Gipfelwärts

Mai 14, 2019 § Hinterlasse einen Kommentar

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Den Aufstieg zum Gipfel wegen eisiger Winde abgebrochen. Aber den Meraner Höhenweg ein Stück gelaufen, da liegt einem das Städtchen spektakuläre 1000 Höhenmeter zu Füßen, senkrecht fast geht‘s da runter. Ich musste an den Film von neulich denken. Klettert einer den „Capitan“, die 1000 Meter senkrecht aufragende Felswand im Yosemite-Nationalpark hoch, ohne Seil, Netz und doppelten Boden, einfach so, als wäre er eine Ameise, physikalischen Grundgesetzen zuwider laufend und allem, was man über das Phänomen Angst weiß sowieso. Bedenkenswert seine Begründung für diesen Aberwitz: Höchstmaß an Perfektion. Der winzigste Fehler führt unweigerlich zum Tod, kein Schummeln möglich nirgends. Wir dagegen mit den Segnungen des Normalen, spüren den leichten Schauer angesichts der bodenlosen Tiefe zu unseren Füßen. Der Tod aber lauert auch auf dem sicheren Pfad – eine Tafel erinnert an einen Wanderer, der hier von einem Stein tödlich getroffen wurde.

(Zeichnung: Finger auf IPad)

 

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Vom Wandern und den glorreichen Siebzigern

Juli 10, 2018 § 4 Kommentare

 

Stets schien mir das Gehen, insbesondere in seiner emphatischen Ausformung als Wandern, die dem Menschen gemäße Fortbewegungsart. Der Körper will Bewegung, aber als Gleichmaß, der Geist sucht Anregung und auch hier in Gleichmaß und Rhythmus eine gelöste Konzentration als Bedingung zu Inspiration und Kreativität. Dabei strebt der Mensch wandernd zwar in die Ferne, doch bleibt er in Maß und Dimension ganz bei sich, beharrlich und – ja, dieses leicht ranzig gewordene Wort: bodenständig. Die Berliner Alte Nationalgalerie hat jetzt Bilder rund um das Thema Wandern zusammengetragen, 19. Jahrhundert und frühe Moderne. Herausragend ein Bild, mittelgroß, fast quadratisch: Ferdinand Hodler: Der Lebensmüde.

Ein alter Mann, quadratisch im Profil in sich zusammengesunken, das Bildformat mehr als ausfüllend, fast auch in den Raum hinein ausgreifend durch die ungemein haptische Präsenz der schorfig aufgetragenen Ölfarbe, bei erloschener Körperspannung doch wuchtig in der schieren Gewalt der Physis eines eindrucksvoll gelebten, „erwanderten“ Lebens. Der Wanderstab lehnt über der Schulter, noch ist nicht klar, ob er weitergegeben wird an die nächste oder übernächste Generation. Dieser alte Mann aber, am Ende seines „Weges“, wird eher verwittern als verwesen und es locker mit dem Stein aufnehmen, auf dem er Platz gefunden hat. Sinnbild einer Körperlichkeit, die als Ausformulierung von Lebenswillen und Geist allem Endlichen trotzt. „I take my leave of mortal flesh“ – mit diesem Vers beendet Boz Burrell die A-Seite von King Crimsons vierter LP Islands von 1971. Und das scheint uns der alte Mann, von Hodler so eindrücklich auf die Leinwand gebannt, zu sagen. Womit zugleich die Rückkopplung zum letzten Post hergestellt ist und angeregt sein soll, sich auch die frühen Siebziger in ihrer unverschämt überschäumenden Vielfalt mal wieder vorzunehmen. Und wie ja überhaupt alles mit allem zusammenhängt…

Solides Schuhwerk

September 5, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

 

Dies ist einer von zwei Schuhen, in denen schon mein Vater in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts deutsche Mittelgebirge durchwanderte. Irgendwann überließ er sie mir, wahrscheinlich für meine erste große Tour kurz vorm Abi durch’s korsische Gebirge. Grandiose Sache damals, die mich freilich ob diverser Widrigkeiten an den Rand meiner Möglichkeiten brachte, mental und physisch. Seit dem trugen mich die Schuhe buchstäblich über Stock und Stein. Ein winning team, meine Füße und diese Schuhe, die stets zuverlässig dafür sorgten, dass ich erstere nicht spürte. Das Profil freilich ist, nun ja, noch sichtbar, am Hacken hatte ich vor Tirol jeweils ein Stück Sohle aufkleben lassen. So lief sich’s gut in den Alpen, immer noch fester Halt auf Gestein (feucht war’s halt nicht, Gott sei’s gedankt). Als ich nun aber die Schuhe vorm Reinigen betrachte, ist da plötzlich ein Loch in der Sohle, und – Hurra! – in dem Loch klemmt ein Steinchen, ein Mitbringsel vom Berg. Wie aufmerksam.

 

 

 

 

Und hier noch eine zeichnerische Nachlese zur Trentiner und Südtiroler Bergwelt – zwei benachbarte, aber doch unterschiedliche Gegenden. Andere Menschen, andere Pflanzen, andere Kultur. Ich muss mich da selber erst mal schlau machen, ergötz mich aber derweil am schönen Wort „Welschtirol“. So nannten die Deutschen nämlich das Trentino früher. Aber davon vielleicht demnächst mehr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach Lykien

März 28, 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Kurze Unterbrechung hier am Maltisch für eine Woche Wandern. In Lykien. Mit Blick auf’s Meer. Bis bald!

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Natur und Kunst

April 3, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Über Ostern mit der Bahn nach Chemnitz – Besuch der Conrad-Felixmüller-Ausstellung – und weiter mit der vom Aussterben bedrohten Erzgebirgsbahn – wo man noch so schöne Sätze hört wie „Bedarfshalt. Zum Aussteigen bitte JETZT Haltewunschtaste betätigen“ – nach Olbernhau. Aus der als Frühjahrswanderexkursion geplanten Reise wurde kurzerhand ein nachgereichter Winterurlaub. Herrlich. Schon die Zugfahrt nach Leipzig ließ an meinem Auge eine Welt vorbeiziehen, die ein gnädiger Gott großzügig mit der Puderzuckerbüchse bestreut hatte. Hoch gestimmt nahm ich die entgrenzte und aller Schmuddeligkeiten enthobene Welt da draußen wahr. Allerdings glaube ich nicht ganz normal zu sein, denn umgeben bin ich von Menschen, die in letzter Zeit ob jeden erneuten Schneefalls aufstöhnten. Und das nicht vor Lust. Dabei gibt es nichts Schöneres als Schnee. Wenn er da ist. Es gibt auch nichts Schöneres als lau temperierte, mild riechende Frühlingsluft. Wenn sie da ist. Und am Schönsten ist ein heißer Sommertag, der sich urlaubenderweise bereits am Nachmittag mit einem kühlen Glas Weißwein zelebrieren lässt. Alles zu seiner Zeit wohlgemerkt. Glück ist, hab ich grad gelesen, nicht alles zu wollen und vor allem nicht sofort.  Sehr wohl bewusst bin ich mir der sozialhygienischen Bedeutung geselligen Klagens. Meckern ist der Stuhlgang der Seele. Aber einer muss ja den Spielverderber geben. Ich tu’s gern. Und schweife ab. Im Erzgebirge wanderte ich durch tief verschneite Landschaften und trotze der Kälte immerhin ein paar Skizzen ab:

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Hier der Blick auf Olbernhau-Grüntal, mit Eisenbahnbrücke und Cafe Hüttenmühle, da gibt’s leckere Torten und in der angeschlossenen Pension ein warmes Zimmer mit Bett, Stuhl und Tisch. Die sympathische Wirtin bereitet ein leckeres Frühstück und ertrug tapfer meinen zugegebenermaßen etwas speziellen Humor. Sie wußte nämlich zu berichten, dass in dem beschaulichen Örtchen allerhand Polizei unterwegs sei auf der Such nach Crystal, das in dieser Grenzregion in größeren Mengen an Jugendliche verkauft würde. Woraufhin ich meinte, da müsse man sich ja wenigsten, wie andernorts auf dem Lande,  keine Sorgen machen dass die Jugend abwandert. Ich wurde auf meinen Wanderungen auch nicht gefilzt. Wohl zu alt.

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Auf dem Rückweg widmete ich mich nochmal der wirklich sehenswerten Kunstsammlung in Chemnitz

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und in Zügen, auf Bahnhöfen und in Cafes gab’s ausreichend Gelegenheit für rasche Skizzen:

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Wo bin ich?

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