Menschnatur

September 26, 2017 § 2 Kommentare

 

Wo begegnet man heutzutage noch unberührter Natur? Wie weit muss man dafür fahren? —- Eine Fangfrage, denn man muss nicht fahren. Es reicht, den Kopf zu heben und in den Himmel zu schauen. Der sieht noch so aus wie vor tausenden, wahrscheinlich Millionen von Jahren. Völlig unberührt. Also so, wie Gott ihn schuf, falls er ihn schuf, und abzüglich vielleicht ein paar giftiger Schwefeloxidschwaden. die wir für gelegentliche Kondensstreifen eingetauscht haben. Dennoch – mich schaudert angesichts der Vorstellung, dass wir über uns exakt das sehen, was Menschen vor tausenden von Jahren schon sahen. Gibt es doch sonst keine, aber auch wirklich keine vorstellbare Konstante in einer wahrnehmbaren Umwelt. Vielleicht sah der Mensch schon so aus wie heute, und auch er ist ja Natur, Teil der Schöpfung, auch wenn er das ungern zugibt und sich lieber über alles stellt und dazwischen eine klare Trennlinie und über sich allenfalls einen Gott. Nur: wo genau die Trennlinie verläuft, zwischen Mensch und Natur, das ist eben kein Naturgesetz, sondern wird immer aufs neue verhandelt. Das Unberührte ist ja das scheinbar Echte. Echt, weil noch nicht besudelt durch Menschenhand. Zwar fasst er alles gern an, aber dann ekelt er sich davor. Woran man erkennt, dass wir in der Moderne leben. In der Vormoderne befand sich der Mensch in ständigem Existenzkampf mit der Natur (wohlgemerkt:auch seiner eigenen). Er lebte noch nicht in dem Bewußtsein, er könne alles auslöschen. Eher prägte ihn die Erfahrung, die Natur könne alles auslöschen. Drum suchte er auch nicht Erholung in der Natur, sondern mied sie, wo immer es ging. So ändern sich die Zeiten. Kaum ist das Ding so gut wie weg, sehnt man sich danach. Hatte man es noch im Überfluss, mied man es nach Kräften. Es. Die unberührte Natur. Aber es geht ja auch nicht wirklich um sie, sondern um eine Projektionsfläche, die uns von all dem, was wir an uns insgeheim hassen, reinigt. Und es wirkt. Steigt man zum Beispiel auf den Berg, fühlt man sich hinterher einfach besser. Wahrscheinlich funktioniert so auch vegane Lebensweise. Aber das ist ein anderes Thema…

 

 

 

 

 

 

 

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Verregnete Schöpfung

Juni 29, 2017 § 4 Kommentare

(Man fragt sich natürlich, wo der ganze Regen herkommt. Kübelweise, den ganzen Tag bereits, und ein Ende ist nicht abzusehen. Bestimmt von den Russen. Dabei ist diese feucht warme Lust Luft ungemein sinnlich, weckt Begehrlichkeiten. Apropos Begehrlichkeiten: Wenn der Bundestag morgen die Ehe für alle beschließt, haben die Kirchen wieder ein Problem mehr. Ehe ohne den Zweck der Fortpflanzung, also Sex um seiner selbst willen – das erschüttert die christliche Dogmatik in ihren Grundfesten. Ist im Schöpfungsplan schlicht nicht vorgesehen. Aus dem Dilemma kommt die Kirche nie raus, möchte man meinen. Andererseits: dass die Erde nicht Mittelpunkt des Universums ist, hat sie irgendwann ja auch zugegeben…)

 

 

 

 

 

 

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