Die Sache mit dem Ruhm und dem Geld

November 26, 2017 § 6 Kommentare

 

Mit Ruhm und Geld ist das doch so: Man will das gerne haben, einerseits, man weiß aber auch, dass das nicht viel bedeutet, andererseits. Sobald man ins Atelier geht, hilft einem nicht weiter, dass man berühmt ist – da ist man wieder dasselbe kleine Arschloch, das da steht, sich am Kopf kratzt und auf eine gute Idee hofft.

Per Kirkeby*

Man sieht: wer etwas geschafft hat, bleibt eben immer noch der, der er war, als er es noch nicht geschafft hatte. Oder die, die sie war, als sie es noch nicht geschafft hatte. Diese Erfahrung zu machen, ist sicher so frappierend wie erhellend, und schnell ist man da mit der Beobachtung bei der Hand, dass Geld nur dem nichts bedeutet, der im Übermaß darüber verfügt. Es steckt aber doch eine tiefere, und in diesem Falle durchaus beruhigende Erkenntnis dahinter. Freilich gilt’s auch umgekehrt: es hilft einem auch nicht, n i c h t berühmt zu sein, sondern ein bloggender Dilettant. Statt mir den Kopf blutig zu kratzen hab ich mir gesagt, geh doch mal raus aus dem Atelier Dilettantenstüberl, dorthin, wo den kleinen Arschlöchern vergangener Zeiten ein ehrendes Andenken bereitet wird, ins Museum. Diesmal das Bode-Museum. Natürlich mit Tuschefüller und Notitzbüchlein. Später bisschen Farbe drauf, als Trost- und Heilpflaster, gewissermaßen.

 

 

* in: Süddeutsche Zeitung Magazin, 20 Jahre Edition 46, S. 29

 

 

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Zeichnen und leben

September 24, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

 

Zu einem Zeitpunkt, als wir gewöhnlich in einem Gummiboot umherschippperten und ich wie gewöhnlich gut in die Back hinabgedrückt saß, fragte Minik: „Schläft er?“ „Nein“, sagte Frederik, „er zeichnet.“*

 

Zeichnen wie schlafen. Wie atmen, wie leben. Eine Haltung. Der Bleistift als verlängerter Sehnerv, der das empfangene Licht zurück gibt. Niemand weiß, was der andere sieht. Das Gezeichnete gibt vielleicht eine Spur, eine Richtung. Letztlich aber fügt die Zeichnung der Summe aller Bilder ein weiteres hinzu. Nicht mehr – aber auch nicht weniger.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

*Per Kirkeby: In Grönland. Verlegt von Josef Kleinheinrich, Münster 2017, S. 167.

Maya

September 20, 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Kirkeby fuhr um die halbe Welt, um in Mexiko Maya-Ruinen zu zeichnen. Ich spazierte an einem Sonntag Mittag ins Ethnologische Museum Dahlem und brachte aus der Abteilung für Mesoamerikanische Archäologie diese Erinnerung an ein Volk im Dschungel mit

Maya

Per Kirkeby und ein Baum

September 18, 2015 § 8 Kommentare

„Ein Bild zu malen bedeutet im großen und ganzen, Widerstände zu schaffen, die man dann überwindet“

Ich habe einen Baum gemalt. Zu behaupten, ich hätte ihn bei Per Kirkeby geklaut wäre Anmaßung. Dazu hätte ich zuvörderst in den Kirkebyschen Kosmos eindringen müssen. Ich kratze da eher an der Oberfläche dieses Malers und studiere Bilder, die mich faszinieren, ohne dass ich so recht verstünde, wie sie funktionieren. Folgendes möchte ich festhalten: Kirkeby ist Maler und Naturforscher (promovierter Geologe). Einer, der den sichtbaren Dingen auf den Grund geht, die Natur studiert weil er den Entstehungsprozess von Gebirgen oder Gletschern verstehen möchte. Das Beobachten fließt in permanentes Skizzieren, und am Ende entstehen großformatige Ölbilder, die keine Übertragungen dieser Skizzen sind sondern das Ergebnis von Prozessen, wie Kirkeby sie durch sein Naturstudium zu begreifen lernte. Es sind Schichtungen, Sedimentierungen, Ablagerungen. Ich denke da an einen Ausspruch Pollocks, der auf die Ermahnung hin, doch etwas mehr nach der Natur zu malen erwiderte: ich bin die Natur. Als Kirkeby in den sechziger Jahren loslegte, wollte er malen, durfte aber nicht. Die Avantgarde der sechziger rieb sich am bürgerlichen Kunstverständnis und erklärte die Malerei für tot. Aber wie das so ist mit Hindernissen im Leben, sie befeuern und ermöglichen neue Lösungsansätze. Kirkeby schuf Serien von quadratischen Masonitplatten, auf die er Farbe im klassischen Sinne auftrug, ohne sie als „Malerei“ zu deklarieren. Sie waren Teil eines Konzepts. Später dachte er sich während einer Reise nach Mexikos in die historische Figur John Catherwood hinein und zeichnete wie dieser gut 100 Jahre zuvor die Ruinen der Mayas. Gewissermaßen als Lockerungsübung, um die maltheoretischen Konzepte des 20. Jahunderts hinter sich zu lassen. So fand er auf Umwegen schlussendlich zur klassischen Malerei in Öl auf Leinwand und malt seit dem großformatige, farbenprächtige Bilder, die auf den ersten Eindruck abstrakt daherkommen, jedoch wiederkehrende Motive durchscheinen lassen: Baumstumpfe, Hütten, Höhlen. Wie er die Farbmassen, gelegentlich durch zeichenhafte Muster aufgebrochen, rhythmisiert und formal bändigt, finde ich augenbetäubend. Wie aber komme ich auf das eingangs erwähnte „Klauen“? Es lohnt sich, zu lesen, was Kirkeby über sich und seine Malweise, die Kunst und das Leben überhaupt schreibt. Und so wird mir der Kerl einfach sympathisch in seiner schnoddrig geerdeten Art, intellektuell durch und durch aber als Künstler intuitiv agierend. Da sagt er Sachen wie: früher sei er ins Museum gegangen, um kunsttheoretisch mitreden zu können. Jetzt gehe er ins Museum um zu klauen. Oder dass er Abbildungen des von ihm bewunderten Catherwoods abfotografierte und als Dia auf seine Leinwand projezierte, um dann einfach loszulegen. Oder: „Ich fange in Wirklichkeit mit einer Art romantischem Platonismus an. Ich habe das Bild bis zu einem gewissen Grad der Perfektion klar im Kopf. Seine Realisierung lässt diese Klarheit immer zusammenbrechen und stößt es in jedesmal gleich schmerzhafte Erkenntnis der Wirklichkeit hinaus, von der der Malprozess eine bessere Metapher als jede andere, wissenschaftliche Erkenntnis gibt: das alles Schlamm ist. Aus diesem Schlamm entstehen einige provisorische Ordnungssysteme, die gerade kraft ihres Spannungsverhältnisses zum stofflichen Kosmos interessant sind.“* Und wie erkennt man ein gutes Bild? „…Sobald ich das Bild meinem Besucher zeigte, wusste ich, daß es Mist war. – Wie konntest du das wissen? – Das weiß ich einfach. Mein inneres Auge und meine Eier erheben sich etwas und drohen sich zusammenzukrampfen, und in mir beginnen schreckliche Dinge zu geschehen“. (Wie läuft die Qualitätskontrolle bei Frauen ab?) Und diese sehr kluge Bemerkung zur Ironie: „1969 waren es demonstrativ Versatzstücke, die rein bedeutungsmäßig fast mit der Laubsäge ausgesägt waren…Ganz klar war Ironie dabei. Bei einem solchen Bild wie ‚Baum-Ingemann‘ von 1983 wurde es komplizierter, weil die Ironie keinen Ausweg mehr ermöglichte. Es war ernst geworden, und damit hing ich drin… Ich hätte schon auch weiterhin deutlich auf didaktisches Klischee machen können, daß ich in der großen Klasse Marcel Duchamp mitmischte. Doch ab und zu muß man das Risiko auf sich nehmen und eingestehen, daß man so dumm ist wie man ist.“ Kirkeby ist ein ganz Großer, und wie alle ganz Großen, muss er sich nicht aufplustern. Ganz im Gegenteil. Auf lakonische und nur entfernt kokette Art dimmt er alles um seine Arbeitsweise herum runter. „Ich habe immer gesagt, dass es gleich ist, welche Farbe man benützt. Man nimmt, was zur Hand ist, und eben das tat ich.“ Natürlich weiß er ganz genau, wie er seine Farben inszeniert. Aber die Haltung ist ganz klar: ich kann mit dem arbeiten, was ich habe. Und mich ganz persönlich, der ich schon so lange mit dem Abstrakten hadere und irgendwie immer die Figur brauche, tröstet er: „Das ist jedesmal ein großes Problem, wenn man so ein Bild beginnt. Manchmal übernimmt das Abstrakte, und dann versucht man, etwas Inhalt hinein zu tun, damit es etwas bedeutet, aber es wird leicht zu buchstäblich. Es ist ein arger Schlamm.“

Eigentlich müsste ein Bild Kirkebys den Artikel illustrieren. Seine Bilder sind aber leicht zugänglich (wie übrigens auch ein wunderbarer Film über ihn), und Ziel dieses Blogs ist es schließlich, eigene Bilder zu zeigen. Fühlt sich allerdings irgendwie komisch an, ein eigenes Bild „in die Nähe Kirkebys“ zu rücken. Beinahe dilettantisch. Aber ja – so geht es.

 

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*Alle Zitate aus: Per Kirkeby, Gespräche mit Lars Morell. Köln 1998.

Doppelbilder

September 2, 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Zufall fasziniert mich. Einen Prozess (ach du Schreck – auch so ein Modewort) anstoßen und dann gebannt zuschauen was weiter passiert. Die Entstehung eines Bildes kann so ein Prozess sein. Was an der Farbe auf dem Bildträger ist dann abstrakt, was konkret? Was Form, was Inhalt? Bei Per Kirkeby habe ich gerade gelesen: „Echte Marmorierung, d. h. das Farbenspiel das entsteht, wenn man einen Stein schleift und ihn als Wandfläche verwendet, ist in Wirklichkeit eine Art Zeichnung, die die Natur oder der liebe Gott gemacht hat, und in diese Zeichnungen kann man alle möglichen Bilder hineinlesen. Umgekehrt kann man jedes Bild nehmen, das bewußt figurativ gemacht wurde, und sagen, es sind nur Striche und Tropfen… im Fall der echten Marmorierung gibt es eine Möglichkeit des Bedeutungslesens, und im anderen, dem von Menschen geschaffenen Bild, gibt es die Möglichkeit des Bedeutungswegfalls.“* Ich nehme statt der Marmorierungen klecksografisch entstandene Zufallsbilder. Davon waren hier ja schon einige zu sehen. Aber was sieht man in so einer Zufallsstruktur? Wahrscheinlich jeder etwas anderes. Um einmal anzudeuten, was ich sehe, stelle ich im folgenden je zwei Bilder gegenüber: die Klecksografie und eine Zeichnung die – na ja: annähernd – wiedergibt, was ich sehe. Anhand dieser Klecksereien zu zeichnen war, nebenbei bemerkt, eine wunderbare Erfahrung, an die ich noch öfter anknüpfen werde.

 

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  • Per Kirkeby, Gespräche mit Lars Morell. Köln 1998, S. 39

 

 

 

 

 

 

 

Geschichtet

August 13, 2015 § Ein Kommentar

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„Als älterer Künstler will man immer das Natürlich malen: einen Baum, ein Stilleben. Aber das Recht dazu hat man erst gewonnen, wenn man in seiner Jugend das Außergewöhnliche gemalt hat.“ Sagt Per Kirkeby, dänischer Maler, dessen Bilder mich gerade sehr faszinieren. Und mich fasziniert auch, dass er einfach immer malen wollte, seit seiner Schulzeit. Dennoch erst Geologie studierte, u. a. um ausgedehnte Reisen nach Grönland unternehmen zu können. Vormittags Wissenschaflter, ab ein Uhr  Maler. Als er sich dann in der Kunstszene bewegte, herrschte dummerweise gerade Malverbot, jedenfalls „unter intelligenten Leuten“. „Ich habe allerdings einen Trick gefunden. Ich habe nur auf Hartfaserplatten gemalt, immer quadratisch, 20, 25, und habe die dann in gleichem Abstand gehängt, ganz monoton, und habe gesagt: Das ist ein Konzept, das ist ein System und scheißegal, was auf den Platten ist, das ist eine Struktur. Dadurch hatte ich meine Legitimation und zugleich meine Freiheit und konnte losmalen.“ Hinter das Geheimnis seiner Bilder werde ich wahrscheinlich nie kommen, sie funktionieren einfach, und ich weiß nicht, wieso. Für mich nehme ich immerhin mit, dass, wie er sagt „jeder Maler … immer Schicht auf Schicht [malt]. Das ist ganz allgemein so.“ So hielt ich es auch bei den beiden Akten oben. Zwei kleine, alte, bereits beschichtete Leinwände fett überstrichen mit einer Mischung aus Umbra gebrannt und durch Phtalogrün verunreinigtes Schwarz. Dann mit weißer Wandfarbe so lange daraufherumhantiert, bis es passte. Und es passt, finde ich.

(Die Zitate sind dem Kritischen Lexikon der Gegenwartskunst entnommen)

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