analog – digital. Vom Maltisch in den Blog

August 31, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Um zu zeigen, was ich allabendlich so vor mich hinmale/zeichne, könnte ich ein Bild jeweils in einen Ausstellungsraum hängen und die Welt zur Besichtigung hereinbitten. Mache ich aber nicht. Stattdessen digitalisiere ich das Blatt und schicke es in millionenfacher Ausfertigung hinaus in die Welt. Ein Gedanke, der mich gleich zu Beginn meiner Bloggerei fasziniert hat. Mit einem im Verhältnis zum Effekt praktisch nicht messbaren Aufwand sind meine Bilder für Millionen von Menschen mittels eines Klicks erreichbar. Das ist dem Gedanken vergleichbar, der mich neulich spontan überkam, als ich rücklings am Ostseestrand lag und in einen nur leicht zartweiß umwölkten blauen Himmel blickte: ich schaue ins Unendliche. Da ist nichts zwischen mir und dem Ende des Universums. Das Blau des Himmels ist ja nicht eine Decke, ein Zeltdach oder so, sondern genau das, was vom Unendlichen sichtbar ist.

Aber ich schweife ab…Der Clou an der Sache mit der Erreichbarkeit ist natürlich, dass es de facto ja (fast) niemand macht. Es bleibt das Faszinosum der schieren Möglichkeit. Nun aber zum eigentlichen Thema. Was passiert beim Übergang vom Analogen zum Digitalen? Diese Frage stellt sich zwangsläufig, wenn ich ein Bild einscanne oder abfotografiere und dann auf dem PC-Bildschirm betrachte. Mal konkret. So sieht der Typ aus, den ich gestern in Acryl im Format 60×40 gemalt habe, nach dem Abfotografieren:

Das korrigiere ich dann routinemäßig mittels Nikon Capture:

Da lässt sich also einige machen. Muss man auch, denn es soll ja so aussehen, wie auf Papier. Aber bei welcher Beleuchtung? Der PC-Bildschirm ist ja wie Dia, das leuchtet doch ganz anders als Papier, das Licht ja nur reflektiert. Was mich an die Berliner Ausstellung „Gesichter der Renaissance“ vom letzten Jahr erinnert. In dramatisch abgedunkelten Räumen wurden die Gemälde so angestrahlt, dass sie schon Kraft des Kontrastes aufblitzten wie Kleinode. Eine Inszenierung, die für meinen Geschmack nicht nur der Breite des anvisierten Publikums geschuldet war (neuerdings spricht man ja von „Bustouristen“ – siehe die Diskussion um die Berliner „Rochade“), sondern auch eine Referenz an unseren mittlerweile LCD-verwöhnten Blick. Wie also lässt sich das Papierbild getreu digitalisieren? Gar nicht. Bei der Überführung ins andere Medium findet die Manipulation statt – so oder so. Und wenn schon Manipulation, dann doch auch gleich Verfremdung:

Oder Variation:

Der digitalen Bildbearbeitung sind, wie jeder weis, keine Grenzen gesetzt. Noch ein paar Beispiele. Ausgangspunkt jeweils eine meiner Zeichnungen/Bilder:

Das interessante an dieser (sehr einfachen weil lediglich kontrasterhöhenden + Farbverschiebenden) Manipulation ist, dass latent im Bild angelegte Strukturen verstärkt werden und den Malprozess auf eine Weise sichtbar machen, wie es die Betrachtung des Originals nicht oder nur sehr schwer ermöglicht. (Man denke da nur an Analysemethoden, die bei der Erforschung historischer Gemälde zur Anwendung kommen). Es entsteht zudem eine Körnigkeit und Körperlichkeit, die Ausdrucksintensivierend wirken kann. Aber auch Effekthascherisch. Teufelszeug. Fluch digitaler Plebejestizierung (Entschuldigung). Wo früher hochbezahlte und teuer ausgebildete Spezialisten in aufwendigen Verfahren Drucke herstellten, bekommt heute jeder Laie die Möglichkeit, per Mausklick ähnliche Ergebnisse zu erzielen. Nur dass er nicht über die Geschmackssicherheit des Profis verfügt. Aber was soll’s – in diesem Zeitalter leben wir! Bücher werden ja auch nicht mehr lektoriert… Und weil’s Spass macht hier noch ein paar Beispiele digitaler Manipulation:

Letztere kommt der Papierversion am nächsten.

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