Mit Tuschefüller und Skizzenbüchlein durchs Museum

November 13, 2017 § 8 Kommentare

 

 

 

 

(Mir gefällt an dem Tuschefüller, dass die Linie wirklich rabenschwarz, und sehr definiert auf dem Papier steht. Jeder Strich ein Statement, kein rumdaddeln oder wischiwaschi. Allerdings gerät der Tintenstrahl mit zunehmender Geschwindigkeit doch ins Schwitzen, will sagen, er beginnt zu stottern, und hier kommt die Nuance ins Spiel, die aber doch schwer zu kontrollieren ist, weil der Füller dann gerne ein wenig bockt. Seine Erfinder hatten ja auch nur Architekturentwürfe im Sinn, fein säuberlich mit Lineal und viel Zeit aufs feine Papier gearbeitet. Das Kolorit hab‘ ich zuhause nachgereicht.)

 

Advertisements

Orte der Kindheit

November 5, 2017 § 3 Kommentare

 

Wir begegneten uns zufällig am Ufer der Wutach zu Füßen des Räuberschlösschens und kamen ins Gespräch. Ich den Zeichenblock in der Hand, sie den Fotoapparat. Diesen Steg hier kannte ich noch gar nicht, meinte sie. Dabei war sie ein Kind des Schwarzwaldes, aufgewachsen keine 15 Kilometer entfernt, wie sie mir wortreich versicherte. Überhaupt der Worte viele fand und ich mal wieder vor der Wahl stand, höflich empathisierend ihr diesen Auftritt zu gönnen oder meinerseits einen Gang hochzuschalten und was fürs eigene Ego zu tun. Nach einer Weile entschied ich mich für letzteres und sagte: Das letzte Mal stand ich hier 1972. Verblüfftes Schweigen und, wie gewünscht – um nicht zu sagen: bestellt – „so alt?“ Daraufhin ich, einlenkend, nun ja, ich war noch Kind. Mein Stichwort. Auf Kindheitsspuren einen Tag mit dem Mietwagen im Schwarzwald unterwegs. Das Auto an der Schattenmühle abgestellt, und zum Räuberschlösschen gewandert gelaufen. Einer dieser magischen Orte meiner Kindheit. Schlucht, Felsen, dichter Wald, konspirativer Räubertreff, rauschender Bach, fernab jeglicher Zivilisation weil den ganzen Tag hin- und zurückgewandert. Und nun: vom ehemaligen sommerlichen Feriendomizil ein Katzensprung; ein hübsches Stück Natur, ja, aber man hat schon anderes gesehen im Laufe eines Lebens, über dem uns Magie und Erwartungshorizont Kindlicher Bewußtseinsform abhanden gingen. Vielleicht sollte man die Orte der Kindheit nicht ein zweites Mal aufsuchen.

 

 

Am Räuberschlösschen

 

Auch noch gezeichnet:

 

Miniaturen

Oktober 26, 2017 § 7 Kommentare

 

Aus meinem Skizzenbüchlein, von unterwegs, im Cafe, auf dem Bahnsteig, im Museum – woauchimmer sich ein Moment des Schauens ergibt. Später sparsam Farbe drüber. Voila:

(Ui, der Scanner – gutes Stück, weit über 20 Jahre aufm Buckel – zieht Streifen. Hm, Schallplatten knistern ja auch, stört eigentlich nicht, ist halt ein Medium…)

Ein Haiku

Oktober 3, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

 

 

ich hätte lust

alles von weitem zu sehen

aber mit dir

 

 

Mario Benedetti (Übersetzung aus dem Spanischen: Silvia und Hans Leopold Davi)

 

 

Menschnatur

September 26, 2017 § 2 Kommentare

 

Wo begegnet man heutzutage noch unberührter Natur? Wie weit muss man dafür fahren? —- Eine Fangfrage, denn man muss nicht fahren. Es reicht, den Kopf zu heben und in den Himmel zu schauen. Der sieht noch so aus wie vor tausenden, wahrscheinlich Millionen von Jahren. Völlig unberührt. Also so, wie Gott ihn schuf, falls er ihn schuf, und abzüglich vielleicht ein paar giftiger Schwefeloxidschwaden. die wir für gelegentliche Kondensstreifen eingetauscht haben. Dennoch – mich schaudert angesichts der Vorstellung, dass wir über uns exakt das sehen, was Menschen vor tausenden von Jahren schon sahen. Gibt es doch sonst keine, aber auch wirklich keine vorstellbare Konstante in einer wahrnehmbaren Umwelt. Vielleicht sah der Mensch schon so aus wie heute, und auch er ist ja Natur, Teil der Schöpfung, auch wenn er das ungern zugibt und sich lieber über alles stellt und dazwischen eine klare Trennlinie und über sich allenfalls einen Gott. Nur: wo genau die Trennlinie verläuft, zwischen Mensch und Natur, das ist eben kein Naturgesetz, sondern wird immer aufs neue verhandelt. Das Unberührte ist ja das scheinbar Echte. Echt, weil noch nicht besudelt durch Menschenhand. Zwar fasst er alles gern an, aber dann ekelt er sich davor. Woran man erkennt, dass wir in der Moderne leben. In der Vormoderne befand sich der Mensch in ständigem Existenzkampf mit der Natur (wohlgemerkt:auch seiner eigenen). Er lebte noch nicht in dem Bewußtsein, er könne alles auslöschen. Eher prägte ihn die Erfahrung, die Natur könne alles auslöschen. Drum suchte er auch nicht Erholung in der Natur, sondern mied sie, wo immer es ging. So ändern sich die Zeiten. Kaum ist das Ding so gut wie weg, sehnt man sich danach. Hatte man es noch im Überfluss, mied man es nach Kräften. Es. Die unberührte Natur. Aber es geht ja auch nicht wirklich um sie, sondern um eine Projektionsfläche, die uns von all dem, was wir an uns insgeheim hassen, reinigt. Und es wirkt. Steigt man zum Beispiel auf den Berg, fühlt man sich hinterher einfach besser. Wahrscheinlich funktioniert so auch vegane Lebensweise. Aber das ist ein anderes Thema…

 

 

 

 

 

 

 

Gesicht zeigen

September 19, 2017 § 9 Kommentare

Nichts spricht direkter, unmittelbarer, als ein Gesicht. In der physischen Präsenz eines realen Gegenübers wirkt ein Gesichtsausdruck intensiv, er wird spontan erfasst, aber doch auch oberflächlich, denn die anhaltende Betrachtung eines Menschen wird als Grenzüberschreitung erlebt und daher vermieden. Nicht so im Angesicht eines Bildes. Es kann betrachtet werden, bis sich die Züge in ein fast Abstraktes hinein verlieren – oder neu finden. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt…

 

 

 

 

 

Abspitzen

September 17, 2017 § 10 Kommentare

Wie so oft, ist auch hier die Tugend eine aus der Not geborene. Die Not allerdings ergibt sich, ich gesteh’s freimütig, aus einer gewissen mir eigenen Bequemlichkeit, um nicht zu sagen: Faulheit. Stifte – jedenfalls solche, die aus einer Holzummantelung bestehen, müssen von Zeit zu Zeit angespitzt werden. Das ist lästig. Erst langes Suchen des Anspitzgeräts (für mich meist ein Messer – mit der dafür eigentlich vorgesehenen Vorrichtung stehe ich auf Kriegsfuß), dann akribisches Anspitzen, stets mit der Folge, dass die Spitze vielleicht gleich wieder ab- oder anbricht, in jedem Fall aber die auf dem Papier entstehende Linie ein anderes Aussehen hat als die Vorgängerlinie, was Einübungszwischenstriche, nach Möglichkeit auf einem Extrablatt, erforderlicht macht – Ein Zwischenschritt, der in Ermangelung von Zeit und Geduld meist doch auf dem eigentlichen Blatt erfolgt, mit nun unwägbaren Ergebnissen. Zu allem Überfluss ist der Papierkorb üblicherweise gerade randvoll, das Weggespitze landet also auf dem Fußboden oder der Einfachheit halber gleich auf dem Maltisch, beziehungsweise ist das Weggespitzte ohnehin das eigentliche Ärgernis, denn Mal- und Zeichenmittel wollen nicht weggeworfen, sondern ihrer Bestimmung als sichtbare Spuren bildnerischer Ideen auf einem flachen Medium zugeführt werden. Kurzum: ich habe im Laufe der Zeit die Angewohnheit entwickelt, den Zeitpunkt, zu dem ein Stift eigentlich angespitzt werden müsste, immer weiter hinauszuzögern. Das Führen des Stiftes übers Papier verliert in Folge kontinuierlich seine Leichtigkeit und geht über in ein Drehen und Winden, Drücken und Pressen, Kratzen letztlich bis hin zur Sachbeschädigung (die „Sache“ meint hier zunächst das Papier, kann sich aber auf Stift oder sogar Finger ausdehnen) Wird so das „KunstWOLLEN“ ein geradezu physisch quälender Akt, dessen Spuren als Ritzungen dem Endprodukt einverleibt werden, weitet sich das Ausdrucksmittel Strich zu einer Fülle an Varianten hinsichtlich Breite, Stärke, Kontinuität vs Fragmentierung. Immer öfter wird die Linie durch Unterbrechungen strukturiert, Generalpausen, wie wir sie aus der Musik kennen, vergleichbar. Daraus entwickelte sich vielleicht so etwas wie ein „Stil“. Mir gefiel’s jedenfalls immer öfter. Schöne Begleiterscheinung ist übrigens, dass Ritzungen oft nach dem Aquarellieren als weiße Linien sichtbar werden und der Zeichnung nach diesem zweiten Arbeitsgang mitunter wie von Zauberhand eine weitere Ebene hinzufügen.

 

 

 

 

 

 

Wo bin ich?

Du durchsuchst momentan Beiträge mit dem Schlagwort Aquarell auf Der Dilettant.