Aus meinem Bücherregal. Erste Sätze (I)

Dezember 10, 2018 § 7 Kommentare

Die meisten Texte beginnen mit dem ersten Satz. Denn, wie Ludwig Wittgenstein so treffend feststellte, „Man kann eben nicht vor dem Anfang anfangen.“ Der berühmte erste Satz also. Nicht immer jedoch ist die Sache so eindeutig. Dem eigentlichen Text vorangestellt ist mitunter ein Vorwort, eine Vorrede o. ä. Und nehmen wir den Fall der „Lebensansichten des Katers Murr“ von E. T. A. Hoffmann, so sind wir bereits beim „Vorwort des Herausgebers“ mitten im Geschehen, denn hier wird erklärt, warum sich in den Text des Katers ein ganz anderer Text hineingeschlichen hat, nämlich die Biographie des Kapellmeisters Johannes Kreisler. Auch die meisten Musikstücke beginnen mit dem ersten Ton. Jedoch: John Cages berühmtes Stück 4’33“ beispielsweise enthält überhaupt keinen einzigen Ton, wie kann es da überhaupt beginnen? Wir sind also schon nach wenigen Sätzen bei der grundlegenden Erkenntnis angelangt: was einfach scheint ist kompliziert. Stets. Dabei war noch keine Rede vom ersten Pinselstrich, der ersten Linie. Macht aber nix, denn was hier beginnt, sind in loser Folge Zeichnungen zu ersten Sätzen. Ich entnehme sie Büchern meines Bücherregals.

 

Kafka Ein Traum

Josef K. träumte: Es war ein schöner Tag und K. wollte spazieren gehen. Kaum aber hatte er zwei Schritte gemacht, war er schon auf dem Friedhof.
(Franz Kafka, Ein Traum)

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Mai 5, 2016 § Hinterlasse einen Kommentar

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