Der Marathonläufer

Februar 27, 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

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beethoven lässt sich malen, zugleich achter Versuch

Februar 12, 2018 § 2 Kommentare

Ich liess mich am frühen Morgen bei ihm melden. Seine alte Haushälterin liess mich wissen, dass er bald kommen würde, er wäre noch beim Frühstück, hier wären aber Bücher von Goethe und Herder, womit ich mich unterdessen unterhalten möchte. Endlich kam Beethoven und sagte: „Sie wollen mich malen, ich bin aber sehr ungeduldig“. Er war schon sehr taub, und ich musste ihm, wenn ich etwas sagen wollte, dasselbe entweder aufschreiben oder er setzte das Rohr an, wenn nicht sein Famulus (ein junger Verwandter von etwa 12 Jahren) zugegen war, welcher ihm dann die Worte in das Ohr schrie. Beethoven setzte sich nun, und der Junge musste auf dem Flügel üben, der ein Geschenk aus England war und mit einer grossen Blechkuppel versehen war. Das Instrument stand ungefähr 4 – 5 Schritte hinter ihm und Beethoven corrigierte dem Jungen, trotz seiner Taubheit, jeden Fehler, liess ihn Einzelnes wiederholen etc. … Nach ungefähr 3/4 Stunden fing er an unruhig zu werden; nach dem Rathe Dont’s wusste ich nun, dass es Zeit sei aufzuhören…*

Das Original des Ölbildes, das der Maler August Karl Friedrich von Kloeber anhand von Skizzen, die während mehrerer Sitzungen 1817 entstanden, gemalt hatte, ist verschollen. Der Bericht Kloebers über seine Begegnung mit beethoven vermittelt aber einen Eindruck von den Schwierigkeiten, diesem damals bereits in ganz Europa berühmten Mann ein Bildnis „abzuringen“. Zudringliche Paparazzis und das seltsame Verhalten öffentlichkeitsscheuer Promis sind nämlich keineswegs eine Erfindung unserer medienverseuchten Gegenwart. Aus ganz Europa reisten damals sensationslüsterne Touristen und Gaffer nach Wien und in die umliegenden Badeorte, um, wenn schon nicht persönlich zu ihm vorgelassen zu werden, wenigsten einen Blick auf den hochberühmten aber skurrilen Mann während einer seiner notorischen Wanderungen werfen zu können. An gut gemeinten Verhaltensratschlägen hierfür wurde nicht gespart. Nochmal Zitat Kloeber:

Bei meinen Spaziergängen in Mödling begegnete mir Beethoven mehrere Male… Dont hatte mir gesagt, dass, wenn ich ihm so begegnen würde, ich ihn nie anreden oder bemerken sollte, weil er dann verlegen oder gar unangenehm würde.

Desgleichen der Verfasser eines Nekrologs nach beethovens Tod 1827 in der Dresdener Abendzeitung:

nicht mehr wird der Wanderer aus der Ferne, wenn es ihm gelungen [!], die seltsame, aber anziehende Erscheinung [beethoven] unbemerkt zu betrachten, oder wenn diese, die Gegenwart des Fremden gewahrend, plötzlich in die noch tiefere Einsamkeit verschwunden ist, sinnend seinen Weg fortsetzend.

Einmal in seinem Leben unterzog beethoven sich der Prozedur der Abnahme einer Gesichtsmaske. Anhand dieser formte der Bildhauer Franz Klein seine beethoven-Büste:

 

beethoven. Nach der Büste von Franz Klein

 

 

* Leipziger Allgemeine Musikalische Zeitung vom 4.5.1864

** zitiert nach: Erinnerungen an Beethoven. Skizzen. Zeichnungen. Karikaturen. Erläutert von Silke Bettermann. Bonn 1987.

 

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