Paris, zum zweiten

November 19, 2015 § 2 Kommentare

In der Süddeutschen Zeitung lese ich heute einen Bericht über eine Veranstaltung zu Ehren Hans-Jürgen Syberbergs in Berlin. Mit von der Partie Carl Hegemann, den „durchaus Unbehagen zu beschleichen schien, als Syberberg mit leuchtenden Augen davon zu schwärmen begann, dass die Vorkomnisse in Paris geistig ausgesprochen anregend seien.“ Ja, ich habe richtig gelesen: „geistig ausgesprochen anregend“. Und weiter: „da frage man sich: Was treibe die um? Das sei doch faszinierend!“ Offenbar würde Syberberg gerne mal auf einen Tee beim IS vorbeischauen, um ein wenig seiner Faszination nachzugehen und gesprächsweise zu erfahren, was die so umtreibe. Das macht schon fassunglos.  Dass der Abend dadurch für Tobias Lehmkuhl, den Autor des Artikels, wiederum einen „Kitzel“ bekam – ja, das ist seine Wortwahl: „Kitzel“ sollte eigentlich die sofortige Kündigung meines SZ-Abos nach sich ziehen.  Nach dem Attentat auf das World Trade Center 2001 hatte Karl-Heinz Stockhausen, wenn ich mich recht erinnere, vom „größten Kunstwerk aller Zeiten“ gefaselt. Neulich las ich irgendwo, dass uns angesichts der Attentate von Paris nur noch die Kunst helfen könne. Ich fürchte, niemand kann uns helfen.

 

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Paris Teil drei

Juni 17, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

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Dieser Herr stand vor mir in der Schlange wartender Menschen, Einlass begehrend in die Orangerie am Rande der wunderbaren Tuilerien. Drinnen setzt sich die Gartenlandschaft in Gestalt großartiger Seerosenpanoramen von Monet fort. Dann zwei sehr schöne frühe Picassos, expressive Arbeiten von Soutine und – wieder ein van Dongen, diesmal in Öl. Mehr davon – immerhin zwei Gemälde – gab’s dann überraschenderweise in der ständigen Ausstellung des Centre Pompidou, diesem fantastischen Monolith inmitten der pulsierenden Stadt. Im Grunde das, was der Berliner Palast der Republik nach der Wende hätte werden können, hätten ihn verspätete Kalte Krieger in Siegerpose nicht der Abrissbirne preisgegeben. Ein Jammer, der noch jammervoller wird angesichts des Schlossneubaus, der in offizieller Sprachregelung ja nicht mehr Schloss heißt sondern Humboldtforum, was ihn einer nachvollziehbaren Begründung nicht einen Jota näher gebracht hat. Zumal die Humboldtschen Tagebücher, die man in einer der vielen Schlosskammern ja hätte zeigen können, längst außer Landes geschafft wurden und jetzt für ein Geld wieder zurück gekauft werden müssen, von dem man das Schloss gleich wieder abreißen kann. Könnte, falls neue Machthaber dereinst wieder andere Werte setzen. Wo war ich doch gleich? Ach ja, im Centre Pompidou. Da kann man nämlich zwischen zwei Bildern den Blick immer wieder hinausschweifen lassen über die Dächer von Paris. Eindeutig das schönste der bis dato von mir in Paris besuchten Museen.

Frauenkopf im Quadrat

Hatte ich schon geschrieben, dass mich das heftig rotierende neue Daft Punk Album in so einen Zustand dauerzart-säuselnden Deliriums versetzt, hart an der Grenze zur Lebensuntüchtigkeit? Ich lehne Drogen ja ab, weil da das Vorkassenprinzip sträflich vernachlässigt wird – Motto: fly now pay later. Aber hey, wo steht geschrieben, dass Musik verboten ist?

Paris

Juni 11, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich war ein paar Tage in der Welthauptstadt der Malerei und habe tatsächlich auf meinen Wegen von einem Museum zum nächsten immer mal wieder einen Blick auf die sehr erfreuliche Stadt geworfen. Mein Hauptaugenmerk freilich galt den vielen Bilder, die sich insbesondere im Louvre in solch  großer Anzahl befinden, dass Präsentation und Inszenierung (ohne die heutzutage ja kaum ein Museum mehr auszukommen scheint) angenehm entspannt daherkommen, will sagen: wo Meisterwerke im Überfluss vorhanden sind reicht es, sie aufzuhängen und den Rest dem Betrachter zu überlassen. Im übrigen konzentrieren sich geballtes sicherheitstechnisches Knowhow und volle Aufmerksamkeit des Personals auf die Bewachung der Mona Lisa, wobei ganz klar auffällt, dass die eigentlich Funktion der Mona Lisa darin besteht, den Pulk in Schach zu halten, damit sich der Kunstliebhaber um so ungestörter den übrigen Meisterwerken zuwenden kann, als da wären an erster Stelle van Eycks unglaubliches Portrait des Kanzlers Rolin im Angesicht der Jungfrau Maria während unten zu Füßen der Burg sich die Welt in ihrem Treiben entfaltet, sodann zwei Vermeers, drei Selbstportraits von Rembrandt usw. Und zwischendurch so erfrischende Entdeckungen wie ein sonnenbebrillter und daher ungemein modern wirkender Philosoph (Luca Giordano) sowie ein an Drastik kaum zu überbietendes Schlachtengemälde, aus dessen Menschengetümmel in schön austarierter Symmetrie drei opulent ausgearbeitete und perfekt ausgeleuchtete Pferdehintern herausragen. Dabei beachten die ineinander verkeilten Krieger sorgfältig den durch den Bildrahmen vorgegebenen Tummelplatz und lassen am unteren Bildrand einen sauber ausgefegten Anstandsstreifen zum Betrachter (das Gemälde ist von Salvator Rosa, einem Vertreter der Neapolitanischen Schule und heißt Bataille heroique). Fortsetzung folgt. Und wie immer überlässt der Dilettant die Kunst den Meistern und widmet sich unterwegs skizzierenden Kritzeleien:

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