beethoven, die Fünfte

Januar 27, 2018 § 2 Kommentare

 

beeethoven

 

Nur wenige wissen: beethoven war auch bildender Künstler. Wer einmal einen Blick auf eine seiner Kompositionsskizzen geworfen hat, denkt vielleicht eher an die verrätselten Figurationen eines Cy Twombly, als an intelligible Musiknotationen. Ein zwischenzeitlich veritabel angewachsener Zweig der Musikforschung, dem anzugehören ich vor Jahren einmal unvorsichtigerweise beabsichtigte, beschäftigt sich akribisch mit der Entzifferung, Datierung und Deutung dieser Notate, die Beethoven vermutlich weniger Gedächtnisstütze waren denn Blitzableiter. Es scheint fast, als habe er das Schöpfungschaos einander widerstreitender Themen und Motive dem Skizzenbuch anvertraut, damit am Ende die Töne, gereinigt von allen Geburtswehen, sich zu der Harmonie verbinden konnten, die wir noch heute hören können – im Mysterium einer sich klingend abbildenden Welt.

 

P.S. Die Verbindung zu Cy Twombly verdanke ich Martin Geck, dessen Monografie über die Symphonien Beethovens ich mit Genuss gelesen habe.

 

Advertisements

Krieger

Mai 6, 2015 § 7 Kommentare

Als Dilettant denkt man ja schnell: ich male ein Bild. Aber so ist es eigentlich nicht.  Der Vorgang verläuft in geradezu entgegengesetzter Richtung: Das Bild malt mich. Zwar beginne ich, gebe auch wohl eine Richtung vor, forciere gelegentlich gar – doch das Bild macht was es will, es geht eigene Wege. Setze ich zum Beispiel einen Pinselstrich in, sagen wir: oxydrot, vielleicht mit  weiß drin, und in der Bewegung nehmen die Pinselhaare noch etwas Kreidestaub mit, so bekommt das Etwas auf dem Papier/der Leinwand unvermittelt einen völlig neuen Dreh, der Ausdruck kippt in eine ungeahnte Richtung. Erstaunt bis begeistert gehe ich dem nach, nehme auf was die Farbakkumulationen mir zu sagen beginnen. So kann das immer weiter gehen, und nicht selten lockt mich das Bild in die Irre, in eine Sackgasse. Dann ziehe ich den Egoknüppel und übermale einfach mit Weiß. Zack. Aus. Manchmal aber lege ich verblüfft den Pinsel aus der Hand mit dem Gefühl, Zeuge geworden zu sein bei der Geburt eines Objekts, das jetzt in der Welt ist und mich berührt. Einfach so. Herrlich.

 

Portrait slekjfl Krieger

Martin Kasper

April 21, 2014 § 4 Kommentare

Kann ich hier gegenwärtig auch keine eigenen Bilder zeigen, so kann ich doch die anderer kommentieren. Ich besuchte heute auf der allerliebst frühlingshaft strahlenden Mathildenhöhe zu Darmstadt die Ausstellung „Martin Kasper. Echokammer“. Martin Kasper, Jahrgang 1962, malt Räume und Menschen, nicht: Menschen in Räumen. Mit dünn auf (ungrundierter?) Leinwand auf getragener Tempera und feinem Gespür für Licht, Farbe und Materialität. Seine Räume atmen eine luftige Transparenz. Lange verweilte ich vor der Ansicht eines hoch herrschaftlich anmutenden Raumes, vermutlich innerhalb eines Schlosses, matt glänzendes Parkett, leer bis auf wenig Dekor, zentral gegenüber eine Frauenbüste, Zwiesprache haltend mit dem Betrachter. Von der Decke hängen Kugelleuchten im Stile der 60iger Moderne und fügen sich weiß-grau-bläulich schimmernd wunderbar ein in den Gesamtfarbraum – trotz des „Stilbruches“. Vermutlich ist hier kein realer Raum wieder gegeben, sondern ein aus vorgefundenen Elementen komponierter. Faszinierend. Kernstück der Ausstellung ein Raum, dessen eine Wand nahezu vollständig von einem Bild eingenommen wird (6 Meter lang), das den Raum zeigt, in dem man steht. Kasper hatte anhand von Fotos, die er im Raum aufgenommen hatte, über drei Monate in seinem Atelier das Bild eigens für die Ausstellung gemalt. Und so sieht man nun im Bild die gegen überliegende Wand, an der bereits Bilder Kaspers hingen, als das große Bild gemalt wurde. Er malte also in sein Bild eigene Bilder hinein, u. a. ein großes Atelierbild mit Selbstportät, und die Ansicht eines Ausstellungsraumes, wiederum mit Bildern an den Wänden. Ergibt summa summarum Bilder in Bildern im Bild, mit Fluchtlinien, die sich durch reale und gemalte Räumen hindurch kreuzen. Interessant für mich persönlich der Einblick in den kreativen Prozess. Beim Malen eines Bildes geht’s ja weniger darum, was man malt, als darum, was man weglässt. Oder wie man sich aneignet, was man sieht. Und das war das tolle am Konzept dieser Ausstellung – die leider heute bereits ihre Pforten schließt: in diesem Raum, der „Echokammer“, lässt sich studieren, wie die in den anderen Räumen hängenden Bilder entstanden sein mögen, wie sich das Verhältnis von Vorgefundenem und Imaginiertem in der Arbeit des Malers ausdifferenziert. Welche künstlerischen Entscheidungen er trifft. Ins Auge stechend die Vorliebe für glänzende, reflektierende Fußböden. Sie entmaterialisieren hermetische Räume, bringen sie zum Leuchten und Schweben. Der reale Parkettboden der Echokammer ist stumpf. In Kaspers Bild entfaltet der Raum magischen Glanz, denn der matt lackierte Fußboden nimmt die Vertikale auf und wirft sie ins Unendliche. Und auf subtile Weise löst Kipper die Zentralperspektive auf. Vorlage müssen etliche von verschiedenen Standpunkten aus aufgenommene Fotos gewesen sein, und nicht das eine, mit Fischauge zentral geknippste . Man könnte auch sagen, der Blick gleicht dem aus großer Entfernung, aber herangezoomt. In der Wirkung potenziert sich der gemalte Raum in Palastdimension, während man real in einer „Kammer“ steht. Hach, die Malerei…

Wo bin ich?

Du durchsuchst momentan Beiträge mit dem Schlagwort kreativer Prozess auf Der Dilettant.

%d Bloggern gefällt das: