Sendeschluss. Ein launiger Nachruf.

März 27, 2019 § 11 Kommentare

 

Mit dem heutigen Tag endet mein persönliches Fernsehzeitalter. Nicht, dass ich ein besonders guter Fernsehteilnehmer gewesen wäre. Schon der Beginn stand unter einem ungünstigen Stern, waren doch meine Eltern der Meinung, Fernsehen hemme die kindliche Entwicklung und mache dumm. [Anmerkung, Stand jetzt: stimmt ja auch. Aber so what – mit einem gewissen Maß an Dummheit sind wir schließlich alle gesegnet, und es kommt, wie stets im Leben, auch hier auf das rechte Maß an.] Während also meine Spielkameraden bereits eifrig fernsahen, musste ich ein paar Jahre warten, bis meine Eltern sich dem Lauf der Zeit beugten und die erste Flimmerkiste anschafften. Nun kam auch ich in den Genuss einer das weitere Leben prägenden medial-kulturellen Grundausstattung. In Erinnerung geblieben sind mir insbesondere die Serien Bezaubernde Jeannie, Daktari, natürlich Bonanza (Little Joe war meine erste große Liebe), und Arsene Lupin. Außerdem mochte ich Peter Alexander und sowieso die Ansagerinnen, deren stets verheißungsvolles Lächeln ein klarer Vorschein des Paradieses war. Irgend etwas am elterlichen Vorbehalt hatte sich aber in mir eingenistet, und so blieb mein Verhältnis zur Flimmerkiste gestört. Nie schaffte ich mir ein eigenes Gerät an; es war, wenn überhaupt, immer nur dann eines da, wenn ein lieber Mensch es in einen gemeinsamen Haushalt eingebracht hatte. So hat sich bis auf den heutigen Tag in meinem aktuellen Haushalt ein Gerät erhalten, das in den 90iger Jahren das Licht der Welt erblickte, und dessen Tiefe ungefähr der doppelten Bildschirmdiagonale entspricht. Sorgenvolle Mienen gelegentlicher Besucher entspannen sich erst, wenn ich bemerke: er kann schon Farbe. Allerdings war da vor Jahren dieser Freund, der sich partout nicht mit meinem Fernseher abfinden wollte und mich in ein längeres Gespräch über die Vorzüge zeitgemäß dimensionierter Flachbildschirmtechnologie verwickelte. Ich argumentierte eine Weile dagegen – die Größe des Bildschirms verhielte sich letztlich ja umgekehrt proportional zum Abstand des Betrachters, ließe sich also beliebig justieren, sagte ich zum Beispiel, oder ich pries die Qualität der guten alten Röhre – um mich am Ende auf genau jene Sturheit zurückzuziehen, auf die es für uns alle schlussendlich hinaus laufen wird – den würdevollen Altersstarrsinn. Nun gebe ich gerne zu: das macht mir dann sogar Spaß, und ich pflege die ein oder andere Schrulle, schon um der Mitwelt etwas zum Lästern zu geben. Manchmal denke ich dabei aber auch an meinen Vater, der sich einem in der Straßenbahn die Fahrscheine kontrollierenden Schaffner gegenüber einmal mit einem trockenen „wuff!“ vernehmen ließ. (Für jemanden, der mit sechzehn von der Schulbank weg vor die Flak gezerrt wurde, dann die besten Jahre in Kriegsgefangenschaft zubrachte und schließlich sein jüngstes Kind im Straßenverkehr verlor, durchaus eine Möglichkeit, den alltäglichen Irrsinn zu kommentieren.) Die Röhre jedenfalls tut seit vielen Jahren zuverlässig ihren Dienst, und zwar immer Sonntags um viertel nach acht zum Tatort. Das reicht völlig, um mein Unterhaltungsbedürfnis zu befriedigen. Weiter gehende Erwartungen an das Medium waren mit Einführung des „Privatfernsehen“ Ende der Achtziger ad acta gelegt worden. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass der Tatortgenuss in letzter Zeit gelegentlich durch leichten Schneegriesel gestört wurde, was aber irgendwie zur aufkommenden Spannung mit beitrug. Und so hätte das munter weitergehen können, hätte ich nicht neulich Post von einer mir unbekannten Firma bekommen, die mich per Hauspostwurfsendung auffordert, bei der Umstellung auf digitalen Empfang mitzuhelfen. Andernfalls bliebe der Bildschirm schwarz. Ah, dachte ich, die mediale Hölle droht, ewige Finsternis, die Totalabschaltung. Ja bin ich denn Jesus? Helfen? Alles hat seine Zeit, Damen und Herren, und für mich ist damit die Zeit des Fernsehens vorbei. Mach’s gut, alter Kasten!

[Nachtrag 20:00 Uhr: wie ich soeben feststelle, ist der Bildschirm gar nicht schwarz, sondern flimmert in schwarz-grauen Pünktchen vor weißem Hintergrund. Alles totale Panikmache, mal wieder!]

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Der männliche Blick

April 19, 2013 § 2 Kommentare

Dreh- Fix- Angel- Ausgangspunkt, kleinster gemeinsamer Nenner, Anfang und Ende aller Malerei ist der weibliche Körper. Wahrscheinlich, weil die Welt schon immer durch die männliche Brille betrachtet wurde. Und was sieht der Mann? Die Frau. Die Frau sieht natürlich auch den Mann, aber sie hatte ja nix zu sagen, zu malen oder sonstewie zu veräußern. Und gerade jetzt ist die Geschlechterdiskussion mal wieder so richtig entbrannt. Nach Brüderle nun die Dänen, die sich eine „Talkshow“ leisten, in der zwei Männer live eine nackte Frau betrachten und darüber reden, wie es ihnen so mit dem Anblick ergeht. Begründung: wenn Männer nicht mehr über nackte Frauen reden dürfen, droht die „Schwanzlose Gesellschaft“. (Siehe Artikel in der  Süddeutschen Zeitung von heute „Bei Dänen peept’s wohl“) Wird Zeit, den Planeten mit Erdähnlichen Lebensbedingungen zu entdecken, damit man bei Zeiten woanders sein Glück versuchen kann… Bis es soweit ist, sollte man sich malenderweise eigentlich unverfänglichen Themen zuwenden, oder doch nicht?

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