Anonym zeichnen

Juli 16, 2018 § 4 Kommentare

Anonym sammeln – das kennt man. Wer von denen, die auf einer dieser surrealen Veranstaltungen für Unsummen Kunst ersteigern, träte denn mit eigenem Namen ins Rampenlicht, anstatt sich hinter bietenden Handlangern zu verstecken? Und wer wäre denn bereit, eine dieser Unsummen für ein Bild auszugeben, dessen Maler unbekannt, womöglich ein No-name ist und auf den (noch) nicht die Scheinwerfer amtlicher Expertise gerichtet sind? Anonym zeichnen aber, dazu ruft das schöne Projekt Anonyme Zeichner von Anke Becker auf und öffnet damit den Blick aufs Wesentliche: das Bild und davor jemand, der es betrachtet und eine Entscheidung für oder gegen den Kauf trifft, ohne Rückhalt einer autorisierenden Instanz. Was gefällt m i r ? Was ist denn m e i n Kriterium für Qualität? Was bin i c h bereit zu wagen, zu investieren? Diese Fragen stellten sich womöglich die Besucher und Besucherinnen der Ausstellungseröffnung vergangenen Freitag, die – so höre ich – ein voller Erfolg war (über 1500 gezählte Besucher*innen!). Mich freut’s aus den besagten Gründen, auch freilich, weil ein Bruchteil der geballten Aufmerksamkeit auf meine kleine dort hängende Zeichnung fiel. Leider konnte ich der Veranstaltung nicht beiwohnen, freue mich aber schon spitzbübisch auf das Kunterbunt all der Zeichnungen, wie sie sich gegenseitig vertragen, beäugen, verdrängen oder einfach nur an einander erfreuen mögen. Bestimmt hat sich mein kleines Blatt mächtig aufgeplustert, um mithalten zu können. Noch zu sehen bis 19. September in der Galerie im Körnerpark in Berlin-Neukölln. Und ab Dienstag auch online auf der Seite des Projekts.

P. S. Obiges Bild hängt nicht in der Ausstellung – die Anonymität sei schließlich noch gewahrt – entstand aber jüngst, wie auch die folgenden Arbeiten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Nachlese

Juni 28, 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

 

Schon Geschichte. Der Blick von unserem Südtiroler Balkon in den Garten der liebevoll gepflegten Anlage:

Und was da so alles wuchs:

Auf dem Rückweg Zwischenstopp aufm Häuschen im Vogelsberg. Paar Äste abgesägt und so. Die Natur macht ja sonst was sie will.

 

 

Vierter und finaler Riffian-Splitter

Juni 19, 2018 § 2 Kommentare

 

Wo der Berg an den Himmel stößt formt sich die Linie und krönt die Szenerie ringsum. Ein unermüdliches Auf und Ab, Steigen, Fallen, Herabsenken, Hintanziehen, Überspannen und Gleiten, Werben und Zagen, Schmeicheln, Stocken, Kratzen Krachen Stürzen Verlöschen. Ziehen Wolken herauf und herab löst sich alles auf. Als wir das Passeiertal verließen standen Dampf und Regen an den Hängen. Statt Kontur, Maß und Grandezza Uterus und Plazenta, Ursuppe. Aus diesem höchst faszinierendem aber verkehrstechnisch ungünstigen Schlamassel heraus wählten wir den sicheren Umweg über Bozen. Anstatt, wie letztes Jahr, in 2500 Metern über N. N. in Sommerreifen über den einschneienden Pass zu rutschen. Jedes Abenteuer hat seine Zeit.

Schwaches Nachzittern so mancher Linie, hier und da mit etwas Volumen angereichert:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Meine Fichte

Mai 20, 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

 

Die majestätische Fichte vor meinem Küchenfenster wächst gelassen gen Himmel. Wir grüßen uns jeden Morgen wie zwei alte Bekannte. Ihre sanft schaukelnde Ruhe nehme ich mir zum Vorbild für den Tag, meine stille Bewunderung wiederum gibt ihr die Kraft für stetes  Ausharren. Sie dürfte so alt sein wie der Wohnblock, in dessen Innenhof sie steht, und überragt nach hundertährigem Wachstum die sie umgebenden Gemäuer um das doppelte. Von meinem Hochsitz im dritten Stock aus befinde ich mich in etwa auf Höhe des Bauchnabels. Sie ist eine echte Schönheit, und gerne würde ich sie malen. Aber das ist aussichtslos. Weder hätte ich die Geduld, abertausende Nadeln zu malen, noch dürfte ich je hoffen, mit drei vier schwungvollen Pinselstrichen die Essenz Ihro Majestät auf die Leinwand zu werfen. Und vielleicht gäbe sie auch gar nicht die Genehmigung. Mir scheint, sie ist ziemlich eitel und ließe keinesfalls einen Dilettanten wie mich an sie heran. Trotz der gutnachbarlichen Beziehungen. Ich bleibe bei meinenesgleichen. Köpfe und Körper. Zwei Augen, Nase, Mund, oder Rumpf zwei Beine zwei Arme – immer das gleiche. Das geht.

 

 

 

 

Nabelschau

Mai 19, 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

 

Der Mensch ist, wie alles was lebt, eine expanierende Spezies. Gut möglich, dass er, als Megaseller der Evolution, irgendwann über die Grenzen seiner eigenen Belastbarkeit hinaus expandiert. Dann könnte schon bald alles vorbei sein. Es lohnt also, noch mal genau hin zu schauen. Wer sind wir, und vor allem, wie sehen wir aus?

 

 

 

 

 

 

 

 

Aus der Zeit gefallen

Mai 7, 2018 § 6 Kommentare

 

Am vorgestreckten Arm das Smartphone, dessen rückwärtsgewandtes Auge schon nicht mehr interessiert. So wenig wie die Kippe, längst erloschen. Im Haar krümmt sich das Gebirge. Felsen, aus der Zeit gefallen. Nie sind wir so alt, wenn wir jung sind.

 

All die vielen Bilder …

Mai 3, 2018 § 9 Kommentare

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein neues Handy kommt mit drei eingebauten Kameras auf den Markt, lese ich in der Zeitung. Das Bedürfnis, Bilder von sich und der Welt zu machen scheint also ungebrochen. Ich stelle mir vor, dass es in nicht allzu ferner Zeit möglich sein wird, alles das, was in jedem Moment und an jedem erdenklichen Ort unseres Planeten optisch erfahrbar ist, aufzuzeichnen und abzuspeichern. Die optisch erfahrbare Welt wäre also nicht nur dupliziert, sondern gewissermaßen für alle Zeit eingefroren. Technisch als gigantöse Datensammlung auf Serverfarmen aufbewahrt, die sich krakenförmig durch’s Land fressen, duchpflügt und beackert von Künstlicher Intelligenz, die uns zu Statisten unserer selbst degradiert. Von der Warte dieser Künstlichen Intelligenz aus betrachtet krabbeln wir über den Planeten auf der Suche nach Nahrung und Sex, so sinnfrei, wie uns das planlose Umherschweifen von Insekten vorkommen mag. Ich für meinen Teil ziehe daraus die Lehre, fürs erste einen fliegenden Maikäfer mit mehr Empathie zu betrachten.

Wo bin ich?

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