i’m glad you came to say hello

November 7, 2018 § 6 Kommentare

Die amerikanische Malerin Amy Sillman sagt, „dass Malerei einfach auch meine sexuelle Vorliebe ist“. Dem schließe ich mich an. Vorliebe heißt ja nicht, dass es die einzige Liebe sei. Zum Beispiel ist meine weitere sexuelle Vorliebe das Klavierspielen. Und dort treibe ich es zur Zeit insbesondere mit Schubert. (Gefährliches Terrain übrigens. Nicht nur, weil Friedrich Gulda auf die Frage, warum er nicht mehr Schubert spiele, – also: spielte, denn er ist ja nun schon tot -, – und auch nicht in dem Sinne, dass er Schubert gespielt habe und nun nicht mehr, nachdem er gestorben war,  denn als er gefragt wurde war er ja noch nicht tot, – also in dem Sinne, warum er nicht öfter Schubert spiele,  antwortete, dann könne er sich ja gleich erschießen. Nein, Schubert selbst widmete sich seinen diversen sexuellen Vorlieben so intensiv, dass sein syphilitisches Leben schon nach kurzer Zeit vorbei war. Seine Musik ließ er dafür um so länger dauern, und komponierte z. B. den genialsten Schluss einer Sonate ever, worüber demnächst an dieser Stelle zu lesen sein wird. Hier gilt’s der Malerei, und da wollte ich eigentlich nur zeigen, dass Sex, also Malerei, nicht nur Arbeit ist:

im glad you came to say hello

i’m glad you came to say hello

i’m glad you came to say hello. Pencil auf iPad auf Acryl auf Kalenderblattrückseite.

 

Klammer zu.

 

P. S. Zitiert wird Frau Sillman mit obigen Worten in der Süddeutschen Zeitung – richtig: der Wir-rauben-Ihnen-den-Atem-Automobilzeitung – von gestern.

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Pöppel, das ruckelnde Gehirn, ein kreatives Eigentor und der Hinterausgang zur Musik

Oktober 21, 2018 § 4 Kommentare

 

Heute Mittag hörte ich im Radio ein Gespräch mit dem Neurobiologen Ernst Pöppel. Sein Thema unter anderem die Zeit und wie wir sie wahrnehmen. Nämlich keineswegs als Kontinuum, sondern in Schüben. Etwa 20 Millisekunden braucht das Gehirn, um sich aus der Fülle an Sinneseindrücken ein Bild zu machen. Und drei Sekunden konstituieren in etwa die Einheit, die wir mit „jetzt“ umschreiben. So lange sind auch in der Regel die kleinesten musikalisch sinnvollen Einheiten, die Motive, und auch gesprochene Verse dauern in etwa so lange. Klingt für mich plausibel, denn wer einmal versucht hat, mit dem Auge ganz langsam einer Bewegung zu folgen, wird bemerken, dass die Pupille dazu gar nicht in der Lage ist. Sie kann sich nur ruckhaft bewegen. Diese winzigen Päuschen von der Bewegung braucht das Gehirn wohl, um sich ein Bild zu machen. Was wir als Bewegung erleben, setzt sich also aus Bildern zusammen. Dazu passt auch, dass ich (vielleicht geht’s anderen ja genauso) bildhafte Erinnerungen stets als Standbild vor meinem geistigen Auge sehe, niemals in bewegten Abläufen. Das Gehirn ist also „getaktet“. Wie ein Motor. Oder wie ein Computer. Die Kontinuität nur eine Sinnestäuschung. Ich hatte schon immer den Verdacht, dass Menschen und der Computer eine gemeinsame Basis, einen Urgrund teilen. Hören wir Menschen natürlich nicht so gern. Dünken wir uns doch etwas besseres … Aber dies sollte eigentlich nicht Thema dieses Blogbeitrags werden, sondern das da:

 

Arbeitstisch

hier sieht man nämlich einen Ausschnitt meines Arbeitstisches. Es ist angerichtet. Die Instrumente stehen bereit. Leider aber ist kein Platz für das zu malende Bild…

 

Hier dagegen sieht’s schon besser aus:

Klavier

Alles ist gerichtet, die Tasten in Reih‘ und Glied, das Notenheft aufgeschlagen, eine milde Sonne streift die Szene – die Musik kann beginnen, kontinuierlich strömen, Pöppel ist längst vergessen. Schubert, übernehmen Sie…

Wo bin ich?

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