Im Park

Mai 14, 2017 § 4 Kommentare

 

(Stagnation grad. Ich tröste mich aber mit Jakop Philipp Hackert, dem von Goethe sehr geschätzten Landschaftsmaler. Gebürtiger Uckermärker, in Italien zu Ruhm gekommen, notierte er einige Überlegungen zur praktischen Kunsttheorie, aus der ich in einen Satz zitiere möchte, und zwar in aller ungehobelt hemdsärmeligen Pracht – dankenswerterweise gedruckt ohne die sonst übliche Anpassung an moderne Rechtschreibung und Grammatik*:

(– Luftholen, und los:   )

Daß beste Mittel Anzurathen welches ich pracktisirt habe ist, daß wen man an einer Sache die man Angefangen hat, merket das man Müde davon ist, es platterdings Gleich ligen laßen, und so gleich nach einer kleinen promenade, nach der Natur die da Reizet waß Andres Anzufangen, die Neuheit des Objeckts Reitzet sehr und macht  neue Lust und Liebe die Natur nach zu Ahmen, und die Veränderungen der Dinge macht uns den Verdruß daß wir es nicht so gleich erreicht haben, vergeßen, so daß wir des Andern Tages Nach Ruhe und Uberlegung daß Werck mit Neuen Muthe wider Angreifen bis wir entlich dahin kommen die ersten Schwürigkeiten Uberwunden zu haben, und nach und nach zu der Großen Fertigkeit gelangen, daß wir keine Große Schwürigkeit mehr Spüren, bis man Endlich Auf den Pfleck komt, daß man Alles waß uns die Natur darstellet, mit Kunst und Geschmack ohne Anstand nach Zeichnen konnen, und daß mit einer solchen Fertigkeit und Geschicklichkeit, als jemand der mit wohl gebildeten Buchstaben so gleich einen Brief schreibet.

(herrlich: Schwürigkeit. Und: das Werk mit neuem Mut angreifen)

 

Also: auf zur kleinen promenade!

 

* Nachzulesen hier: Lehrreiche Nähe. Goethe und Hackert. München und Wien 1997, S. 114

Advertisements

Mit dem Kopf durch die (Lein)wand

September 15, 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Das Bild gerät stets anders, als ich es mir vorstelle. Das ist zu einem großen Teil meiner Ungeduld und mangelnder Arbeitsökonomie geschuldet. Anstatt in einer wohlüberlegten Vorbereitungsphase alle Utensilien bereitzulegen und Platz zu schaffen für anfallende Arbeitsvorgänge, lege ich einfach los. Stürme davon. Und ärgere mich dann, dass an den Pinseln noch Überreste älterer Pigmente kleben und die Farbe auf der Leinwand bricht, dass gerade kein Maltuch zur Hand ist, keine gescheite Ablage für den fünften Pinsel, den meine Hand nicht auch noch halten kann, keine saubere Fläche zum Mischen. Ich kämpfe dann gegen Widrigkeiten und glaube, das Bild erzwingen zu können. Aus der Dynamik aleatorischer Prozesse heraus, im Widerstreit mit den Elementen. Schön blöd. Mit dem Kopf durch die Wand. Dass andere den ganzen Tag Zeit haben zu malen, und sich locker drei Stunden vor die Leinwand setzen können, bevor der zweite Pinselstrich aufgetragen wird – na und. Keine Ausrede. Dass andere ganze Ateliers bespielen können, mit Tischen voller Gläsern voller Pinsel in bester Qualität ohne Haarausfall – erst Recht na und und schon gar keine Ausrede. Ich kann ja auch einfach zeichnen. Mit zwei Bleistiften. Den Spitzer, vielleicht noch einen Radiergummie bereit legen – das müsste zu schaffen sein. Aber wo war nochmal das gute Papier von neulich. Nochmal aufstehen. Suchen. Und bald muss ich dafür auch nicht mehr aufstehen. Die Dingwelt in meiner Malkammer wächst behutsam an mich heran. Zukünftig begebe ich mich dann als Botaniker ins Dickicht. Halt kein Maler.

 

Portrait 4gfooso23

Wo bin ich?

Du durchsuchst momentan Beiträge mit dem Schlagwort Krise auf Der Dilettant.

%d Bloggern gefällt das: