Warum nur ist das Zeichnen so schwer

Juli 8, 2012 § 2 Kommentare

frage ich mich oft – ist doch alles, was man zeichnen möchte, gut sichtbar vor den eigenen Augen ausgebreitet! Wer sagt, er könne dies oder jenes nicht abzeichnen, dem sage man doch mit Fug und Recht: schau nur genau genug hin, es ist ja alles zu sehen! Allerdings scheint es so zu sein, dass der Mensch im Laufe der Entwicklung zum ausgewachsenen Exemplar seiner Gattung gerade nicht lernt, genau hinzusehen. Die Lust daran wird ihm sogar gründlich vermiest, indem beim optischen Vermessen der Welt einfach nur Muster im Gehirn abgelegt, gelernt und wiedererkannt werden. Aber nun hat das Ganze ja evolutionsbiologisch einen Sinn, so dass man ausrufen muss: Gott sei Dank ist das so! Wie sollten wir unseren Alltag meistern, Gefahren schnell erkennen und abwehren, wenn permanent Millionen optischer Reizpunkte gescannt und ausführlichst betrachtet werden müssten? Also: Gut fürs Überleben, schlecht für die Kunst. Und was folgt daraus für den eifrigen Zeichenschüler? Verstand abschalten, nicht Denken (das macht das Zeichnen für mich persönlich auch so angenehm erholsam), statt dessen einfach hinschauen und sich aufs Linienspiel einlassen (also nicht denken: das ist eine Nase etc.). Wobei wir aber schon beim nächsten Stolperstein dieser so vertrackten Angelegenheit sind. Wo ist denn die Linie? Was wir mit den Augen wahrnehmen, wurde zuvor ja nicht (aufs Papier) gezeichnet, sondern ist nur Licht – mal mehr, mal weniger, und das in unterschiedlicher Intensität sprich: Farbe. Die Linie ergibt sich am ehesten dort, wo starke Kontraste auftreten. Hell/dunkel oder farblich oder beides. Leider haben wir es in der Realität mit einem fließenden Kontinuum zwischen Null Kontrast und maximalem Kontrast zu tun. Wo also mit dem Stift zur Linie ansetzen, wo aufhören? Da kommt wohl die Kreativität ins Spiel, die Handschrift, Persönlichkeit des Zeichners. Gut so! möchte man ausrufen, denn nichts langweiliger und beleidigender für das ästhetisch geschulte Auge, als wenn der bemitleidenswert emsige Zeichner so feinpusselig an den Übergängen herumschattiert, dass am Ende die exakte Kopie einer, sagen wir mal: Fotografie, herauskommt. Man sollte ja nicht vergessen, dass das Auge des Betrachters kreativ und bereitwillig all das ergänzt, was der Zeichner – sei es aus Faulheit, sei es aus Schläue -weglässt. (Da sind wir wieder bei den Mustern im Gehirn, die nur angetriggert werden müssen, um aktiv zu werden) Merke: die Kunst des Zeichners ist die Kunst wegzulassen. Weglassen ist aber genauso schwer wie einfach mal nichts sagen. Das schaffen nur die Meister. Unsereins muss sich mit Tricks behelfen: Wecker stellen. Anzahl der Striche von vorneherein limitieren. Aufhören wenn’s am Schönsten ist (ganz schwer: aufhören weiterzuzeichnen bedeutet ja, das schöne Bildchen loszulassen, zu entlassen in eine Welt, die es vielleicht gar nicht zu würdigen weiß…) Während der Fahrt in meine alte Heimat, plus Abstecher an die Ostsee zwecks Freundschaftsreaktivierung habe ich jedenfalls fleißig gezeichnet. Und zwar, während langer Zugfahrten, am lebenden Objekt. Da braucht’s den schnellen Strich. Und ich habe festgestellt: der erste Wurf ist es – oder eben nicht. Langes Herumdoktoren und Zurechtkorrigieren bringt nix. So sieht’s aus:

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Mai 26, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Nicht immer entwickeln sich die Dinge wie wir es erwarten…

…auch wenn das Leben manch schönes Linienspiel bereit hält:

Und weil es immer schön ist als Paar durchs Leben zu gehen noch ein letztes Bild für heute.  Klaus Lemke schießt seine Filme aus der Hüfte. Ohne Staatsknete.  Keine Ahnung, ob die was taugen, aber als Münchener Gewächs liegt er der Süddeutschen Zeitung am Herzen, weswegen man ihn als regelmäßiger Leser dieser Zeitung häufig zu Gesicht bekommt. Und als Vorlage für das ein oder andere Bild taugt er immer. Hier also an der Seite seiner Darstellerin Saralisa Volm:

Schöne Pfingsten.

Selbst ist der Dilettant

April 26, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

und allein.

Kugelschreiberbildchen

März 6, 2012 § 2 Kommentare

Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn in der Engel Ordnungen?

Februar 16, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

 

Ein Mann sitzt auf einer Bank. Die Aussichten sind nicht rosig. Der Tod hat sich zu ihm gesetzt und schmiegt sich an ihn. Fast sind sie ein glückliches Paar.

Kugelschreiberbildchen

Februar 15, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Der gemeine Wald-und-Wiesen-Kugelschreiber dient wohl eher selten professioneller Kunstausübung. Dem dilettierenden Zeichner aber ist er stets zur Hand, muss weder angespitzt noch eingetaucht werden und lässt sich  ungemein flexibel und willig übers Papier führen. Die Linie diminuiert oder crescendiert nach belieben und gelegentlich unkontrolliert hervortretende Entladungen an Kugelschreiberflüssigkeit wirken stets belebend. Hier ein paar aktuelle Beispiele:

Der alltägliche Wahnsinn

Februar 4, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Kopf

Kopf

Es ist sicher banal zu sagen, dicht unter der Oberfläche alltäglicher Vertrautheit schlummert der Wahnsinn. Manchmal bedarf es nur einer unbedarft falschen Bewegung, einer harmlos anmutenden Weichenstellung, einer plötzlichen Irritation – und das Harmlose kippt ins Schreckliche. Jegliche Form von Wahrnehmung entsteht erst im Gehirn, auf dichtestem Raum, und so ist die Möglichkeit solchen Umkippens auch nicht weiter verwunderlich. Es gibt viele solcher Phänomene, meist harmlos. Jedes geschriebene Wort, lang genug betrachtet, verliert seine Vertrautheit. Jede Positivform kann im Bruchteil einer Sekunde in die Negativform kippen, Lust in Schmerz etc. Schlimm, wenn das Gehirn aus dem Takt gerät. Wenn uns Angst nicht mehr schützt, sondern auffrisst. Als ein von der Leine sich losreißenden Wachhund. Dann kippt alles Positive ins Negative. Beim Malen ist es oft auch nur eine winzige Verformung, die das Gesicht zur Fratze verzerrt. Und je größer das Format, desto größer die Überraschung, die man beim Malen erlebt. Vertieft ins Malen begreife ich nicht, was da entsteht. Erst mit einem Glas Wein aus der Küche zurückkehrend, fällt der Blick unvoreingenommen auf das Machwerk. Und da der Dilettant nicht Pygmalion ist, verliebt er sich nicht in sein Produkt sondern erschrickt zu tiefst.  Trost spenden alsdann die gewohnt kleinen Formate:

Wo bin ich?

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