Schreiende Frau

Juni 13, 2017 § 6 Kommentare

Schreiende Frau ist eine Figur aus gebranntem Ton betitelt, die in der Skulpturensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin ausgestellt ist. Mehrfach bereits diente sie mir als Vorlage für zeichnerische Erkundungen. Die verstörende Isoliertheit des Torsos, das Fehlen jeglichen erklärenden Zusammenhangs im Ausstellungskontext wendete sich mir unter der Hand ins fast Surreale bei dieser Annäherung in Eitempera.

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Mit der Zahnbürste durchs Bode-Museum

Februar 12, 2017 § 2 Kommentare

Warum verhehlen, dass der Pinsel ein unbeholfenes Instrument ist? …Das ist, als wolltet ihr den lichtgleißenden Kosmos mit einer Zahnbürste angehen.

Die frisch aus der Bibliothek ausgeliehenen Tagebücher Witold Gombrowiczs (1904 – 1969), ein stattlicher Wälzer von gut 900 Seiten, lagen auf meinem Tisch. Ich schlug sie wahllos in der Mitte auf, und – bam – ein Paukenschlag: ich war mitten in einer Polemik gegen die Malerei, die sich gewaschen hat. Gleich von zwei Seiten nimmt dieser faszinierende Autor, von dem ich bisher nur wenig gelesen habe, die bildende Kunst in die Zange. Einmal als diejenige unter den Künsten, die das Leben nicht in seiner Bewegung darstellen kann – und Leben ist, laut Gombrowicz, Bewegung. „Das Wort entwickelt sich in der Zeit, das ist wie ein Ameisenzug, jede bringt etwas Neues, Unerwartetes… Der Maler aber ist mit einem Satz restlos ausgeworfen, ganz auf der Fläche, reglos auf der Leinwand – wie ein Klumpen.“ Zum anderen über das, wie er es nennt, Milieu der Maler und ihrer Anhänger, die einer törichten Mystifikation der Kunst das Wort reden. „Zunächst einmal zwingt euch jener komplizierte Herdenmechanismus, der sich historisch herausbildet, vor dem Gemälde in die Knie – und erst dann versucht ihr, euch mit einer raffinierten Argumentation weiszumachen, ihr wäret deshalb in Begeisterung geraten, weil das Werk begeisternd sei.“ Gombrowicz, Skeptiker durch und durch, mistraut der Begeisterung, dem Überhöhten und der auf den Schild gehobenen Idee. Soweit der Anfang meiner Beschäftigung mit diesem Autor. Fortsetzung folgt. Hier nun einige Versuche, die im Nachgang zu einem Besuch des Bode-Museums in Berlin mit der Zahnbürste auf chinesische Papier entstanden. Da ist zunächst eine Tonfigur von Caius Gabriel Cibber, „Sinnbildliche Darstellung von Wahnsinn und Raserei“. Sodann eine Plastik aus dem späten 16. Jahrhundert, betitelt „Schreiende Frau“, die mich immer wieder fasziniert. Als nächstes die „Kopfstudie eines Afrikaners“, schließlich ein Detail aus der Gruppe „Samson und Delila“ von Artus Quellinus d. Ä.

 

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(Alle Zitate aus: Witold Gombrowicz, Tagebuch 1953 – 1969. Aus dem Polnischen von Olaf Kühl. Hanser Verlag 1988.)

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