Das Kreuz mit dem Schloss

Juli 31, 2017 § 11 Kommentare

 

 

Früher. Stand da ein Schloss inmitten Berlins. Immer schon, war auch niemand groß gefragt worden, war einfach da. Saß der Kaiser drin und beschützte von dort aus die Welt. Na gut nicht die ganze, aber doch nicht wenig davon, z. B. bis runter nach Südwestafrika. Wollte dann mehr davon, überhaupt bisschen mit den Muskeln spielen, gabs ein Hauen und Stechen mit den anderen, ging dann leider schief. Große Enttäuschung, kamen andere und wollten es der Welt mal so richtig zeigen. Ging noch schiefer, alles kaputt, Trümmer. Das Schloss stand noch, allerdings ramponiert, so dass wieder andere, die diesmal alles richtig richtig und mit dem ganzen im Schloss geherrscht habenden Ungeist ein für alle mal Schluss machen wollten das Ungetüm kurzerhand abrissen. Bauten einen Palast stattdessen, für die einfachen Leute, denen nun alles zugute kommen sollte, ging auch wieder schief. Stand der richtige Palast nun im falschen Land, musste auch abgerissen werden. Und nun: Wiese, weite Fläche, viel Luft, Platz für Leute, Nachdenken, Entspannen, Warten, Utopie, Nichts. Großartige Sache. Dumm aber für die Mächtigen, die sich vor Vakuen fürchten,  gerne Haufen setzen, vorzugsweise aus Stein oder heutzutage aus Beton. Musste viel Beton her, und, ganz wichtig, Schloss von außen, weil irgendwie schön und dann aber bitte auch mit Kaiser drin. Bis jemand merkte, dass es keinen mehr gab. Was also rein? Anderen Helden, am besten älter weil besser vermittelbar in schließlich aufgeklärten Zeiten. Die Brüder von Humboldt, Alexander von Humboldt insbesondere, guter Mann, sogar total beliebt in Lateinamerika. Und was in der Welt an Insignien von beschützten Potentaten und überhaupt allerlei schmuckem Zierat so zusammengeklaubt worden war, soll nun unter dem Sigel einer weltumarmenden FriedeFreudeEierkuchenShow dem Volk präsentiert werden. Wurden eilends drei Häuptlinge zusammengetrommelt als da wären der bereits über eine Fälschung übel gestolperte Kunsthistoriker Horst B., der Judoka im Amt des Preußenpräsidenten Hermann P. und der englische Deutschlandversteher Neil M. Könnten ja nun ein bisschen Aufklärung zu Art und Umstand des „Erwerbs“ der auszustellenden Objekte in die Show einbringen, dachte so manche. Iwo. Kein Platz für lange Texte an der Wand, Volk zu dumm, überhaupt Schloss zu klein für zu viel Info. Regte sich Unmut, sprang Häuptling Horst B. in die Bresche, immer diese deutsche Rumnörgelei, außerhalb Deutschlands herrsche Begeisterung über das Projekt. Ha! – Steilvorlage: Betonklotz zersägen,Teile auf Kähne zur Spree hinunterrollen und ab damit in die weite Welt, die sich schon die Finger leckt danach. Hugh.

 

P.S. Wer etwas zu sagen haben will, muss die Berechtigung dazu immer von oben, am besten ganz oben bekommen. Letztlich von Gott, weil drüber ist keiner. Heute nicht mehr, weil Geld alleine reicht. Aber früher. Drum bekam das Schloss vom Kaiser eine Kuppel spendiert, mit einem Kreuz obendrauf, damit in Zeiten, nämlich dem 19. Jahrhundert, wo das nicht mehr jedem klar war, weithin sichtbar war, dass der Kaiser sein Recht auf Tyrannei von Gott hatte. Jetzt ist die Kuppel wieder da, muss also auch das Kreuz wieder drauf. Leider kapiert nicht jeder, dass heutzutage, wo wir Geld statt Gott haben, das Kreuz Folklore ist, also nix mehr bedeuten soll. Jedenfalls nicht das Schlimme von früher (Kreuzfahrer etc.) sondern nur das Gute (Nächstenliebe etc.)

 

Foto: Historische Aufnahme vom 28.04.2008:  Palast der Republik

Abschied

Januar 8, 2017 § 3 Kommentare

Gleich nach dem Frühstück durch den Park und über tief verschneite (endlich!) Nebensträßchen rüber nach Dahlem geradelt. Einen letzten Blick in das dortige Museum – schönes Beispiel sachlich eleganter Nachkriegsarchitektur (Architekten Fritz Bornemann und Wils Ebert) – und auf die Exponate der ethnologischen und asiatischen Sammlungen geworfen, bevor diese in einen Betonklotz nach Mitte ziehen, dem man, damit er nicht friert, das Mäntelchen eines preußischen Schlosses umwerfen wird. Sofern sich dafür genügend Sponsoren finden. (Andernfalls hätten wir dann eben einen zweiten Flughafen, und die Erkenntnis, dass Großflughäfen und Großschlösser, wie ja auch Großbahnhöfe andernorts, offenbar nicht mehr in die Zeit passen)

 

Steinplastik der Maya, Tusche und Gouache auf chinesischem Papier

Steinplastik der Maya, Tusche und Gouache auf chinesischem Papier

Paris Teil drei

Juni 17, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

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Dieser Herr stand vor mir in der Schlange wartender Menschen, Einlass begehrend in die Orangerie am Rande der wunderbaren Tuilerien. Drinnen setzt sich die Gartenlandschaft in Gestalt großartiger Seerosenpanoramen von Monet fort. Dann zwei sehr schöne frühe Picassos, expressive Arbeiten von Soutine und – wieder ein van Dongen, diesmal in Öl. Mehr davon – immerhin zwei Gemälde – gab’s dann überraschenderweise in der ständigen Ausstellung des Centre Pompidou, diesem fantastischen Monolith inmitten der pulsierenden Stadt. Im Grunde das, was der Berliner Palast der Republik nach der Wende hätte werden können, hätten ihn verspätete Kalte Krieger in Siegerpose nicht der Abrissbirne preisgegeben. Ein Jammer, der noch jammervoller wird angesichts des Schlossneubaus, der in offizieller Sprachregelung ja nicht mehr Schloss heißt sondern Humboldtforum, was ihn einer nachvollziehbaren Begründung nicht einen Jota näher gebracht hat. Zumal die Humboldtschen Tagebücher, die man in einer der vielen Schlosskammern ja hätte zeigen können, längst außer Landes geschafft wurden und jetzt für ein Geld wieder zurück gekauft werden müssen, von dem man das Schloss gleich wieder abreißen kann. Könnte, falls neue Machthaber dereinst wieder andere Werte setzen. Wo war ich doch gleich? Ach ja, im Centre Pompidou. Da kann man nämlich zwischen zwei Bildern den Blick immer wieder hinausschweifen lassen über die Dächer von Paris. Eindeutig das schönste der bis dato von mir in Paris besuchten Museen.

Frauenkopf im Quadrat

Hatte ich schon geschrieben, dass mich das heftig rotierende neue Daft Punk Album in so einen Zustand dauerzart-säuselnden Deliriums versetzt, hart an der Grenze zur Lebensuntüchtigkeit? Ich lehne Drogen ja ab, weil da das Vorkassenprinzip sträflich vernachlässigt wird – Motto: fly now pay later. Aber hey, wo steht geschrieben, dass Musik verboten ist?

Wo bin ich?

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