Zeichnen ohne Kindergarten

November 18, 2013 § 2 Kommentare

Der schottische Zeichner und Künstler David Shrigley bringt meine Vorstellung von der perfekten Künstlerexistenz auf den Punkt. In einem Interview mit dem Magazin der Süddeutschen Zeitung vom letzten Freitag sagt er: „Früher kam ich aus dem Kindergarten und habe gezeichnet, bis es Abendessen gab, heute mache ich es genauso, nur ohne Kindergarten.“ Klingt nach einer brotlosen Daddelexistenz. Aber Shrigley ist inzwischen reich und berühmt. Nutzt dennoch nix, denn in besagtem Interview fährt er fort: „Berühmt sein macht nur Spaß, wenn man 22 ist und in einer Band spielt. Ich bin 44 und verheiratet.“ Pech gehabt, lieber David. Aber mir geht’s auch nicht besser. Ich bin 44 + x und unerhört. Aber ich habe gezeichnet, auf längeren Zugfahrten übers Wochenende:

Reiseskizze 3zzio68

Reiseskizze 3tiiri5

Reiseskizze 55848r

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Reiseskizze 499r94

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Künstlerbildchen – Teil 1

Dezember 4, 2012 § 2 Kommentare

Von der Fotografin Barbara Klemm gibt es ein sehr schönes Büchlein       „Künstler„. Nach guten Fotografien zu zeichnen hat den Vorteil, sich schon mal auf eine gelungene Bildfindung verlassen zu können. In diesem Sinne bediene ich mich nun bei Barbara Klemm und beginne eine lose Folge von Künstlerbildchen, deren Vorlagen ich besagtem Band entnehme. Erlaube mir dabei freilich ein paar dilettantische Freiheiten…

Ich beginne mit dem großen Gerhard Richter

Gerhard Richter

und springe des weitern quer durch die Generationen, von Ost nach West, durch alles Sparten…

Daniel Richter

Emil Schumacher

Werner Tübke

Jean Scully

Helene Weigel

wird fortgesetzt

September 11, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Der oft gehörte Einwand moderner Kunst gegenüber – „das kann ich auch“ – geht ins Leere. Klar, der Laie „kann es auch“, aber, und das ist das entscheidende, er macht es nicht. (Das wusste schon Arnold Schönberg, als er sagte, „Kunst kommt nicht von Können, sondern von Müssen) . Da die Kunst aber nun so leicht geworden ist, ist sie auch wieder schwer, denn viele wollen Künstler sein, und nicht jeden braucht der Kunstmarkt. Sind aber nun die Objekte selbst leicht herzustellen, verlagert sich die Aufmerksamkeit auf die Person des Künstlers, dem nun die Aufgabe zufällt,

erstens seine Vita durch allerlei Schmankerl zu verkünstlern,

zweitens die Objekte seiner Wahl theoretisch zu überhöhen und

drittens die richtigen Leute von sich einzunehmen.

Hat er es in alsdann den Kunsthimmel geschafft, kann er machen, was er will, denn seine Person adelt fortan das Werk.

Den Dilettanten schert all dies freilich nicht, denn er macht keine Kunst, sondern seinem Namen alle Ehre: er dilettiert. Da braucht er auch keine teuren Materialien, keine Bütten, grundierte Leinwände und lichtechte Künstlerölfarbe. Er nimmt, was gerade herum liegt: Kugelschreiber und Schmierpapier. Sonntags oder an lauen schönen Spätsommerabenden wie diesem hat er seine Spendierhosen an und gibt noch verdünnte Acrylfarbe drauf, gut abgestanden und schon leicht müffelnd:

Mitunter bekommt er aber Gesellschaft, denn auch der Künstler wildert gelegentlich in den Niederungen banaler Alltagsmaterialität. So Norbert W. Hinterberger, dokumentiert in seinem Buch „Das Bildungsprogramm„. Dort finden sich so lustige Sachen wie „Weiblicher Akt (Aquarell auf Hakle Feucht 20 x 10 cm)“, oder „Colosseum (Feder in Sepia auf Lasagne)“, und „Aktion ‚An Goethes Statt in Griechenland’ (Druckstock aus Badesandale, wasserlösliche Farbe)“. Ich also nehme ein gut auf dem Mal- (früher: Schreib-)tisch abgestandenes Blatt Schmierpapier:

Halte daneben als Vorlage ein Foto, dass Alfred Hrdlicka bei der Arbeit für ein Bühnenbild zeigt und zeichne mit Kugelschreiber den Künstler bei der Arbeit:

gebe sparsam dünne Acrylfarbe dazu:

male meine Hand hinein und schon habe ich das Bild:

„Der Dilettant malt Alfred Hrdlicka der ein Bühnenbild malt. Kugelschreiber, Acryl und Spuren von Tusche auf ausrangiertem Endlosdruckerpapier“

Hier noch ein Beispiel, wie auf dem Papier bereits vorhandene Farbreste dem Motiv zusätzlich Richtung und Spannung verleihen können:

Damit habe ich zugleich die Portraitserie fortgesetzt:

Martin Scorsese

 

Und zur obligatorischen Kuh:

Gesellt sich noch ein Pferdekopf:

Wo bin ich?

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