Letzte Skizzen

Mai 16, 2019 § 4 Kommentare

Die Brunnenburg oberhalb Merans war der letzte Wohnsitz des amerikanischen Dichters Ezra Pound. Heute  beherbergt sie ein landwirtschaftliches Museum. Die eindrucksvolle Sammlung alter Gerätschaften und Demonstration obsolet gewordener Techniken zeigt, welch kräftezehrende Plackerei der Broterwerb in früheren Zeiten war. Während heute kleine Roboter den Rasen selbsttätig mähen, musste annodazumal an besonders steilen Hängen sogar der Mutterboden vorm Säen in Körben eigens hinauf getragen werden, weil die extreme Hanglage der dünnen fruchtbaren Krume übers Jahr zuwenig Halt bot. Was geht‘s uns heute gut, pflegt meine Mutter in solchen Momenten zu sagen. Und sie weiß wovon sie redet, mit ihren knapp neunzig Jahren. Könnten die Damaligen unsere heutige Zeit erleben, sie wähnten sich vermutlich im Schlaraffenland. Nicht wenigen von uns dagegen dünkt gerade diese Vergangenheit als das verlorene Paradies, als eine Zeit, da Menschen im Einklang mit der Natur und frei von jeglicher Entfremdung lebten. Wie auch immer – wir brechen unsere Zelte morgen ab. Hier ein paar letzte Skizzen, manche rasch dahingeworfen unter Zeitdruck, andere tränenden Auges starken Winden abgetrotzt. Einige entstanden im Café, der Bergbahn, oder auf dem Balkon.

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Abgerutscht. Dritter Riffian-Splitter

Juni 17, 2018 § 2 Kommentare

Ich fiel nicht hinein. Aber doch fast. Dabei sind ja Menschen schon zu Tode gestürzt beim Fotografieren. Schrammte mir bloß die Schienenbeine auf und ward einmal mehr meines Schutzengels gewahr, der es für meinesteils bei ein paar harmlosen Blessuren beließ während er die kleine Kamera sogar trotz ordentlich Spritzwasser und dem seitlich abrollend sich überschlagenden Träger gänzlich verschonte. Als ich nach der Schrecksekunde, die Kamera auf jeden Fall verloren wähnend, allmählich realisierte, ohne Brüche oder Prellungen davon gekommen zu sein, fiel mein Blick auf das unbekümmert weiter sendende Display der Kamera – eine Botschaft aus dem Jenseits, so schien es mir für den Moment. Aber alles Irdische ist Prosa, und so lobe ich mir die gute Wertarbeit japanischer Ingenieure. Grenzen freilich wurden aufgezeigt der Nostalgie, derzufolge ich noch immer in den Wanderschuhen meines Vaters laufe – Wertarbeit aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts und somit einer Zeit, als Qualität ein auf die Zukunft gerichtetes Vorhaben war anstatt in die Vokabel „nachhaltig“ hinein entsorgt zu werden. Fahrlässigerweise, denn in einigen Löchern des praktisch nicht mehr vorhandenen Profils der Sohle führe ich Steinchen des bereits letzten Wanderurlaubs spazieren. Als Nostalgie in der Nostalgie. Gewissermaßen. Dies also hätte leicht die letzten Bilder der Kamera werden können, als dann freilich aber auch schon nicht mehr sichtbare:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wo bin ich?

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