Generation Instagram III

Juli 10, 2019 § 10 Kommentare

 

insta4insta5insta6insta7insta8insta9insta10insta12insta13insta14insta11insta16insta15insta17

 

Auf Instagram feiern die Menschen ihre große und kleine Welt. Sie posaunen ihre Fotos hinaus ins Netz in einem verzweifelten Versuch, alles festzuhalten – sich selbst, die Schönheit der Dinge, ihre Träume, ihr Smartphone, ihr Essen als Trophäe eines Daseinskampfes, der so leicht geworden ist wie nie zuvor seit Menschen um ihr Dasein ringen. Sie konkurrieren umeinander im Wissen um ihr Scheitern, ihr Nachsehen, ihre Endlichkeit. In einem lesenswerten Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 22.6.2019 schrieb Philipp Bovermann über die Inszenierungen auf Instagram:

Die blühenden Rosen, die anscheinend unberührten Landschaften, aber auch das eigene Mittagessen, alltägliche Dinge verwandeln sich für den melancholischen Betrachter in Stillleben, in Zeugnisse der Vergänglichkeit. Sie vor Augen lässt sich die Natur betrauern, aber eben auch der Mensch, der dumme, kleine Mensch, der nun mal nicht aus seiner Haut kann und der mit dem Klimakollaps ebenso vom Untergang bedroht ist wie alle Tierarten.“

Denn kein Deus ex machina wird uns retten, aus diesem Theater.

Werbeanzeigen

Generation instagram II

Juni 30, 2019 § Ein Kommentar

 

Gruppe wölkef

 

(hier ging‘s los mit der Serie)

Generation instagram

April 8, 2019 § 11 Kommentare

 

Man zeigt sich.

(Schön die traute Zwiesprache mit dem eiphone, oder in den Vordergrund auskragende Gliedmaße…)

In Positur und anderswo (II)

März 11, 2019 § 2 Kommentare

Faule Menschen haben’s schwer. Ich z. B. bin zu faul, meinen Kohlestift anzuspitzen, sodass ich mit immer mehr Kraft und Brachialraffinement dem Papier die Kohle eintreiben, oder – anders herum – dem Stift die Kohle abpressen muss. Unnötig zu sagen, dass die feine Linie vor der rohen Kraft oft genug in die Knie geht, mäandert, wegrutscht, oder sich gar nicht erst materialisiert und nur Einkerbungen Spuren des Gewaltexzesses hinterlassen. Im Grunde ist das mein Ringen mit der Figur, dem Abbild dessen, was in der Natur so leicht und locker daher kommt, auf dem Papier aber wegrutscht. So offenbart sich ästhetisch im Ergebnis der Prozess. In moralischer Hinsicht leiste ich Abbitte dafür, dass jeder aufs Papier gebrachte schöne weibliche Körper – in Posen zumal, die gewisse Reize zur Schau stellen, sie geradezu zu Markte tragen und damit durch implizierte Ökonomisierung abwerten – die abgebildete Person kastriert. Man verzeihe mir diesen schiefen Vergleich, aber doch kommt es mir so vor, dass eine auf ihre Sexualmerkmale reduzierte Frau sich ähnlich fühlt muss wie ein Mann, den man seiner Potenz beraubt – nur eben mit umgekehrten Vorzeichen. Sei‘ drum. Am Ende gibt’s dann etwas Farbe auf die erkratzten Linien. Zum Trost.

Pose wljePose pwoePose wlPose qpwoPose ljfPose lbjfPose oiuPose qpoPose pwe

 

Über das Leben im knisternden Scheiterhaufen

Januar 29, 2019 § 15 Kommentare

Walter Benjamin zufolge wohnt jedem Portrait Trauer inne, da es den Tod des Portraitierten antizipiert. Das Portrait verlängert die abgebildete Person über den Tod hinaus und zeigt daher mit dem Finger auf das Ende. Ist das Portrait gealtert, weit über den Tod des Abgebildeten hinaus, kehrt sich die Trauer in Trost: das Leben war nicht vergeblich, das fortdauernde Bild kündet späteren Generationen vom Wirken eines Menschen, es dokumentiert: hier hat Einer gerungen, hier hat Eine gelitten. Auch in der verbreitetsten Ausprägung des Portraits der Jetztzeit, dem Selfie, steckt Trauer. Im naiven Bemühen um Eingang ins Digital-Ewige hinein, im Wunsch, dort eine neue Heimat zu finden, wo die Vergänglichkeit alles Materiellen aufgehoben scheint. Schaut man in die Instagram-Welt, glotzt die globale Vanitas-Fratze zurück. Alles eitel und nichtig. Und ein Fest. Ja, ein großes Fest. Und dazu legen wir unsere Lieblingsplatte auf, spielen die immer gleiche Stelle, bis sie knistert wie ein Scheiterhaufen. So ist’s drüben im Studio Glumm nachzulesen, in diesem fulminanten Text über das schöne, gefährliche Leben.

insta lkjtinsta blgjdinsta ölujtinsta wlljsinsta qldkjinsta ljgrpinsta qlglsdkjinsta ljoiuopinsta lgeje

insta wls

selbst rauchend

Mit einem Luther-Zitat und weiteren Instagram-Bildern ins Wochenende

Dezember 8, 2018 § 8 Kommentare

Las ich neulich, der VW-Konzern will seine Produktpalette verschlanken. Elektroautos entwickeln und mehr SUWVs bauen. SUWVs? Diese fetten Dinger, wo doch der Verkehr zunimmt, die innerstädtischen Straßen verstopfen, Autobahnstau sowieso, die Parkhäuser nicht nachwachsen und immer weniger Platz (zum Parken) ist? Klar, VW baut was die Leute wollen. Und warum wollen die spritfressende SUWVs, bei drohender Klimakatastrophe und Verkehrskollaps? Nur scheinbar ein Widerspruch, denn nur die wenigsten von uns haben auf der Agenda, das Große Ganze voranzubringen. Die meisten richten sich ein und machen’s sich dabei so gemütlich wie möglich. Wenn also schon im Stau stehen, dann doch bitte schön komfortabel. Wie sagte schon Luther? Ein Auto ist unsre feste Burg? Ach ne, quatsch – (immer dieses Zitieren aus dem Kopf, geht doch meist schief) – Ein feste Burg ist unser Auto, so hat er’s gesagt.

 

insta_jlmdinsta_jlkyinsta_jqnjiinsta_jpjiinsta_juhiinsta_jpwjiinsta_jlksdinsta_jlkdinsta_joxkinsta_joginsta_ksjd

Paare

Dezember 3, 2018 § 4 Kommentare

Auf Instagram sind wir alle gleich. Ob eine berühmt ist, gerade einen Grammy gewonnen hat und zwei Millionen Follower auf dem Buckel, oder ein Nobody mit zwei treuen Anhängern – alle teilen sie sich das gleiche Format, haben die gleichen Möglichkeiten, sind gleich gut erreichbar. Zwar erkennt man Unterschiede, Grade von „Professionalität“ der gemachten Aufnahmen. Das aber fällt nicht ins Gewicht. Das stets gleiche Format schärft den Blick für das je Besondere. Bisweilen wird’s arg schräg  – neulich geriet ich beim Stöbern an Schönheitschirurgen. Einer macht das immer gleiche Foto mit Siegesdaumen und Honigkuchengrinsen umringt von OP-Schwestern, ein anderer präsentiert die Körper seiner Opfer mit aufgezeichneten Schnittmarkierungen. Aber hey, wer nicht selber ein bisschen plemm-plemm ist im Kopf, der werfe den ersten Stein! Und dann das Bedürfnis, sich als Paar zu zeigen. Das fand ich so anrührend, dass diese kleine Serie entstanden ist:

 

insta-paar dkjgsinsta-paar lbkjvinsta-paar qljiinsta-paar lkgj

 

Wo bin ich?

Du durchsuchst momentan Beiträge mit dem Schlagwort instagram auf Der Dilettant.

%d Bloggern gefällt das: