Ein Wort zum lieben Gott

Mai 23, 2017 § 5 Kommentare

So lieb ist der liebe Gott nun auch wieder nicht, dass er dem, der keinen Inhalt hat, die Form schenkt.

Alfred Hrdlicka

 

 

 

Keines meiner Pigmente ist so durchsetzungsstark wie Oxidrot. Am besten, man überlässt ihm das Feld, allenfalls moderiert durch großzügige Dreingabe von Weiß und Cadmiumgelb. Auch so ein Brechermineral.

(Aus dem Bode-Museum:  eine Caritas-Figur)

Die Angst der Unfähigkeit vor dem Prüfstein eines weißen Grundes

März 22, 2017 § 6 Kommentare

 

 

Nachdem, wie berichtet, auf meinem Küchentisch Goethe für seinen Malerkollegen Neo Rauch ein wenig zur Seite Rücken musste, ist es unterdessen, vermittelt durch den Kunsthistoriker Werner Spies,  zu einer direkten Begegnung beider gekommen. Das ging so: In einem Buch über Neo Rauch* berichtet Spies von einem Gespräch mit dem Maler, und die Frage ist: wie beginnen, wie den Einstieg ins Bild finden. Rauch habe sich dergestalt geäußert, dass er zu Beginn einen Einstieg ins Bild, etwa in Form kleiner Farbflecken, als einer „Verletzung der reinen weißen Leinwand“ bräuchte. Spies nun bringt Goethe ins Spiel und zitiert aus Dichtung und Wahrheit: „Denn es war mir fast unmöglich, bei meinen Zeichnungen ein gutes, weißes, völlig reines Papier zu gebrauchen; graue veraltete, ja schon von einer Seite beschriebene Blätter reizten mich am meisten, eben als wenn meine Unfähigkeit sich vor dem Prüfstein eines weißen Grundes gefürchtet hätte.“** Wie tröstlich, dachte ich da, dass selbst Olympier wie Goethe das Weiß des Papiers als angsteinflößenden Prüfstein empfinden. Ähnliches las ich mal in Bezug auf Horst Janssen, der für seine Tuschen gerne altes, abgelagertes Papier verwendete, sich allerdings zierte, Alterungsspuren künstlich, etwa durch Klecksereien, herzustellen – aus Angst, die Sache bekäme dadurch etwas „Gesuchtes“, „Geschmäcklerisches“. Ich nun gestehe freimütig meine Bereitschaft, jeden Trick anzuwenden, wenn er denn nur hülfe, die erste, „weiße“ Hürde zu nehmen. Dazu gehört übrigens eine fast schon abergläubig zu nennende Scheu, hochwertiges Papier eigens fürs Malen und Zeichnen zu erwerben. Viel lieber sammle ich abgelaufene Bildkalender aller Größen, deren festes, sehr strapazierfähiges Papier sich, einmal nass aufgezogen, hervorragend für Techniken wie Eitempera oder Acryl eignet.

 

  • * Neo Rauch. Herausgegeben von der Stiftung Frieder Burda und Werner Spies. Ostfildern 2011
  • ** S. 29

 

Liebesrost

März 31, 2014 § 4 Kommentare

selbst 7oo3o2

Für ein aktuelles Selbstportrait brachte ich oxidrot an den Start, ein sehr durchsetzungsfähiges, mächtiges Pigment. Mir gefällt daran das Erdige, Organische. Und dass die Zeit sichtbar wird, das Altern, das „Verrosten“. Bei Eisen passiert’s wohl durch Eindringen von Sauerstoff, beim Menschen von ganz alleine. Natürlich kann man auch nachhelfen. Durch Einnahme von Substanzen. Oder Auslassen von Substanzen. Oder Liebeskummer. Oder durch Nichtstun. Oder durch alles zusammen.

Wo bin ich?

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