Paris Teil drei

Juni 17, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

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Dieser Herr stand vor mir in der Schlange wartender Menschen, Einlass begehrend in die Orangerie am Rande der wunderbaren Tuilerien. Drinnen setzt sich die Gartenlandschaft in Gestalt großartiger Seerosenpanoramen von Monet fort. Dann zwei sehr schöne frühe Picassos, expressive Arbeiten von Soutine und – wieder ein van Dongen, diesmal in Öl. Mehr davon – immerhin zwei Gemälde – gab’s dann überraschenderweise in der ständigen Ausstellung des Centre Pompidou, diesem fantastischen Monolith inmitten der pulsierenden Stadt. Im Grunde das, was der Berliner Palast der Republik nach der Wende hätte werden können, hätten ihn verspätete Kalte Krieger in Siegerpose nicht der Abrissbirne preisgegeben. Ein Jammer, der noch jammervoller wird angesichts des Schlossneubaus, der in offizieller Sprachregelung ja nicht mehr Schloss heißt sondern Humboldtforum, was ihn einer nachvollziehbaren Begründung nicht einen Jota näher gebracht hat. Zumal die Humboldtschen Tagebücher, die man in einer der vielen Schlosskammern ja hätte zeigen können, längst außer Landes geschafft wurden und jetzt für ein Geld wieder zurück gekauft werden müssen, von dem man das Schloss gleich wieder abreißen kann. Könnte, falls neue Machthaber dereinst wieder andere Werte setzen. Wo war ich doch gleich? Ach ja, im Centre Pompidou. Da kann man nämlich zwischen zwei Bildern den Blick immer wieder hinausschweifen lassen über die Dächer von Paris. Eindeutig das schönste der bis dato von mir in Paris besuchten Museen.

Frauenkopf im Quadrat

Hatte ich schon geschrieben, dass mich das heftig rotierende neue Daft Punk Album in so einen Zustand dauerzart-säuselnden Deliriums versetzt, hart an der Grenze zur Lebensuntüchtigkeit? Ich lehne Drogen ja ab, weil da das Vorkassenprinzip sträflich vernachlässigt wird – Motto: fly now pay later. Aber hey, wo steht geschrieben, dass Musik verboten ist?

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Paris Teil zwei

Juni 14, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Am nächsten Tag stand das Musee d’Orsay auf dem Programm. Ob der dort versammelten Impressionisten mindestens so beliebt wie der Louvre, aber logistisch nicht so durchgearbeitet so dass dort ein wenig Schlangestehen angesagt war. Einmal drin fällt sofort die Bahnhofsarchitektur auf, der das bunte Besuchertreiben absolut entspricht. Von der großen Bahnhofshalle aus geht es dann rechts und links in die verdunkelten Seitensäle und Kabinette, die ein buntes Sammelsurium an  Malerei, Kunsthandwerk und Plastik bieten. Überraschenderweise hängen dort aber nicht nur impressionistische Preziosen, sondern opulente und zum Teil ins Riesenhafte gesteigerte Schinken der französischen Staatskunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Das lockert diesen Museumsbesuch natürlich ungemein auf, denn was dort an Altherrenkitsch und bedeutungsfummelnder Pseudoheroik zu sehen ist, spottet ob der unfreiwilliger Komik jeder Beschreibung. Ich versuch’s dennoch an zwei Beispielen. Ein Herr William Bouguereau nennt einen Schwarm nackter, ineinander verwobener und sich Richtung Himmel verabschiedender Frauenleiber, schön weiß mit zart rosa leuchtenden Popos gemalt, „Les Oreades“. Ich habe 32 Leiber gezählt, und das sind nur die unmittelbar sichtbaren. Mehr oder weniger verdeckt kommen sicher noch mal so viele dazu. Betrachtet wird diese Fleischesapotheose von zwei Satyrn. Bestimmt gibt’s da einen mytologischen Hintergrund, ich glaube aber nicht, dass es darauf noch ankommt. Das zweite Bild ist noch lustiger. Es heißt „Le chevalier aux fleurs“, womit schon fast alles gesagt ist, außer dass – natürlich – auch hier allerlei nacktes Fleisch gemalt wurde. Nur entschwinden diesmal die Frauen nicht den Männerblicken, sondern umranken den mittig aufrecht in blitzeblanker Rüstung stehenden Ritter. Unnötig hinzuzufügen, dass er die Frauen, Blumen gleich, eine nach der anderen „pflücken“ wird. Wann durften je abgeschmackte Männerfantasien so ungeniert bombastische Urständ‘ feiern? Wohl nur am Vorabend des Ersten Weltkriegs, der ja dann das Resultat von Chauvinismus, Nationalismus, Kolonialismus und sonstigen maskulinen Größenwahns wurde. Schwamm drüber. Schließlich fand ich in weiteren Sälen meinen geliebten Edouard Vouillard (der wohnte zeitlebens mit seiner Mutter zusammen und malte eigentlich immer nur diese großbürgerlichen Interieurs, aber so offen, luftig, scheinbar improvisiert dass man erst bei längerer Betrachtung des Tapetenmusters die kleine Frau entdeckt, die in einer Ecke still mit einer Näharbeit beschäftigt ist…), ich entdeckte Fernand Khnopff, der mit dem Portrait einer sitzenden Frau vertreten ist, einen Holzfäller von Hodler, schöne Bonnards und – ja endlich-  eine winzige Zeichnung von Kees van Dongen. Aber da schob mich das freundliche Personal schon Richtung Ausgang. Im dritten Teil gehts dann um die Orangerie und das Centre Pompidou.

Und dieses Bild habe ich gemalt bevor ich meine aktuelle Glückspille, das neue Album von Daft Punk Random Access Memories, entdeckte:

selbst mit großem auge

Wo bin ich?

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