schon am Ziel, während der Körper Zeit und Raum durchmisst. Er ist klüger als meine Gedanken, denn ihm wird die verlorene zur erfüllten Zeit.

Das Jahr lässt sich gut an, geneigte Blogleserinnen und -leser, irgendwo zwischen A und B.

 

Kal woiuo4

#Kal o2iud

 

Kal roiuo9

 

Kal oiu4

 

Kal 2oiut

 

Kal o23iur

 

Kal owiu6

 

Kal poiu2

 

Kal 3oiuog

 

Kal roiu23

 

Kal 7poipw

 

Kal woiu5

W a r t e n

September 30, 2014 § 4 Kommentare

Ein Freund sagt manchmal: Das Warten hat Zeit. Genau. Mit dem Warten kann man sich ruhig mal Zeit lassen. Es kommt ohnehin früher oder später. Nicht das, worauf man wartet. Das, worauf man nicht wartet. Die Rechnung. Das Alter. Das Unglück. Das Glück. Hoppla – das Glück? Eine Nachricht. Auf ein gutes Bild muss man manchmal warten. Auch, wenn es schon gemalt ist. Man betrachtet es Tag für Tag, und jedesmal sieht man etwas anderes. Mal ist da ein unvermitteltes Lächeln, dann wieder hat sich der Ausdruck verfinstert. Ein Ohrläppchen kippt plötzlich nach vorne und der milde Glanz vom Vortag ist verschwunden. So geht das eine Weile, bis man vielleicht irgendwann ein Gefühl für das Bild bekommt. Und weiß, was noch fehlt. Oder was unwiederbringlich verloren ist. Also Warten auf das gute Bild. Warten darauf, dass sich jemand meldet. Man denkt leicht, dass die Menschen früher besser im Warten waren. Drei Wochen, bis der Brief beantwortet wird. Eine Woche, bis man am Ziel der Reise angelangt ist. Im Zeitalter elektronischer Kommunikation unvorstellbar. Und doch gibt es sie noch, die langen Wartezeiten. Für mein Tagesfotoprojekt leiste ich mir den Luxus analoger Fotografie. Da vergehen jedesmal einige Wochen, bis der Film voll belichtet ist, schließlich zur Entwicklung aufgegeben und noch schließlicher abgeholt ist. Und jedesmal diese Vorfreude. Endlich die Bilder. Die Tüte bezahlt, ungeduldig aufgerissen und die Fotos einem ersten Schnelldurchlauf unterzogen. Da passiert es schon mal, wie neulich, dass einen dann ein Bild umhaut. Der Moment der Aufnahme ist sogleich erinnerlich, aber dieser Blick, das Licht, luzides Glühen, erfüllte Zeit. Glück. Dafür lohnt sich das Warten…

 

 

Einer dieser Räusche 6_

(Dieses Bild wurde auch erwartet…)

Warum muss die Zeit vergehen?

Februar 22, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe ein Problem. Ich bekenne es freimütig. Ich bin ungeduldig. Anstatt mich auf das eine Bild, das ich gerade male, einzulassen, bin ich unterdessen gedanklich schon beim nächsten. Und die Zeit, die ich auf das Malen des einen Bildes verwende, fehlt mir für alle nachfolgenden. Wie ein Getriebener hetze ich so von Bild zu Bild. Ist das aktuelle schlecht, wird sicher das nächste besser und so fort. Im Nacken immer die Angst, nicht mehr genug (Lebens)zeit für all die schönen Bilder zu haben. Irgendwie pervers. Und das absurde ist ja, dass, je mehr und je intensiver man sich einer Beschäftigung (z. B. dem Malen) widmet, desto schneller vergeht die Zeit. Kaum ein paar Bilder rausgehauen,  meldet sich auch schon wichtigtuerisch der Oberzeremonienmeister Ratio und mahnt zur Einhaltung der Schlafenszeiten. Setze ich mich dagegen friedlich auf’s Sofa und betrachte die Uhr, hab ich unendlich viel Zeit, denn sie scheint nicht von der Stelle zu kommen. Nun zerbreche ich mir den Kopf, wie ich das eine mit dem anderen kombinieren könnte. Einerseits still sitzen und den Minutenzeiger betrachten, dabei aber heimlich schöne Bilder malen. Das muss doch irgendwie gehen… Alternativ propagiere ich ja schon seit längerem, dem Problem mangelnder Zeit auf anderem Wege, sozusagen von Grund auf, beizukommen. Beim Stand heutiger Technik sollte es möglich sein, durch Anwendung gezielter Sprengkraft und Ausnutzung hierbei erzeugten Rückstoßes das Drehmoment der Erde so abzubremsen (Stichwort Entschleunigung!), dass sich der Erdentag von 24 auf 25 Stunden verlängert. Das würde niemanden stören und wir hätten alle eine Stunde mehr vom Tag (Voraussetzung natürlich: die Beibehaltung der tariflich vereinbarten Arbeitszeit). Also liebe NASA: da muss doch was zu machen sein! Oder hat jemand noch andere Lösungen? Tipps?

Für diesen Knaben existiert die Zeit nicht mehr – er hat den Sprung in die Unsterblichkeit geschafft, mit Hilfe eines antiken Bildhauers. Zu bewundern noch heute z. B. in der Berliner Abgusssammlung antiker Skulpturen,

Porträt des Geta

Porträt des Geta

wo auch diese sich eines aufdringlichen Satyrs erwehrende Mänade zu bewundern ist:

Satyr und Mänade

Satyr und Mänade

Vom Vorteil des Bildes gegenüber der Wirklichkeit

Februar 16, 2013 § 2 Kommentare

kuh auf wiese

Ich besuchte neulich die Grützke-Ausstellung im Berliner Stadtmuseum. Dort sagte der Maler in einem Film sinngemäß, das Bild zeige ja nicht einen Menschen, sondern Farbe auf Leinwand. Der abgebildete Mensch sei Illusion. Das stimmt natürlich. Einerseits. Andererseits ist aber auch das, was wir in der Wirklichkeit von einem Menschen sehen nur eine Illusion. Wir wissen zwar, er ist da, wenn wir ihn sehen. Aber das Bild, das wir vor Augen haben, ist eine Schöpfung unseres Gehirns. Darin dem schöpferischen Akt des Malens durchaus vergleichbar. Bringt also der Maler das Bild auf die Leinwand, ahmt er, mit seinen Mitteln, die Leistung des Gehirns nach. Lustigerweise muss er sich, damit das befriedigend gelingt, das räumliche Sehen abtrainieren. Hat sein Gehirn über Jahre der Entwicklung vom Kleinkind zum Erwachsenen hin gelernt, das Abbild, das wir von der Realität sehen, räumlich zu interpretieren (wenn sich der Abstand zweier paralleler Eisenbahnschienen verringert, führen sie vom Betrachter weg in die Tiefe des Raumes), so muss der Zeichenschüler diesen Entwicklungsstand zurückschrauben. Er muss, wie man sagt, lernen „grafisch“ zu sehen (Gelernt hat der Mensch, dass eine Nase in verkürzter Perspektive in Wirklichkeit immer noch lang ist. Folglich will der Zeichenschüler sie auch lang malen, obgleich er sie kurz sieht). Oft hört man, ein Bild sei der Realität gegenüber im Nachteil, weil es nur in zwei Dimensionen existiere. Das ist natürlich Quatsch. Letztendlich sieht der Mensch auch die Wirklichkeit nur als Bild, zweidimensional. Er kann die Tiefe des Raumes nur wahrnehmen, weil er Zeit hat. Versteht er in einer Situation die räumliche Gegebenheit nicht richtig, verändert er seine Position und erkennt durch die Verschiebung wahrgenommener Punkte den korrekten Zusammenhang. Bleibt er aber wie fixiert, gewissermaßen außerhalb der Zeit, sieht er immer nur ein zweidimensionales Bild. Und genau hier liegt das Faszinierende der Malerei, des Bildes. Sie hebt die Zeit auf und bietet dem Schauenden die Möglichkeit, eine Situation so lange zu betrachten wie er möchte. Fürs Überleben brauchen wir die gelernte dritte Dimension. Fürs Glück reichen die zwei des Bildes.

Drum hab ich fleißig gemalt:

Portrait ff45w2

Portrait ee523Iu

Portrait 59de9w2

Karatekämpfer

Wozu die Zeit taugt, und wozu nicht

Dezember 30, 2012 § Ein Kommentar

Von Mark Hollis, dem begnadeten Frontman der Band mit der erstaunlichsten Genese der Popmusikgeschichte, Talk Talk, ist der Ausspruch überliefert: „Before you play two notes, learn how to play one note“. So ist es auch beim Zeichnen: bevor du einen zweiten Strich setzt, sieh zu, dass der erste richtig ist. Das wurde mir jetzt schmerzlich bewusst bei erneuten Versuchen, zu portraitieren. Zugleich lüftete sich ein erstaunliches Geheimnis: bereits wenige Striche auf dem Papier lassen erkennen, ob das Portrait was werden kann oder nicht. Zu oft habe ich bei meinen bisherigen Versuchen einfach immer weiter gezeichnet, in dem Bemühen, es doch noch irgendwie hinzubiegen. Am Ende stand immer Frustration, weil man sich eingestehen muss: es war nix. Der Schlüssel zum Erfolg für mich: Zeit! Wenn ich es mir leisten könnte, ginge ich nach jedem Strich einen Cafe trinken, eine Runde spazieren, oder träumte einfach nur den vor meinem Fenster vorbeiziehenden Wolken hinterher. Und wenn ich dann beim Betrachten des einen neu dazugesetzten Striches auf dem Papier noch immer das fertige Gesicht sehe, ziehe ich die nächste Linie. Und immer so weiter. Jeder neue Strich ist also die Entscheidung vor einer Weggabelung: rechts geht’s weiter, links wartet undurchdringliches Gestrüpp. Aber zwischen mich und die Zeit hat der liebe Gott die Ungeduld gesetzt, das sofortige Verlangen: alles jetzt und zwar sofort. Das INSTANTÖSE BILD. Nun ist aber Zeit vielleicht nichts anderes als Raum: alles immer schon da, wir sehen es nur (noch) nicht (Gott sei Dank einerseits – wie sollten wir aushalten, dass alles auf einmal passiert; schade andererseits – immerzu muss man warten…) Meine Strategie für das neue Jahr: Zeichnen lernen durch permanentes Üben (so wie man mal lesen gelernt hat), dann wäre die „verübte“ Zeit gewissermaßen eingefroren stets abrufbar. Ich bräuchte nur an den Kühlschrank gehen und sie mir rausholen, mit ihr das Bild eruptiv raushauen – und wenn ich nach einem Spaziergang zurück käme, wäre immer noch alles richtig. Mal schauen ob das Jahr dafür ausreicht…

Und hier schon mal ein erstes Ergebnis. Da hab ich mir (wenigstens ein wenig) Zeit gelassen. Vorlage war ein altes Foto (das Schöne an Fotos: sie bleiben). Zunächst Stadium eins:

Petra Kindt

Petra Kindt

dann die fertige Zeichnung:

Petra Kindt

Petra Kindt

Wo bin ich?

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