Mit Tuschefüller und Skizzenbüchlein durchs Museum

November 13, 2017 § 8 Kommentare

 

 

 

 

(Mir gefällt an dem Tuschefüller, dass die Linie wirklich rabenschwarz, und sehr definiert auf dem Papier steht. Jeder Strich ein Statement, kein rumdaddeln oder wischiwaschi. Allerdings gerät der Tintenstrahl mit zunehmender Geschwindigkeit doch ins Schwitzen, will sagen, er beginnt zu stottern, und hier kommt die Nuance ins Spiel, die aber doch schwer zu kontrollieren ist, weil der Füller dann gerne ein wenig bockt. Seine Erfinder hatten ja auch nur Architekturentwürfe im Sinn, fein säuberlich mit Lineal und viel Zeit aufs feine Papier gearbeitet. Das Kolorit hab‘ ich zuhause nachgereicht.)

 

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Das Kreuz mit dem Schloss

Juli 31, 2017 § 11 Kommentare

 

 

Früher. Stand da ein Schloss inmitten Berlins. Immer schon, war auch niemand groß gefragt worden, war einfach da. Saß der Kaiser drin und beschützte von dort aus die Welt. Na gut nicht die ganze, aber doch nicht wenig davon, z. B. bis runter nach Südwestafrika. Wollte dann mehr davon, überhaupt bisschen mit den Muskeln spielen, gabs ein Hauen und Stechen mit den anderen, ging dann leider schief. Große Enttäuschung, kamen andere und wollten es der Welt mal so richtig zeigen. Ging noch schiefer, alles kaputt, Trümmer. Das Schloss stand noch, allerdings ramponiert, so dass wieder andere, die diesmal alles richtig richtig und mit dem ganzen im Schloss geherrscht habenden Ungeist ein für alle mal Schluss machen wollten das Ungetüm kurzerhand abrissen. Bauten einen Palast stattdessen, für die einfachen Leute, denen nun alles zugute kommen sollte, ging auch wieder schief. Stand der richtige Palast nun im falschen Land, musste auch abgerissen werden. Und nun: Wiese, weite Fläche, viel Luft, Platz für Leute, Nachdenken, Entspannen, Warten, Utopie, Nichts. Großartige Sache. Dumm aber für die Mächtigen, die sich vor Vakuen fürchten,  gerne Haufen setzen, vorzugsweise aus Stein oder heutzutage aus Beton. Musste viel Beton her, und, ganz wichtig, Schloss von außen, weil irgendwie schön und dann aber bitte auch mit Kaiser drin. Bis jemand merkte, dass es keinen mehr gab. Was also rein? Anderen Helden, am besten älter weil besser vermittelbar in schließlich aufgeklärten Zeiten. Die Brüder von Humboldt, Alexander von Humboldt insbesondere, guter Mann, sogar total beliebt in Lateinamerika. Und was in der Welt an Insignien von beschützten Potentaten und überhaupt allerlei schmuckem Zierat so zusammengeklaubt worden war, soll nun unter dem Sigel einer weltumarmenden FriedeFreudeEierkuchenShow dem Volk präsentiert werden. Wurden eilends drei Häuptlinge zusammengetrommelt als da wären der bereits über eine Fälschung übel gestolperte Kunsthistoriker Horst B., der Judoka im Amt des Preußenpräsidenten Hermann P. und der englische Deutschlandversteher Neil M. Könnten ja nun ein bisschen Aufklärung zu Art und Umstand des „Erwerbs“ der auszustellenden Objekte in die Show einbringen, dachte so manche. Iwo. Kein Platz für lange Texte an der Wand, Volk zu dumm, überhaupt Schloss zu klein für zu viel Info. Regte sich Unmut, sprang Häuptling Horst B. in die Bresche, immer diese deutsche Rumnörgelei, außerhalb Deutschlands herrsche Begeisterung über das Projekt. Ha! – Steilvorlage: Betonklotz zersägen,Teile auf Kähne zur Spree hinunterrollen und ab damit in die weite Welt, die sich schon die Finger leckt danach. Hugh.

 

P.S. Wer etwas zu sagen haben will, muss die Berechtigung dazu immer von oben, am besten ganz oben bekommen. Letztlich von Gott, weil drüber ist keiner. Heute nicht mehr, weil Geld alleine reicht. Aber früher. Drum bekam das Schloss vom Kaiser eine Kuppel spendiert, mit einem Kreuz obendrauf, damit in Zeiten, nämlich dem 19. Jahrhundert, wo das nicht mehr jedem klar war, weithin sichtbar war, dass der Kaiser sein Recht auf Tyrannei von Gott hatte. Jetzt ist die Kuppel wieder da, muss also auch das Kreuz wieder drauf. Leider kapiert nicht jeder, dass heutzutage, wo wir Geld statt Gott haben, das Kreuz Folklore ist, also nix mehr bedeuten soll. Jedenfalls nicht das Schlimme von früher (Kreuzfahrer etc.) sondern nur das Gute (Nächstenliebe etc.)

 

Foto: Historische Aufnahme vom 28.04.2008:  Palast der Republik

Abschied

Januar 8, 2017 § 3 Kommentare

Gleich nach dem Frühstück durch den Park und über tief verschneite (endlich!) Nebensträßchen rüber nach Dahlem geradelt. Einen letzten Blick in das dortige Museum – schönes Beispiel sachlich eleganter Nachkriegsarchitektur (Architekten Fritz Bornemann und Wils Ebert) – und auf die Exponate der ethnologischen und asiatischen Sammlungen geworfen, bevor diese in einen Betonklotz nach Mitte ziehen, dem man, damit er nicht friert, das Mäntelchen eines preußischen Schlosses umwerfen wird. Sofern sich dafür genügend Sponsoren finden. (Andernfalls hätten wir dann eben einen zweiten Flughafen, und die Erkenntnis, dass Großflughäfen und Großschlösser, wie ja auch Großbahnhöfe andernorts, offenbar nicht mehr in die Zeit passen)

 

Steinplastik der Maya, Tusche und Gouache auf chinesischem Papier

Steinplastik der Maya, Tusche und Gouache auf chinesischem Papier

Eine Schubkarre, ein Südamerikanischer Nationalheld, ein Traumhaus aus Pigmenten und ein Emu

Oktober 18, 2015 § 2 Kommentare

War ich neulich noch, wie viele andere, dem Gerücht aufgesessen, die Neue Nationalgalerie in Berlin werde generalsaniert, und hatte als gewissermaßen erstes Anzeichen beginnender Bautätigkeit einen in unmittelbarer Nachbarschaft ausgehobenen Baggersee ausgemacht, so muss ich mich nun korrigieren. Die Neue Nationalgalerie wird nicht saniert. Vielmehr ist eine so lautende Ankündigung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Wahrheit der Beginn einer großkonzeptionellen Kunstaktion, die ein bisher als „Kunst am Bau“ bekanntes Verfahren in „Bau als Kunst“ umfunktioniert. Hier das erste untrügliche Anzeichen:

 

Schubkarre in der Nationalgalerie_

Das Foto zeigt das Innere der Neuen Nationalgalerie, aufgenommen am 17.10.2015.

Ohne an dieser Stelle bereits allzu tief in die Diskussion über Sinn und Unsinn einer solchen Aktion einsteigen zu wollen, möchte ich doch auf das sensationelle Blau der Schubkarrenradkappe hinweisen, das das vibrierende Geflecht aus einerseits in den Boden gestanzten Sichtachsen, andererseits locker darüber geworfener Kabellage sensationell in Schach hält.

 

Simon Bolivar schräg gegenüber bleibt allerdings erstmal skeptisch, während Alexander Camaros Glasbausteine an der Westfront der Staatsbibliothek in den gewohnt warmen Tönen leuchten:

Stabi_

 

Soweit die Situation am Kulturforum. Zuhause nahm ich dann verschiedene Rotpigmente und ein Kobaltgrün und buk mir daraus ein Haus:

 

Farbstudie lxkcZu guter letzt zeichnete ich ein Emu. Das musste einfach sein.

 

Tierzeichnung ykjt

 

 

Portraitmalerei

Juli 16, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Während der Streit um die Zukunft der Sammlung Alter Meister in der Berliner Gemäldegalerie derselben einen Besucherschub verpasst – vor den berühmteren Gemälden kam schon ein wenig Blockbustersonderausstellungsfeeling auf – widme ich mich ungerührt mal wieder dem Thema Portrait. Drei Beispiele:

Wo bin ich?

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