Acryl mit Tapetenkleister gestreckt

Januar 19, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Zwei großformatige Acrylbilder. Unterschiedliche Herangehensweise.  Acrylfarbe trocknet ja schnell und erfordert zügiges Verarbeiten. Das kommt mir durchaus gelegen, denn ich versuche stets, die schwer steuerbare Dynamik grobmotorischer Abläufe im Hochgeschwindigkeitsbereich für den Malprozess fruchtbar zu machen. Kurz gefasst: Verstand: raus, Biodynamik: rein. Denken: aus, intuieren (??): an. (Ergebnis siehe oben). Nichtsdestotrotz möchte ich mir manchmal doch mehr Zeit nehmen zum Entwickeln eines (größeren) Bildes. Natürlich gibt’s Malmittel, Pasten, die man der Farbe beimischen kann um das Trocknen hinauszuzögern. Ist mir aber alles schon zu professionell (hier malt schließlich der Dilettant), und so wählte ich für das folgende Bild einen anderen Weg: Vorzeichnen wie immer in schwarzer Kreide, dann dick Tapetenkleister drüber. Jetzt hat das aufzutragende Acryl alle Zeit der Welt sich zu verteilen und die richtigen Plätze zu finden. Gibt ganz nebenbei auch schöne Struktureffekte, je nach dem in welchem Trocknungsstadium man noch mal rübergeht mit dem Pinsel. Die Vorlage für das folgende Portrait war übrigens die Fotografie einer Frau („Melissa“), die der Peruanische Künstlers Chan Chao als Teil einer Serie in einem Frauengefängnis aufnahm. (s. 100 Artists of Washington D.C. oder: www.gfineartdc.com) Ähnlichkeit mit der abgelichteten Frau stellte sich nicht ein, dafür bekam das Bild einen Touch Richtung Frida Kahlo. Das sind halt die hübschen Überraschungen am Wegesrand…

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Tokyo Compression

Dezember 18, 2011 § Ein Kommentar

Menschen, zusammengepfercht in der U-Bahn, ihre Gesichter und Hände an die Scheiben gepresst, tonlos in sich gekehrt, fotografiert von außen durch die Scheiben von Michael Wolf. Das sind die Fotografien des beklemmend schönen Bildbandes „Tokyo Compression. Revisited. Michael Wolf.“ Für mich Vorlagen für eine kleine Serie, in der ich mich ganz auf Gesichtskonturen plus etwas Farbe konzentriert habe.

Die Hände kommen zu ihrem eigenen Recht:

Acryllieren

Juli 5, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

o. T.

Da ich weder ein geräumiges Atelier habe noch ausreichend Zeit am Stück, bevorzuge ich das schnelle, kleine spontane, vorläufige, äußeren Umständen geschuldete Bild. Dazu passte lange Zeit die Aquarelltechnik – es bedarf keiner umständlichen Vor- und Nachbereitung, Pinsel ins Wasser und einfach alles liegenlassen bis zum nächsten Tag. Ich bin auch kein Freund ausgiebigen Korrigierens und Feilens. Es ist stets das, was der Moment hergibt.

o. T.

Mich reizte aber irgendwann Acryl, denn alles Aquarellierte hatte für mich so eine irgendwie brave, verpiefte Anmutung. Nun bin ich bin von Hause aus sparsam (schon daran erkennt man den Dilettant in mir; der Künstler ist ja stets maßlos in seinem Tun), und es nervte, zu viel aus den Tuben gedrückte Farbe jämmerlich eintrocknen zu sehen. So kam ich irgendwann darauf, die Acrylwürste in aufgebrauchte Frischkäsebecher zu geben und soweit mit Wasser aufzufüllen, dass sie nicht eintrocknen können. Beim Arbeiten mit vielen dieser gewässerten Becher merkte ich, dass ich so wunderbar flexibel arbeiten kann: eher deckend mit noch nicht aufgelöster Farbe, oder lasierend mit dem getönten Wasser. Herrlich. Jeden Abend gieße ich nun meine Töpfchen und sehe zu, dass das Acryl stets feucht bleibt. Im Laufe der Zeit mischen sich die Farben mehr und mehr (bis man mal wieder frisch aus der Tube „nachdrückt“). Ein Effekt, der durchaus erwünscht ist. Ich nenne diese Technik „Acryllieren“. Die Ergebnisse überflügeln meine früheren Aquarelle, denn der Farbauftrag ist oft körniger, „unsauberer“. Dies in Verbindung mit anderen Medien wie Kohle, Fettstift, Kugelschreiber, wasserlöslichem Filzstift, Wachsmalkreide etc. führt zu den von mir favorisierten kleinen Unvorhersehbarkeiten infolge gegenseitigen Abstoßens und Auslöschens der verschiedenen Materialien. Ich nehme sowieso am liebsten Malgründe, die bereits Spuren gewisser zufälliger Prozeduren aufweisen, z. B. Papier, das auf meinem zum Maltisch mutierten Schreibtisch infolge fortwährenden Aufschichtens neuer Objekte „sedimentierte“ und dabei den ein oder anderen Farbspritzer o. ä. abbekam. Ich habe mich oft gefragt, warum mir solcher Art „genuschelter“ Bilder mehr zusagen als „sorgfältig schön“ gemalte. Meine Erklärung dazu demnächst an dieser Stelle…

o. T.

Wo bin ich?

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