Generation Instagram III

Juli 10, 2019 § 10 Kommentare

 

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Auf Instagram feiern die Menschen ihre große und kleine Welt. Sie posaunen ihre Fotos hinaus ins Netz in einem verzweifelten Versuch, alles festzuhalten – sich selbst, die Schönheit der Dinge, ihre Träume, ihr Smartphone, ihr Essen als Trophäe eines Daseinskampfes, der so leicht geworden ist wie nie zuvor seit Menschen um ihr Dasein ringen. Sie konkurrieren umeinander im Wissen um ihr Scheitern, ihr Nachsehen, ihre Endlichkeit. In einem lesenswerten Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 22.6.2019 schrieb Philipp Bovermann über die Inszenierungen auf Instagram:

Die blühenden Rosen, die anscheinend unberührten Landschaften, aber auch das eigene Mittagessen, alltägliche Dinge verwandeln sich für den melancholischen Betrachter in Stillleben, in Zeugnisse der Vergänglichkeit. Sie vor Augen lässt sich die Natur betrauern, aber eben auch der Mensch, der dumme, kleine Mensch, der nun mal nicht aus seiner Haut kann und der mit dem Klimakollaps ebenso vom Untergang bedroht ist wie alle Tierarten.“

Denn kein Deus ex machina wird uns retten, aus diesem Theater.

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i’m glad you came to say hello

November 7, 2018 § 6 Kommentare

Die amerikanische Malerin Amy Sillman sagt, „dass Malerei einfach auch meine sexuelle Vorliebe ist“. Dem schließe ich mich an. Vorliebe heißt ja nicht, dass es die einzige Liebe sei. Zum Beispiel ist meine weitere sexuelle Vorliebe das Klavierspielen. Und dort treibe ich es zur Zeit insbesondere mit Schubert. (Gefährliches Terrain übrigens. Nicht nur, weil Friedrich Gulda auf die Frage, warum er nicht mehr Schubert spiele, – also: spielte, denn er ist ja nun schon tot -, – und auch nicht in dem Sinne, dass er Schubert gespielt habe und nun nicht mehr, nachdem er gestorben war,  denn als er gefragt wurde war er ja noch nicht tot, – also in dem Sinne, warum er nicht öfter Schubert spiele,  antwortete, dann könne er sich ja gleich erschießen. Nein, Schubert selbst widmete sich seinen diversen sexuellen Vorlieben so intensiv, dass sein syphilitisches Leben schon nach kurzer Zeit vorbei war. Seine Musik ließ er dafür um so länger dauern, und komponierte z. B. den genialsten Schluss einer Sonate ever, worüber demnächst an dieser Stelle zu lesen sein wird. Hier gilt’s der Malerei, und da wollte ich eigentlich nur zeigen, dass Sex, also Malerei, nicht nur Arbeit ist:

im glad you came to say hello

i’m glad you came to say hello

i’m glad you came to say hello. Pencil auf iPad auf Acryl auf Kalenderblattrückseite.

 

Klammer zu.

 

P. S. Zitiert wird Frau Sillman mit obigen Worten in der Süddeutschen Zeitung – richtig: der Wir-rauben-Ihnen-den-Atem-Automobilzeitung – von gestern.

GEMALT, UM DEN ATEM ZU RAUBEN

November 5, 2018 § 5 Kommentare

Übermalung, Stand gestern:

BMW_Übermalung eins

Übermalung, Stand heute, und in voller Ausdehnung:

BMW_Übermalung_

Eine etwas infantile Kleckserei, zugegeben. Angemessen, wie mir scheint.

Ein erläuternder Hinweis des Herstellers findet sich übrigens um linken unteren Bildrand:

BMW_Übermalung_Detail

Zuletzt die Übermalung in der Installations- bzw. Arbeitsansicht (als Größenmaßstab siehe die handelsübliche, wenngleich etwas veraltete Computertastatur links unten – und hoppla, der alte Haudegen Iggy Pop kann nix dafür, er hing schon länger dort – interagiert aber doch irgendwie mit dem Bild…):

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Rätsel der Woche: GEBAUT, UM DEN ATEM ZU RAUBEN

November 4, 2018 § 11 Kommentare

Das Aufblättern der Süddeutschen Zeitung erfordert regelmäßig starke Nerven. Besonders, wenn sie dick ist, also am Wochenende. Haufenweise Reklame drin, auf schweres Papier gedruckt, wahlweise Hochglanz oder edelmatt. Die Werbewelt rechnet sich ja zur Kreativbranche, und in der Tat, die Jungs (und Mädels?) lassen sich immer wieder Neues einfallen. Ich falte also die Zeitung auf, und drinnen, gut geschützt durch den redaktionellen Teil, etwas Tiefblau-Mattes, Schweres. Ich falte einmal auseinander und lese „GEBAUT, UM DEN ATEM ZU RAUBEN“. Mir dämmert’s. Dieselskandal, ein Auto. Um das Teil ganz in Augenschein nehmen zu können, muss ich weitere vier Mal auseinander falten. Es handelt sich nämlich um ein Poster. Ein Riesenposter. Kurzer Blick auf das Logo der Zeitung: nein, ist nicht die Bravo. Ich fasse zusammen: Erwachsene Menschen finden im Inneren „ihrer“ Zeitung ein Poster. Kein Busenwunder, kein Rockstar – ein Auto. (Nebenbemerkung: der Hersteller dieses Autos würde sich wahrscheinlich weigern, das Ding als „Auto“ zu bezeichnen. So wie heutzutage ja z. B. Mehrzweckhallen nicht mehr „Mehrzweckhalle“ heißen sondern „World“. Oder Fußballstadien „Arena“ etc.) Um das Ding in seiner vollen Größe in Augenschein nehmen zu können, breite ich das Poster auf dem Fußboden aus. Da liegt es jetzt und gibt mir Zeit zu grübeln: was damit anfangen? Als Hobbykünstler und routinierter Übermaler, der noch das abseitigste flache Produkt als Malgrund zu recyclen gelernt hat, wird mir schnell klar: das Ding wird übermalt, die Papierqualität stimmt. Aber kann der Herausgeber der Süddeutschen Zeitung wirklich damit rechnen, dass seine Abonnenten etwas so Sinnvolles, wie ich es vorhabe, mit dem Poster tun? Was ist denn die Erwartung an den Abonnenten? Hängt er sich das Ding an die Wand? Benutzt es als Onaniervorlage? (Stichwort: Der BMW ist der Sex des alten Mannes) Bevor ich Gelegenheit habe, mit dieser Frage an den Herausgeber heranzutreten, gebe ich die Frage einfach mal in die Runde. Any Ideas, geschätzte Leserschaft? Ernstgemeinte Zuschriften bitte in die Kommentarspalte dieses Blogs. Danke!
P. S. Übermalung folgt.

BÄNG

Mai 2, 2017 § 4 Kommentare

Der akademisch sozialisierte Kunsthistoriker-Kurator möchte seiner Kunstaustellung Glamour einhauchen und nebenbei die Zuschauerzahlen verdoppeln. Der kommerzielle Glamour-Fotograf möchte seinen Schnappschüssen Kunst einhauchen – und schon macht es: BÄNG. Sieben Mal insgesamt in dem Artikel „Wenn es bäng macht“, heute zu lesen in der Süddeutschen Zeitung. Es geht nämlich um den BÄNG-Fotografen Juergen Teller. Dessen BÄNG-Schnappschuss des BÄNG-Hinterns von Kim BÄNG (Entschuldigung, ich höre jetzt auf) Kardashian steht im Mittelpunkt der Ausstellung: Juergen Teller – Enjoy my your Bäng Life! im Berliner Martin-Gropius-Bau. Am Ende seines Artikels fällt dem Autor Jan Kedves auf, „dass Kim Kardashians Gesicht und Po tatsächlich im Vergleich zur Krisseligkeit des Hintergrundes [eine Geröllhalde, meine Erläuterung] einen Ticken zu poliert sind. Das Bäng [Entschuldigung] geht dadurch interessanterweise nicht verloren.“ Interessanterweise verloren aber geht dadurch höchstwahrscheinlich der SZ ein Abonnent, der sich bereits letzte Woche beim Gang durch die Ausstellung irgendwie verschaukelt fühlte, und nun in der Zeitung seiner (bisherigen) Wahl über Juergen Teller lesen muss: „Er kann der größte sein. Wenn es bäng [Entschuldigung] macht.“ Vielleicht bekam Jan Kedves ja vom Juergen einen dieser mit Schnappschüssen bedruckten Teller geschenkt, die in der Ausstellung herumliegen, und die in jedem Fotoladen für ein paar Euro, bedruckt mit einem Foto eigener Wahl, zu erhalten sind. Ganz ohne BÄNG (Entschuldigung).

 

Paris, zum zweiten

November 19, 2015 § 2 Kommentare

In der Süddeutschen Zeitung lese ich heute einen Bericht über eine Veranstaltung zu Ehren Hans-Jürgen Syberbergs in Berlin. Mit von der Partie Carl Hegemann, den „durchaus Unbehagen zu beschleichen schien, als Syberberg mit leuchtenden Augen davon zu schwärmen begann, dass die Vorkomnisse in Paris geistig ausgesprochen anregend seien.“ Ja, ich habe richtig gelesen: „geistig ausgesprochen anregend“. Und weiter: „da frage man sich: Was treibe die um? Das sei doch faszinierend!“ Offenbar würde Syberberg gerne mal auf einen Tee beim IS vorbeischauen, um ein wenig seiner Faszination nachzugehen und gesprächsweise zu erfahren, was die so umtreibe. Das macht schon fassunglos.  Dass der Abend dadurch für Tobias Lehmkuhl, den Autor des Artikels, wiederum einen „Kitzel“ bekam – ja, das ist seine Wortwahl: „Kitzel“ sollte eigentlich die sofortige Kündigung meines SZ-Abos nach sich ziehen.  Nach dem Attentat auf das World Trade Center 2001 hatte Karl-Heinz Stockhausen, wenn ich mich recht erinnere, vom „größten Kunstwerk aller Zeiten“ gefaselt. Neulich las ich irgendwo, dass uns angesichts der Attentate von Paris nur noch die Kunst helfen könne. Ich fürchte, niemand kann uns helfen.

 

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Dem Zweck entfremdet

Juli 14, 2014 § 6 Kommentare

Setzte mich anderntags mit der Zeitung in den Garten. Statt zu lesen zeichnete ich aber doch nur wieder. Das muss die Weltpolitik aushalten. Die SZ auch.

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