Ein Frauenbildnis, von unterwegs

Oktober 19, 2017 § 6 Kommentare

 

Die Bahn lebt, trotz Mehdorn. Sanft schaukelnd, einmal von Nordost nach Südwest die Republik querend zieht der ICE seine Bahn, begleitet von milde das Land betupfenden Sonnenstrahlen. Der frühmorgendliche Nebel ist bereits Geschichte, ebenso die kleine Irritation ob der ausgefallenen Reservierungsanzeige, deren Ausbleiben ja nur lästig werden kann dem, der sein Sitzplatzglück der Obhut höherer Mächte überlässt. Und was kann man nicht alles während einer solch längeren Bahnfahrt glücklich sitzend anstellen. Dösen, in die Landschaft schauen, in Büchern schmökern, die offenen Münder eingeschlafener Mitreisender zeichnen, schreiben, den Blog pflegen, Kaffee trinken, an seine Liebsten da draußen in der Welt denken – lieber dies als an den Geschicken der Menschheit da draußen (ver)zweifeln. Weil die Zeit des Reisens im Grunde nutzlose Zeit ist – allein dem Zweck von A nach B zu kommen geschuldet, wird sie frei und damit Gewinn.

 

Auf meiner letzten Reise hatte ich übrigens Station in Frankfurt am Main gemacht und die Bonnard/Matisse-Ausstellung im Städel gesehen. Da waren viele Menschen zwischen und vor den Bildern, und wieder einmal wurde mir bewusst, wie wichtig beim Betrachten von Bildern Erholungszeiten für das Auge sind. Verweilt das Auge nämlich zu lange auf dem Bild, sieht es nur noch Matsch. Jedenfalls war ich doch so angefixt vom Farbenrausch dieser Malerei, dass ich zuhause sämtliche Acryltuben und -flaschen an den Start brachte und nach einer längeren Phase des Zeichnens neuerlich in die Vollen ging. Neben dem Schönberg von neulich entstand so u. a. obiges Frauenbildnis.

 

 

 

 

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Makabre Weltschau mit suchenden Kranichen

Februar 18, 2017 § 8 Kommentare

Freies Wlan im ICE – nicht, dass ich’s gebraucht hätte um wie gewohnt die Vorzüge einer gepflegten Bahnfahrt zu genießen. Ist es aber mal da, nehme ich es gern in Anspruch und poste hiermit on the fly from Berlin to Südhesse. Gestern noch einer fulminanten Aufführung von Ligetis Le Grand Macabre in der Philharmonie beigewohnt, dieser sehr aktuell scheinenden Oper über einen im Vollrausch verpassten Weltuntergang. Trotz allen Klamauks am Ende doch Beklemmung über den Zustand einer Welt, in der, um nur einen Aspekt herauszugreifen, Pressekonferenzen des mächtigsten Mannes eben dieser Welt im Format einer Realityshow daherkommen (nebenbei: wir wussten in den achtziger Jahren, als die Einführung des Privatfernsehens in der BRD diskutiert und von der CDU durchgedrückt wurde natürlich schon, welch schlimmen Folgen dies für die Selbstwahrnehmung einer Gesellschaft haben würde, hätten uns d i e s e s Ausmaß aber nicht vorstellen können.) Ligetis Musik hingegen, allzumal auf diesem allerhöchsten Niveau dargeboten – hinreißend. Und so entließen die Singenden (hm… Sängerinnen und Sänger) das Publikum hinaus in die Welt:

 

Fürchtet den Tod nicht, gute Leut‘!
Irgendwann kommt er, doch nicht heut‘!
Und wenn er kommt, dann ist’s soweit…
Lebt wohl so lang in Heiterkeit!

 

 

Kraniche

 

 

 

 

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