Zwischenbemerkung in eigener Sache, nebst Fortsetzung der Instagram-Serie

Dezember 2, 2018 § 11 Kommentare

Mit zunehmendem Alter versteht man, warum alte Menschen so sind wie sie sind. In jungen Jahren verstand man das eher nicht. Das ist wohl auch richtig so, denn irgendwoher muss die Energie kommen, um die Dinge im Fluss zu halten. Und junge Menschen mit dem Wissen der Alten zu belasten, bremst diese Energie. So gesehen bestünde die Weisheit des alten Menschen darin, sich Schlupflöcher, Nischen und stille Winkel zu suchen, um dort unbehelligt dem anstehenden Tagesgeschäft nachgehen zu können, während links und rechts die Jugend vorbeistürmt. WordPress nervt derzeit mit einem aufpoppenden Banner „A new Editor ist coming to level up your layout. Mehr erfahren? Nein, danke! x“ Meine Nische ist der alte Editor, der mich in Ruhe das machen lässt, wozu ich WordPress nutze. Was er mich nicht machen lässt, brauche ich nicht. Die Jugend darf gerne ihr Layout aufbrezeln, oder auch sich als Testvieh am Ring durch die Manege des Silicon Valley ziehen lassen. 

 

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Ausschnitt aus Bild Nr. 7, stark vergrößert:

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Auf den Hintern gekommen. Eine Polemik

November 27, 2018 § 6 Kommentare

hintern

In der aktuellen Ausgabe des Magazins der Süddeutschen Zeitung findet sich ein Artikel zum Thema Hintern. Drehte sich früher in einschlägigen Heftchen alles um weibliche Brüste, so jetzt um den Hintern, so der Autor. Aus dem Bauch heraus kann ich das bestätigen. Und es brachte mich auf einen Gedanken. Es gibt ja diese Theorie, wonach im Laufe der Evolution beim Übergang vom Tier zum Mensch Zuge der Etablierung des aufrechten Ganges das Hinterteil eines potentiellen Sexualpartners aus dem Blick geriet, und ersatzweise die weibliche Brust als Hauptattraktionsmerkmal des Weibchens installiert werden musste. Demnach wäre es gewissermaßen Alleinstellungsmerkmal des Menschen unter allen Lebewesen, dass das Männchen, so es sich denn für das Weibchen sexuell interessiert, die weibliche Brust feiert. In der Tat finden sich in Dichtung und Malerei quer durch die Jahrhunderte unzählige Beispiele dafür. Wenn jetzt aber der Hintern als Blickfang die weibliche Brust wieder ablöst, so bewegten wir uns dieser Theorie gemäß evolutionär im Rückwärtsgang, also buchstäblich zurück auf alle Viere. Peng!  – machte es da, und mir fiel’s wie Schuppen von den Augen. Früher ging es ja stets darum, dem Menschen Disziplin, Fleiß, Ordnungssinn beizubringen. Er sollte arbeiten, notfalls auch willig in den Krieg ziehen, sich jedenfalls nicht zu sehr amüsieren, was Moral und Gehorsam zu zersetzen drohte. Dies in die Köpfe der Menschen zu pauken wurden Obrigkeit und Kirche nicht müde (selbstverständlich ohne mit gutem Beispiel voranzugehen – warum sollten einige wenige arbeiten, wenn viele dies schon taten.) Heute aber soll der Mensch nicht mehr arbeiten, sondern konsumieren. Und um ihm dies beizubringen, gibt es Werbung. Und zwar total. Auf allen Kanälen. Seit Privatfernsehen, spätestens aber seit Internet auch als Geschäftsmodell. Die Werbung ermöglicht nämlich das Umsonst-Model. Nix bezahlen, dafür Werbung gucken. Das verdirbt, mal ganz abgesehen von den psychohygienischen Kollateralschäden, auch ganz generell die Moral. Wenn nämlich alles umsonst zu haben ist, erfordert es keinen Aufwand. Was, nebenbei bemerkt, uns bereits durch die Sprache eingehämmert wird. „Hol dir das neue iphone“. Von wegen: „Kauf dir…“. Dass es sich um einen Kaufvorgang handelt: Ware gegen Geld, verschleiert schon die Sprache. „Holen“ wie atmen. Aber nicht als Kaufvorgang, als „besonderer“ Moment. Und jetzt kommt der Hintern. Wie nämlich funktioniert Werbung? Über Manipulation. Und Manipulation zielt nicht auf die Ratio, sondern auf die Emotion. Je gefühliger, desto manipulierbarer, desto konsumbereiter. Und was erregt uns am meisten? Wo ist die Verführbarkeit am größten? Richtig. Wo also frühere Obrigkeiten durchaus Ratio und Vernunft im Menschen ansprachen, wenn sie an dessen Bereitschaft zu arbeiten appellierten, so sprechen die heutigen Eliten nurmehr Gefühl und Trieb an. Denn nur auf dieser Ebene wird der Mensch zum Totalkonsumenten. Freilich ist die Obrigkeit hier eine zweiköpfige Hydra. Den Kaufdruck übt ja die Wirtschaftselite aus, während die Politik durchaus noch die Arbeitsbereitschaft einfordert. Nur eben nix dafür tut, dass der Mensch die dafür notwendigen Voraussetzungen – Konzentrationsfähigkeit, Ausdauer etc. – auch erwerben kann. Der moderne Mensch wird von der Politik in die Zange aus Kaufen und Arbeiten genommen, und soll selber sehen, wie er damit zurecht kommt. Und wer jetzt denkt, ich würde die Werbung für alles verantwortlich machen, der hat Recht. Die Werbung ist an allem Schuld. Selbst das Erstarken rechtspopulistischer Tendenzen durch die sozialen Netzwerke fußt auf dem Geschäftsmodell Werbung. Die hängt nämlich an hohen Klickzahlen, die wiederum generiert werden durch Algorithmen, die eigens so programmiert werden, dass emotionalisierende Inhalte beim Surfen nach oben gespült werden. Da feiern dann Verschwörungstheorien aller Art fröhliche Urständ‘. Ganz legal. Ach leck mich doch im …

Der Atombombeneffekt

Oktober 1, 2016 § 2 Kommentare

inferno

Die Schweizer Künstlerin Miriam Cahn beschäftigte sich in den achtziger Jahren mit dem Thema atomare Bedrohung und malte dazu farbenfrohe Aquarelle. „Wuuunderschöne Aquarelle. Sind aber Atombomben Das nenne ich immer den Atombombeneffekt.“* Der Mensch siedelt das Schöne gerne beim Wahren und Guten an. In Wahrheit jedoch liegen Ästhetik und Moral quer zueinander. Bereits im 18. Jahrhundert entstand die Kategorie des „Erhabenen“, in der das Schauerliche, Bedrohliche in seltsamer Schönheit erstrahlt. Will man sich nicht auf moralisch gefährliches Terrain begeben, beschränkt man die Wahrnehmung des Erhabenen auf Naturphänomene, wo Schöpfungskräfte gigantisch wirken, ohne dass Menschen dafür als Urheber ausgemacht werden könnten. Sinneswahrnehmungen und die Empfänglichkeit für Schönes fußen aber fest im biologischen Urgrund des Menschen und sind taub für Errungenschaften der Zivilisation. So lässt sich ein Atompilz ob seiner makellosen Schönheit bewundern, und gewalttätige Auseinandersetzungen, in die man im echten Leben lieber nicht hineingezogen werden möchte, prangen Ölglänzend von Museumswänden, zur Ergötzung aller Kunstliebhaber. Zweifellos, das Schreckliche fasziniert, und vielleicht ist ja die Bannung der Begegnung mit dem Schrecklichen durch Kunst – von den Jagdszenen auf Höhlenwänden  bis zu Cahns Atombildern – der entscheidende Schritt für den Übergang vom Hominiden zum Mensch. Sozusagen die Antwort auf seine Empathiefähigkeit, ohne die er sich evolutionär nicht so weit hätte entwickeln können.

*Miriam Cahn, Auf Augenhöhe. Kiel 2016. S. 17

Wo bin ich?

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