Porträt versus Kopf

Dezember 6, 2015 § 2 Kommentare

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Im Mittelpunkt meines bildnerischen Treibens stand von Anbeginn an der Mensch. Seine Körperlichkeit, sein Antlitz. Häufig male ich Gesichter, scheue mich aber, sie Porträts zu nennen. Ich bevorzuge den Begriff „Kopf“. Als ich neulich ein paar Bilder ausstellte, fragte mich jemand, die Köpfe betrachtend: Kennen Sie die alle? Damit traf er den Nagel auf den Kopf [sic]. Im Porträt geht es um Repäsentanz eines konkreten Individuums. Üblicherweise als Auftragsarbeit, zum Zwecke der Selbstdarstellung, der Verständigung mit der Welt – auch mit zukünftigen Generationen (Ahnengalerie). Unterschiedliche künstlerische Mittel kamen im Verlaufe der Kunstgeschichte zur Anwendung. Physische „Ähnlichkeit“ spielte dabei meist, aber nicht immer eine Rolle. Das nachantike Abendland verzichtete weitgehend darauf und kaprizierte sich auf Symbole und Attribute. Im Grunde reichte die Namensnennnung, die bloße Behauptung: dies ist … Mit dem Interesse an der Welt, wie sie physisch erfahrbar ist, wuchs jedoch seit der Renaissance die Bedeutung von „Wiedererkennbarkeit“ und physiognomischer Genauigkeit. Und der Künstler formulierte eigene Ansprüche, in denen er die Bedürfnisse des Auftraggebers mitunter weit hinter sich ließ, sie gar konterkarierte. Das gab oft genug Ärger, wähnte sich doch der Porträtierte/Auftraggeber in dem Glauben, es ginge um i h n. Dem Künstler aber geht es um das gute B i l d. Ein grundsätzliches Missverständnis, das Stoff für manche Anekdote bot. So bemerkte ein von Kokoschka porträtierter Herr süffisant, er werde sich Mühe geben, im Laufe seines Lebens seinem Porträt immer ähnlicher zu werden. Und Picasso hat vermutlich im berühmten Porträt der Gertrude Stein unserer Vorstellung von ihrem Aussehen den finalen Stempel aufgedrückt. Auch mein Bemühen – ich betone: Bemühen (wie hätte ich sonst die Reihe Kokoschka – Picasso – DerDilettant aufmachen können) – gilt einzig dem guten Bild. Und da halte ich es zunächst ganz einfach mit Lichtenberg, für den das menschliche Gesicht „die unterhaltendeste Fläche auf der Erde“ ist.* Freilich geht’s dann weiter. Ein Gesicht ist nie „neutral“. Es ist immer Ausdruck, Spiegel der Seele, Einfallstor irrlichternder Erkenntnis. All das finde ich auf Fotografien von Menschen, die dann eine bildnerische Umsetzung triggern. Über die konkrete Person xy weiß ich nichts. Interessiert mich auch nicht. Denn das ist ein abgebildetes Antlitz auch: Projektionsfläche. Jeder mag darin sehen, was ihn/sie beschäftigt. Und wenn das Bild gelungen ist, bietet es d e n Widerhaken, an dem sich das Auge aufhängt. Ins Grübeln kommt. Den Weltdingen nachspürt. Und irgendwann lässt es das Bild hinter sich. Ist das Bild aber r i c h t i g gut, kehrt das Auge immer wieder zurück…

*zitiert nach: Unter vier Augen. Sprachen des Porträts. Kerber o. J. S. 14

 

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Paris Teil drei

Juni 17, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

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Dieser Herr stand vor mir in der Schlange wartender Menschen, Einlass begehrend in die Orangerie am Rande der wunderbaren Tuilerien. Drinnen setzt sich die Gartenlandschaft in Gestalt großartiger Seerosenpanoramen von Monet fort. Dann zwei sehr schöne frühe Picassos, expressive Arbeiten von Soutine und – wieder ein van Dongen, diesmal in Öl. Mehr davon – immerhin zwei Gemälde – gab’s dann überraschenderweise in der ständigen Ausstellung des Centre Pompidou, diesem fantastischen Monolith inmitten der pulsierenden Stadt. Im Grunde das, was der Berliner Palast der Republik nach der Wende hätte werden können, hätten ihn verspätete Kalte Krieger in Siegerpose nicht der Abrissbirne preisgegeben. Ein Jammer, der noch jammervoller wird angesichts des Schlossneubaus, der in offizieller Sprachregelung ja nicht mehr Schloss heißt sondern Humboldtforum, was ihn einer nachvollziehbaren Begründung nicht einen Jota näher gebracht hat. Zumal die Humboldtschen Tagebücher, die man in einer der vielen Schlosskammern ja hätte zeigen können, längst außer Landes geschafft wurden und jetzt für ein Geld wieder zurück gekauft werden müssen, von dem man das Schloss gleich wieder abreißen kann. Könnte, falls neue Machthaber dereinst wieder andere Werte setzen. Wo war ich doch gleich? Ach ja, im Centre Pompidou. Da kann man nämlich zwischen zwei Bildern den Blick immer wieder hinausschweifen lassen über die Dächer von Paris. Eindeutig das schönste der bis dato von mir in Paris besuchten Museen.

Frauenkopf im Quadrat

Hatte ich schon geschrieben, dass mich das heftig rotierende neue Daft Punk Album in so einen Zustand dauerzart-säuselnden Deliriums versetzt, hart an der Grenze zur Lebensuntüchtigkeit? Ich lehne Drogen ja ab, weil da das Vorkassenprinzip sträflich vernachlässigt wird – Motto: fly now pay later. Aber hey, wo steht geschrieben, dass Musik verboten ist?

Selbstversuch im Internet

Oktober 9, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Picasso heißt es, er habe in seiner Anfangszeit so viel gezeichnet, dass er mit dem Verheizen der Blätter das Zimmer warm bekam. Meine Blätter könnten wahrscheinlich Hochöfen befeuern, so groß ist der Papierausstoß durch’s Zeichnenüben. Aber im Ernst: wohin mit all den Zeichnungen? Da sammelt sich ja doch was an im Laufe der Zeit. Wenn mich Bekannte fragen, was ich mit all den Zeichnungen mache, sage ich schon mal, ich entsorge sie im Internet: da bin ich sie los, aber verloren sind sie nicht. Oder? Einer Studie zufolge gehen pro Jahr etwa 11 Prozent der Daten im Internet verloren. Dabei dachte ich immer, dass die GOOGLEAPPLEFACEBOOKMICROSOFTMAFIA auf ihren gigantischen Farmen alles speichert um eines (nicht mehr fernen?) Tages die Weltherrschaft an sich zu reißen. Naja, speichern heißt ja nicht: allen zugänglich machen. Und vielleicht zahle ich ja auch in zwanzig Jahren dafür, mein Gekritzel wieder zu bekommen…

Hier der Selbstversuch:

Selbstversuch im Internet

Oktober 30, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Vom Suchen und Finden der Linie. Picasso, der alte Angeber, ließ das Suchen gleich weg und behauptete bekanntlich: „ich suche nicht, ich finde“. Solche Sprüche landen Jahrezehnte später auf den Wühltischen des Kapitalismus, bei Google und Amazon. Dort wird nicht mehr gesucht, sondern gleich gefunden, was ja nichts anderes bedeutet als: was du findest ist was du gesucht hast. Oder: Wir wissen was Sie gesucht haben. Praktisch auch, weil jeder gleich das Picassosche Genietum in sich erspüren darf. Schuster bleib bei deinen Leisten – also: Dilettant, walte deines Amtes! Als Nachweis meines Suchens bleibt bei mir grundsätzlich alles stehen. Erstens weil ich nichts radiere, zweitens weil’s auch gar nicht geht denn ich beginne stets mit Kugelschreiber, oder gleich mit Feder und Tusche.

Hier hat sich sichtbar die Kontur des ernst dreinblickenden Herrn im Verlaufe des Findungsprozesses nach rechts verschoben. Die aufbegehrend dreinblickende Frau scheint sich daran nicht zu stören, vielleicht weil ihre Linien gleich da waren.

Auch die Linien dieser Hand waren schnell gefunden:

Lange schon wollte ich einen fliegenden oder schwebenden Elefanten malen. Man sieht diese majestätischen Tiere aber selten von unten, und so wusste ich nicht so recht, wie. Jetzt spielte mir der Zufall einen schwimmenden Elefanten zu, fotografiert von einem Taucher. Da machte ich mich sogleich ans Werk. Hier die ersten Ergebnisse:

Wo bin ich?

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