Das Ziel ist im Weg

Mai 31, 2017 § 10 Kommentare

Wärend die meisten Menschen damit beschäftigt sind, Hürden aus dem Weg zu räumen, tut eine Minderheit das genaue Gegenteil. Sie räumt Steine in den Weg und legt dadurch ein erstaunliches schöpferisches Potential frei. Von der Band Talk Talk [Mark Hollis, zum Teufel, wo steckst du eigentlich?] ist überliefert, wie sie einmal mit dem Spiel ihres Keyboarders unzufrieden war und daraufhin beschloss, seine Finger zu tapen. Tapen im Sinne von: die Finger der rechten Hand mit Klebeband zusammenbinden. Das verleitete (Haha, Euphemismus: er konnte ja nicht anders!) den Keyboarder zu einer wunderbar reduzierten, inspirierteren Melodieführung. Woraus folgt, dass man sich mitunter ein Bein stellen muss, um voran zu kommen. Das Nächstliegende, Einfache weil Gewohnte, Schnell Belohnung Versprechende etc. will gewaltsam ausgehebelt werden. Das bedeutet auch: die Angst vor Fehlern, vor dem Scheitern darf ins Positive gewendet werden,  ja sogar: der Fehler ist willkommen. Nie vergesse ich den Rat meines (Lieblings)(Jazz)Klavierlehrers Andreas Schmidt: wenn du beim Improvisieren einen Fehler machst, eine „falsche“ Note spielst, wiederhole sie an jeweils gleicher Stelle, und sie wird „richtig“. Für mein Erforschen menschlicher Physis und Physiognomie nach Maßgabe skulpturaler Schöpfungen nehme ich gern „benutztes“ Papier und arbeite z. B. gegen Schrift, oder auch gegen eigene Setzungen (davon später mehr).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ein Wort zum lieben Gott

Mai 23, 2017 § 5 Kommentare

So lieb ist der liebe Gott nun auch wieder nicht, dass er dem, der keinen Inhalt hat, die Form schenkt.

Alfred Hrdlicka

 

 

 

 

Keines meiner Pigmente ist so durchsetzungsstark wie Oxidrot. Am besten, man überlässt ihm das Feld, allenfalls moderiert durch großzügige Dreingabe von Weiß und Cadmiumgelb. Auch so ein Brechermineral.

(Aus dem Bode-Museum: ein Krieger von Schlüter und eine Caritas-Figur)

Herkules erschlägt Kakus

Februar 2, 2017 § 2 Kommentare

An vielen Orten der Welt herrschen Krieg, Gewalt, Unterdrückung. Aber die Welt ist auch das, was wir zivilisiert nennen. Jedenfalls in den reichen Industrieländern und vielen, auch ärmeren Länder der Erde.  Wenn man will, kann man die Geschichte des westlichen Abendlandes der letzten 2000 Jahre als eine Entwicklung hin zur Zivilisation verstehen. Als das allmähliche Herausbilden und Durchsetzen geordneter Regeln im Umgang mit Konflikten, die aus dem Aufeinandertreffen unterschiedlicher Interessen resultieren. Verhandeln statt zuschlagen, salopp vereinfacht. Die diesen Prozess begleitende Kulturgeschichte hält in ihren Themen aber an einer gewalttäigen, ja blutrünstigen mythologischen Welt fest. Mehr noch: sie feiert sie geradezu und malt sie in den schillerndsten Farben aus. Als fände hier eine Verlagerung statt, ein Bannen des Fluches. Motto: Kann ich mir ein Bild davon machen, beherscht es mich nicht mehr. Oder wie Nitzsche es formulierte: In der Kunst bewundern wir, was wir im Leben nicht aushalten würden. So wird aus einem Gang durch eine Gemäldesammlung schnell ein Trip durch’s Horrorkabinett. Freilich nehmen wir das meist nicht so wahr, denn was es ins Museum geschafft hat, und über teils Jahrhunderte dort hängengeblieben ist, siedelt in einer Sphäre geistiger Hochkultur, der wir beinahe reflexartig unterwürfig  begegnen. (Lieber nicht nachdenken möchte man darüber, was es eigentlich bedeutet, wenn regelmäßig von Vergewaltigung bedrohte Frauen, notdürftig kaschiert als mythologische Gestalten, in verführerischsten Posen unseren (männlichen) lüsternen Augen dargeboten werden.) Die Staatlichen Museen Berlins besitzen eine Figurengruppe von Pierre Puget, die in geradezu angsteinflößender Expressivität darstellt, wie Herkules den Viehdieb und Outlaw Cacus erschlägt. Die Komposition bietet von allen Seiten unerschöpfliche Nahrung fürs Auge. Einige Ansichten habe ich mit dem Pinsel in Tusche nachgezeichnet:

 

 

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(P. S. Ein verbaler Draufschläger, mit übermenschlichen Kräften prahlend, hat gerade das Weiße Haus bezogen. Behaupte mal einer, geschichtliche Prozesse seine irreversibel)

 

 

Wo bin ich?

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