Natur und Kunst

April 3, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Über Ostern mit der Bahn nach Chemnitz – Besuch der Conrad-Felixmüller-Ausstellung – und weiter mit der vom Aussterben bedrohten Erzgebirgsbahn – wo man noch so schöne Sätze hört wie „Bedarfshalt. Zum Aussteigen bitte JETZT Haltewunschtaste betätigen“ – nach Olbernhau. Aus der als Frühjahrswanderexkursion geplanten Reise wurde kurzerhand ein nachgereichter Winterurlaub. Herrlich. Schon die Zugfahrt nach Leipzig ließ an meinem Auge eine Welt vorbeiziehen, die ein gnädiger Gott großzügig mit der Puderzuckerbüchse bestreut hatte. Hoch gestimmt nahm ich die entgrenzte und aller Schmuddeligkeiten enthobene Welt da draußen wahr. Allerdings glaube ich nicht ganz normal zu sein, denn umgeben bin ich von Menschen, die in letzter Zeit ob jeden erneuten Schneefalls aufstöhnten. Und das nicht vor Lust. Dabei gibt es nichts Schöneres als Schnee. Wenn er da ist. Es gibt auch nichts Schöneres als lau temperierte, mild riechende Frühlingsluft. Wenn sie da ist. Und am Schönsten ist ein heißer Sommertag, der sich urlaubenderweise bereits am Nachmittag mit einem kühlen Glas Weißwein zelebrieren lässt. Alles zu seiner Zeit wohlgemerkt. Glück ist, hab ich grad gelesen, nicht alles zu wollen und vor allem nicht sofort.  Sehr wohl bewusst bin ich mir der sozialhygienischen Bedeutung geselligen Klagens. Meckern ist der Stuhlgang der Seele. Aber einer muss ja den Spielverderber geben. Ich tu’s gern. Und schweife ab. Im Erzgebirge wanderte ich durch tief verschneite Landschaften und trotze der Kälte immerhin ein paar Skizzen ab:

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Hier der Blick auf Olbernhau-Grüntal, mit Eisenbahnbrücke und Cafe Hüttenmühle, da gibt’s leckere Torten und in der angeschlossenen Pension ein warmes Zimmer mit Bett, Stuhl und Tisch. Die sympathische Wirtin bereitet ein leckeres Frühstück und ertrug tapfer meinen zugegebenermaßen etwas speziellen Humor. Sie wußte nämlich zu berichten, dass in dem beschaulichen Örtchen allerhand Polizei unterwegs sei auf der Such nach Crystal, das in dieser Grenzregion in größeren Mengen an Jugendliche verkauft würde. Woraufhin ich meinte, da müsse man sich ja wenigsten, wie andernorts auf dem Lande,  keine Sorgen machen dass die Jugend abwandert. Ich wurde auf meinen Wanderungen auch nicht gefilzt. Wohl zu alt.

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Auf dem Rückweg widmete ich mich nochmal der wirklich sehenswerten Kunstsammlung in Chemnitz

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und in Zügen, auf Bahnhöfen und in Cafes gab’s ausreichend Gelegenheit für rasche Skizzen:

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Das triumphal lustvoll Erfahrbare

März 22, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Robert Pfaller

Robert Pfaller

Das ist Robert Pfaller. Er sieht nicht aus wie ein Philosoph, ist aber einer. Und zwar einer, der das Leben liebt. „Wofür es sich zu leben lohnt“ heißt das sehr erhellendes Buch des Wiener Professors, das ich im Moment lese. Passend zur Lektüre spendiert die Süddeutsche Zeitung in der heutigen Ausgabe ein Interview mit Pfaller. Er ist der Meinung, dass wir vor lauter Gesundheitswahn, Betroffenheitsintrospektion und „Be-yourself“-Parolen der Werbung zunehmend vergessen, wofür es sich eigentlich lohnt zu leben. „Den meisten Genüssen ist der Zahn gezogen, so dass wir…Schlagsahne vorzugsweise ohne Fett, Bier ohne Alkohol, Kaffee ohne Koffein, Sex ohne Körper etc. serviert bekommen.“ (S. 51) Dabei ginge es doch eigentlich darum, dem „Heiligen“ im Alltagsleben eine Form zu geben durch besondere, herausgehobene Momente, die die Normen des Alltags außer Kraft setzen.  Was sonst verpönt, ungesund, eklig oder gefährlich ist, wird im Zuge eines Beleuchtungswechsels „erhaben“ und erlangt einen Status, der dem religiöser Rituale vergleichbar ist. Dazu gehört ausdrücklich das „Biertrinken unter Freunden“. Jawoll. Und ich darf an dieser Stelle daran erinnern, dass bereits auf die Griechen eine segensreiche Erfindung namens  „Symposion“ zurückgeht, bei der es darum ging, unter Alkoholeinfluss gelehrige Gespräche zu führen.  Es griffe allerdings entschieden zu kurz, Pfaller den philosophischen Apologeten des Sex-and-Drugs-and-Rock’n’Roll-Lebensprinzips zu nennen. Denn das Einfordern des „guten Lebens“ bedingt die verantwortliche Teilhabe an allen Belangen des gesellschaftlichen Lebens und meint gerade nicht eine narzisstisch orientierte  „Spaßkultur“.  Wie scharf Pfaller Phänomene der Gegenwart analysiert zeigt sich auch an seiner Beobachtung, dass wir inzwischen von einer Kultur der Schönheit zu einer Kultur der Makellosigkeit übergegangen sind. Es reicht nicht mehr der Anschein von Schönheit, dessen Inszenierung, sondern man muss unters Messer. Dann doch lieber Malen:

Rückenakt Kohle

liegender Akt Kohle

Wo bin ich?

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