Abgerutscht. Dritter Riffian-Splitter

Juni 17, 2018 § 2 Kommentare

Ich fiel nicht hinein. Aber doch fast. Dabei sind ja Menschen schon zu Tode gestürzt beim Fotografieren. Schrammte mir bloß die Schienenbeine auf und ward einmal mehr meines Schutzengels gewahr, der es für meinesteils bei ein paar harmlosen Blessuren beließ während er die kleine Kamera sogar trotz ordentlich Spritzwasser und dem seitlich abrollend sich überschlagenden Träger gänzlich verschonte. Als ich nach der Schrecksekunde, die Kamera auf jeden Fall verloren wähnend, allmählich realisierte, ohne Brüche oder Prellungen davon gekommen zu sein, fiel mein Blick auf das unbekümmert weiter sendende Display der Kamera – eine Botschaft aus dem Jenseits, so schien es mir für den Moment. Aber alles Irdische ist Prosa, und so lobe ich mir die gute Wertarbeit japanischer Ingenieure. Grenzen freilich wurden aufgezeigt der Nostalgie, derzufolge ich noch immer in den Wanderschuhen meines Vaters laufe – Wertarbeit aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts und somit einer Zeit, als Qualität ein auf die Zukunft gerichtetes Vorhaben war anstatt in die Vokabel „nachhaltig“ hinein entsorgt zu werden. Fahrlässigerweise, denn in einigen Löchern des praktisch nicht mehr vorhandenen Profils der Sohle führe ich Steinchen des bereits letzten Wanderurlaubs spazieren. Als Nostalgie in der Nostalgie. Gewissermaßen. Dies also hätte leicht die letzten Bilder der Kamera werden können, als dann freilich aber auch schon nicht mehr sichtbare:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Sesselwärts. Zweiter Riffian-Splitter

Juni 12, 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

 

 

Dreihundert Höhenmeter schafft man pro Stunde. Sagt man. Wer schneller, und weniger schweißtreibend Höhenluft gewinnen will, findet in den Alpen allerorten Gondeln. Sind aber unbefriedigend, weil irgendwie Betrug. Außerdem wartet man auf die nächste Fahrt, steht im Pulk, macht sich überhaupt gemein mit der Masse, der man doch gerade Bergwandernd entfliehen will. Gibt aber noch den guten alten Sessellift. Man sitzt sofort auf, wird persönlich auf den Weg gebracht – und schwebt alsdann leicht schaukelnd, nahezu geräuschlos, bloß vom leichten Summen des Drahtes begleitet, bergan. Weinreben kitzeln die Füße, duftendes Nadelholz streift die Finger, Heu steigt in die Nase und mit dem entschwindenden Tal fällt Alltag ab. Alle paar Minuten kreuzt unten das serpentierende Sträßchen. Und wem das Glück zuteil wird in dem Moment auf ein Auto zu treffen, der spuckt der stinkenden Blechkröte aufs Dach.

Hinauf. Erster Riffian-Splitter

Juni 11, 2018 § 2 Kommentare

 

 

Zeit in den Bergen. Immer schön. Wollte ich rauskriegen, warum eigentlich, müsste ich tief in meine Kindheit zurück. Mythisch besetztes Land. Es passiert ja stets in den Bergen, oder auf See. Niemals aber im flachen Land. Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses. Da ziehen sich die gepeinigten Indianerstämme in die Berge zurück, dort sind sie sicher vor der US-Armee. Überhaupt Flucht. Wer hinauf steigt, entflieht der Zivilisation. Je unwirtlicher das Gelände, je steiler die Hänge, desto eher entzieht sich die Natur dem Zugriff des Menschen. Und lässt uns an ihrer Erhabenheit erschauern. Das lese man mal nach bei den ersten Alpentouristen im 18. Jahrhundert. Bei Goethe beispielsweise. Die Kosten dieser frühen alpinen Erkundungen waren freilich hoch, man riskierte etwas. Heute gibt’s die Alpen light. Aber eben doch elementar. Wenn das Gewitter aufzieht, die Schwerkraft über Leben und Tod entscheidet, die Almhütte schon geschlossen…

 

Gipfelblick

August 31, 2017 § 11 Kommentare

Rauhejoch, 2925m, 31.08.2017, 12:54

Becco di Filadonna, 13 Annäherungen

August 26, 2017 § 8 Kommentare

Unterhalb der Felswände im Gestrüpp des Steilhanges verlor sich der Weg, der uns auf die Spitze des Becco di Filadonna hätte führen sollen. Erst im zweiten Anlauf Tags darauf erwischten wir den gut markierten Wanderweg und erreichten den Gipfel. Berge sind nichts weiter als eine Anhäufung von Gesteinsmassen. Dennoch fällt es schwer, nicht in eine personifizierende Sprache zu fallen um zu beschreiben, was sie auslösen. Eine Woche verbrachten wir im Angesicht der Silouette des Becco di Filadonna südlich von Trient. Vom Balkon unseres Ferienhauses ging der Blick über den Lago di Caldonazzo direkt hinüber zum Gebirgsmassiv. Versenkt man sich in den Anblick, lässt einen das Ausmaß schlummernder, der Schwerkraft abgetrotzter Gewalt erschaudern. Zugleich begeistert die Vielfalt filigraner Linienführung, das Wechselspiel von Vegetation und erodiertem Stein im wandelnden Tageslicht.

 

 

Ein abgebrochener Kirschbaum und ein Aufbruch in die Berge

August 17, 2017 § 8 Kommentare

Sitze ich am Küchenstisch und blicke zum Fenster hinaus, sehe ich ein Stück Dachfirst, rötliche Ziegel, Baumwipfel und Himmel. Ob der luftige Höhe komme ich mir ein wenig wie auf einem Hochsitz im Wald vor, inmitten der großen Stadt freilich. Als ich heute morgen, Restschlaf in den Augen, ans Küchenfenster trete, ist etwas anders. Ein Loch, ein riesiges Loch, so viel ist klar. Aber was genau fehlt? Schließlich dämmert mir das ganze Elend. Von der alten, wunderlich verzweigt gen Himmel auskragenden Kirsche fehlt ein Hauptast. Das teilweise sichtbare Flatterband auf dem Rasen unten weist das Unglück bereits amtlicherseits als ein solches aus. Dabei war nicht mal Sturm heute Nacht. Später treffe ich den Hausmeister im Hof, der den gewaltigen Ast bereits portioniert hat, aber darauf besteht, das alles so bleibe bis der Baumbegutachter sich die Sache angesehen hat. Hoffentlich muss der Baum nicht gefällt werden, denke ich, breche ein kleines Zweiglein vom Teilast ab und radle zur Arbeit. Mein letzter Arbeitstag, übrigens. Denn – Damen und Herren, geneigte Leserschaft! – morgen geht’s erstmal zum Wandern in die Ostalpen. Nach Jahren der Erholungssuche an den Gestaden der Ostsee und des Mittelmeers ein überfälliges Vorhaben. Schließlich sind Berge nicht dafür gemacht, blöd in der Gegend rumzustehen, sondern sie wollen bewundert und begangen werden. Genießen Sie den reifen Sommer, laben Sie sich am üppigen Grün, bleiben Sie mir gewogen. Sofern ich mich nicht beim Aufstieg am Berg entmaterialisiere wie dereinst das Mädchen Miranda beim Aufstieg zum Hanging Rock in Peter Weirs genialem Erstlingswerk Picnic at Hanging Rock melde ich mich beizeiten zurück aus dem Berliner Urstromtal. Stay tuned.

 

 

 

Wo bin ich?

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