Ostsee-Impressionen VII

Juli 24, 2019 § 6 Kommentare

 

Die Temperaturen ziehen an, der Strand bevölkert sich zunehmend. Da verschwindet schon mal ein Kind – welch ein Drama, bis der Vater den Jungen auf dem Arm zurück bringt, aufgefunden am FKK-Strand, wie er den Umliegenden mitteilt, nicht ohne augenzwinkernd hinzuzufügen: wo es Jungs eben so hinzieht.

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Letzte Skizzen

Mai 16, 2019 § 4 Kommentare

Die Brunnenburg oberhalb Merans war der letzte Wohnsitz des amerikanischen Dichters Ezra Pound. Heute  beherbergt sie ein landwirtschaftliches Museum. Die eindrucksvolle Sammlung alter Gerätschaften und Demonstration obsolet gewordener Techniken zeigt, welch kräftezehrende Plackerei der Broterwerb in früheren Zeiten war. Während heute kleine Roboter den Rasen selbsttätig mähen, musste annodazumal an besonders steilen Hängen sogar der Mutterboden vorm Säen in Körben eigens hinauf getragen werden, weil die extreme Hanglage der dünnen fruchtbaren Krume übers Jahr zuwenig Halt bot. Was geht‘s uns heute gut, pflegt meine Mutter in solchen Momenten zu sagen. Und sie weiß wovon sie redet, mit ihren knapp neunzig Jahren. Könnten die Damaligen unsere heutige Zeit erleben, sie wähnten sich vermutlich im Schlaraffenland. Nicht wenigen von uns dagegen dünkt gerade diese Vergangenheit als das verlorene Paradies, als eine Zeit, da Menschen im Einklang mit der Natur und frei von jeglicher Entfremdung lebten. Wie auch immer – wir brechen unsere Zelte morgen ab. Hier ein paar letzte Skizzen, manche rasch dahingeworfen unter Zeitdruck, andere tränenden Auges starken Winden abgetrotzt. Einige entstanden im Café, der Bergbahn, oder auf dem Balkon.

Schneewärts

Mai 13, 2019 § Hinterlasse einen Kommentar

Weil wir uns den Schnee erwandern wollten, fuhren wir nur bis zur Mittelstation hinauf. Unterwegs dann die Vegetation teils um Wochen hinter der unten im Tal zurück, zarte Knospen erst, aber saftiggrüne Wiesen in hübschem Kontrast zu Felsengesprenkelten Schneegipfeln im Hintergrund. Ein paar Schafe aufs Fressen konzentriert mit wenig Sinn für die erhabene Bergwelt.

Dann vereinzelt Schneereste, schnell aber großflächig krustig tauender schließlich feinster Pulverschnee. Wer wie ich den Winter über keinen Schnee abbekam, holt ihn sich eben im Mai im Hochgebirge. Passt schon, im Nachhinein. Höhe gewinnen aber ist anstrengend:

Oben auf der Alm tapfer draußen gesessen, eine gnädige Sonne gibt sich, vielmehr uns die Ehre, das Bergpanorama fest im Blick.

Später aber drinnen am offenen Kamin aufgewärmt, bevor‘s hinunter ging, fast im Galopp weil Knieschonender. Merke: Abwärts immer die Schwerkraft mitnehmen anstatt sich dagegen zu stemmen, ist effizienter. Und Papas alte Wanderschuhe, rechtzeitig neu besohlt, gewährleisteten sicheren Tritt. Jetzt sitzen wir im Ort auf dem Balkon und schauen hinauf zum Schnee, dessen Weiß nahtlos in den Himmel übergeht. Und dieser Himmel glänzt wie ein Spiegel der nur Licht reflektiert.

Das Kirchlein auf dem Fahrschein

Mai 9, 2019 § Hinterlasse einen Kommentar

Früher war, wer reiste, erstmal weg. Heute ist man immer da, weil elektronisch erreichbar. Man befindet sich im lückenlosen Sende- und Empfangsmodus. Bei mir freilich weist dieser Modus empfindliche Lücken auf, ein einziger Schweizer Käse. So gibt‘s hier, reisehalber, derzeit wenig zu sehen. Für‘s erste ein paar Skizzen. Empfangende, sendende, dösende Menschen und ein Wallfahrtskirchlein, das in Ermangelung geeigneten Papiers auf der Rückseite eines Fahrscheins skizziert werden musste.

 

Menschen im Museum

April 13, 2019 § 2 Kommentare

Großer Andrang herrschte in der schönen Ausstellung Mantegna und Bellini am Berliner Kulturforum. Viele Menschen beeinträchtigen bekanntlich das kontemplative Betrachten von Bildern, und so setzte ich mich auf eine Bank und betrachtete die Menschen vor den Bildern. In schneller Folge entstanden so diese sechzehn Skizzen.

 

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Noch voller war’s übrigens neulich bei der Eröffnung der Lotte-Laserstein-Ausstellung in der Berlinischen Galerie. Monika Grütters hielt eine famose Rede über Frauen in der Kunst und spannte den Bogen von Bettine von Arnim zu Georg Baselitz. Erstere ihrer Zeit weit voraus, letzterer seiner Zeit weit hinterher („Frauen können nicht malen“). Die Ausstellung empfehle ich wärmstens. Lotte Laserstein malte vor dem Krieg wunderschöne Portraits und Akte.

 

 

Erneute Reiseskizzen, beginnend in der Uckermärker Prärie

Februar 24, 2019 § 4 Kommentare

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Vor uns, unten im Tal, der Oberuckersee, hinter uns Melzow, um die Ecke Botho Strauß, dessen anschwellender Bocksgesang in der Nachwende für Wirbel sorgte, und der eine Schneise geschlagen hat, auf der uns immer mehr bizarre Gestalten entgegen kommen.

Reisezeit gerade, sucht man sich nicht immer aus. Begegnungen, offene und verdeckte. Ist ja ein Eingriff in die Intimsphäre eines Menschen, zeichnet man ihn heimlich ab. Einerseits. Andererseits ist er ja nun mal physisch präsent, in meinem Raum, kann ich mir auch nicht aussuchen, ob ich ihn da sitzen sehen will oder nicht. Oder sie. So ist das Leben nun mal, im öffentlichen, halböffentlichen Raum. In Wartezimmern, Zugabteilen, Cafés. Folgendes aus meinem Skizzenbüchlein, teils mit einem gewöhnlichen Kugelschreiber, dessen Mine sich verzweifelt dagegen wehrte, die letzten Tröpfchen Tinte abgeben zu sollen, was zu im Schräglicht sichtbaren Einritzungen führte – teils mit dem Rapidographen, der fett kommt – oder gar nicht.

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Reiseskizzen

Februar 12, 2019 § 14 Kommentare

Ohne das kleine Schwarze gehe ich nicht aus dem Haus. Schon gar nicht auf Reisen. Um so größer die Erleichterung vor dem Schock, als eine aufmerksame Sitznachbarin im ICE das schwarze Notizbüchlein unterm Sitz hervorzog und mich fragte, ob es das meine sei, noch bevor ich den Verlust überhaupt bemerkt hatte. Meine Erleichterung war groß und nur der Schicklichkeit halber fiel ich ihr nicht um den Hals, enthält das Büchlein doch nicht nur meine Skizzen, sondern die Gedanken und Literaturexzerpte der letzten vier Monate. Ich hätte die vier Monate nochmal leben müssen, hätte sie nicht aufgepasst. Ihr widme ich die ansonsten verloren gegangenen Skizzen meiner Reise.

 

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