Bereit zur Liebe, verurteilt zum Verzicht. In der Dunkelkammer des Philosophen

Dezember 27, 2012 § 2 Kommentare

Prof Sloterdijks Psychofotograf

Prof Sloterdijks Psychofotograf

In den Töpfen unserer professoral-intellektuellen Hochschulelite kocht so manch heißes Süppchen. Dankenswerterweise hat Herr Professor Sloterdijk den Deckel seines Topfes für uns ein wenig gelüftet. Seinen Notizen 2008 – 2011 „Zeilen und Tage“ entnehme ich, dass er am 25. April 2009 in einem Bistro eine schöne Frau in Rot bemerkt, und in ihr eine Wesensverwandte jener Passantin wiederentdeckt, die Baudelaire 150 Jahre zuvor begeistert hatte. Den großen französischen Dichter als Kronzeugen im Gepäck, entwickelt Sloterdijk flugs eine Theorie des „Psychofotografen“: „…Vielleicht sollte man unsere Schönen daran erinnern, dass die alte Camera Obscura in der Männerpsyche noch immer die besten Bilder liefert – sie sollten auch wissen, dass die Bilder besser entwickelt werden, wenn sie dem Mann in der Dunkelkammer ein wenig helfen [!] Wir dürfen sicher sein, verstünden sie das, sie würden uns als die willigsten [!!] Modelle entgegen kommen. Zu den Geheimnissen des Verhältnisses zwischen Frau und Auge gehört der Umstand, dass Frauen fast nie wissen, welches das Auge ist, in dem sie am meisten leuchten. In ihrer Unwissenheit fallen sie auf das erstbeste Objektiv herein.“ (S. 176 f. Ausrufungszeichen von mir) Hat je ein Intellektueller herzzerreißender um die Gunst weiblicher Zuwendung gebuhlt? Und wurde jemals das Dilemma intellektueller Potenz minus physischer Ausstrahlung anschaulicher beschrieben? Gerne will ich durch diesen Artikel einen bescheidenen Beitrag dazu leisten, dass sich die Kunde von den Qualitäten unseres Psychofotografen unter den Schönen dieses Landes verbreiten möge. Als alter Skeptiker freilich frage ich mich, mit welcher Berechtigung unser Philosoph eigentlich aus der Tatsache, dass die Schönheit erst im Auge des Betrachter entsteht, einen Besitzanspruch ableitet? Haben da hyperagile Hormone die intellektuelle Brillanz ein wenig getrübt? Hat die Biologie schnöde die Kultur ausgestochen? Vielleicht hätte unser Hobbypsychofotograf aber auch einfach Maler werden sollen. Deren Ateliers lieferten ja als „Dunkelkammern“ schon immer den Zugang zu „willigen“ Modellen. Oder wenigstens Dichter. So manche Schöne ließ sich durch hübsche Verse zur Gunstbezeugung überreden. Nur der Philosoph hat’s schwer. Zu gerne würde er seine Sprachkanone mal nicht ins mediale Weltrauschen hinein abfeuern sondern ganz bescheiden in den Dienst weiblicher Bedürfnisse stellen. Hätte unser „Weltallergiker“ (S. 187) doch einfach das Soziologenobjektiv herausgeholt und sich selber vor die Linse gesetzt: er hätte nüchtern einen Fall von „oversexed and underfucked“ konstatiert (so heißt das wohl, etwas unfein, heute)

Fazit: Alltagsnöte haben wir alle. Aber die wenigsten von uns finden dafür Worthülsen von solch eindringlich unfreiwilliger Komik. Schwamm drüber.

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