Ein Haiku

Oktober 3, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

 

 

ich hätte lust

alles von weitem zu sehen

aber mit dir

 

 

Mario Benedetti (Übersetzung aus dem Spanischen: Silvia und Hans Leopold Davi)

 

 

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Menschnatur

September 26, 2017 § 2 Kommentare

 

Wo begegnet man heutzutage noch unberührter Natur? Wie weit muss man dafür fahren? —- Eine Fangfrage, denn man muss nicht fahren. Es reicht, den Kopf zu heben und in den Himmel zu schauen. Der sieht noch so aus wie vor tausenden, wahrscheinlich Millionen von Jahren. Völlig unberührt. Also so, wie Gott ihn schuf, falls er ihn schuf, und abzüglich vielleicht ein paar giftiger Schwefeloxidschwaden. die wir für gelegentliche Kondensstreifen eingetauscht haben. Dennoch – mich schaudert angesichts der Vorstellung, dass wir über uns exakt das sehen, was Menschen vor tausenden von Jahren schon sahen. Gibt es doch sonst keine, aber auch wirklich keine vorstellbare Konstante in einer wahrnehmbaren Umwelt. Vielleicht sah der Mensch schon so aus wie heute, und auch er ist ja Natur, Teil der Schöpfung, auch wenn er das ungern zugibt und sich lieber über alles stellt und dazwischen eine klare Trennlinie und über sich allenfalls einen Gott. Nur: wo genau die Trennlinie verläuft, zwischen Mensch und Natur, das ist eben kein Naturgesetz, sondern wird immer aufs neue verhandelt. Das Unberührte ist ja das scheinbar Echte. Echt, weil noch nicht besudelt durch Menschenhand. Zwar fasst er alles gern an, aber dann ekelt er sich davor. Woran man erkennt, dass wir in der Moderne leben. In der Vormoderne befand sich der Mensch in ständigem Existenzkampf mit der Natur (wohlgemerkt:auch seiner eigenen). Er lebte noch nicht in dem Bewußtsein, er könne alles auslöschen. Eher prägte ihn die Erfahrung, die Natur könne alles auslöschen. Drum suchte er auch nicht Erholung in der Natur, sondern mied sie, wo immer es ging. So ändern sich die Zeiten. Kaum ist das Ding so gut wie weg, sehnt man sich danach. Hatte man es noch im Überfluss, mied man es nach Kräften. Es. Die unberührte Natur. Aber es geht ja auch nicht wirklich um sie, sondern um eine Projektionsfläche, die uns von all dem, was wir an uns insgeheim hassen, reinigt. Und es wirkt. Steigt man zum Beispiel auf den Berg, fühlt man sich hinterher einfach besser. Wahrscheinlich funktioniert so auch vegane Lebensweise. Aber das ist ein anderes Thema…

 

 

 

 

 

 

 

Gesicht zeigen

September 19, 2017 § 9 Kommentare

Nichts spricht direkter, unmittelbarer, als ein Gesicht. In der physischen Präsenz eines realen Gegenübers wirkt ein Gesichtsausdruck intensiv, er wird spontan erfasst, aber doch auch oberflächlich, denn die anhaltende Betrachtung eines Menschen wird als Grenzüberschreitung erlebt und daher vermieden. Nicht so im Angesicht eines Bildes. Es kann betrachtet werden, bis sich die Züge in ein fast Abstraktes hinein verlieren – oder neu finden. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt…

 

 

 

 

 

Abspitzen

September 17, 2017 § 10 Kommentare

Wie so oft, ist auch hier die Tugend eine aus der Not geborene. Die Not allerdings ergibt sich, ich gesteh’s freimütig, aus einer gewissen mir eigenen Bequemlichkeit, um nicht zu sagen: Faulheit. Stifte – jedenfalls solche, die aus einer Holzummantelung bestehen, müssen von Zeit zu Zeit angespitzt werden. Das ist lästig. Erst langes Suchen des Anspitzgeräts (für mich meist ein Messer – mit der dafür eigentlich vorgesehenen Vorrichtung stehe ich auf Kriegsfuß), dann akribisches Anspitzen, stets mit der Folge, dass die Spitze vielleicht gleich wieder ab- oder anbricht, in jedem Fall aber die auf dem Papier entstehende Linie ein anderes Aussehen hat als die Vorgängerlinie, was Einübungszwischenstriche, nach Möglichkeit auf einem Extrablatt, erforderlicht macht – Ein Zwischenschritt, der in Ermangelung von Zeit und Geduld meist doch auf dem eigentlichen Blatt erfolgt, mit nun unwägbaren Ergebnissen. Zu allem Überfluss ist der Papierkorb üblicherweise gerade randvoll, das Weggespitze landet also auf dem Fußboden oder der Einfachheit halber gleich auf dem Maltisch, beziehungsweise ist das Weggespitzte ohnehin das eigentliche Ärgernis, denn Mal- und Zeichenmittel wollen nicht weggeworfen, sondern ihrer Bestimmung als sichtbare Spuren bildnerischer Ideen auf einem flachen Medium zugeführt werden. Kurzum: ich habe im Laufe der Zeit die Angewohnheit entwickelt, den Zeitpunkt, zu dem ein Stift eigentlich angespitzt werden müsste, immer weiter hinauszuzögern. Das Führen des Stiftes übers Papier verliert in Folge kontinuierlich seine Leichtigkeit und geht über in ein Drehen und Winden, Drücken und Pressen, Kratzen letztlich bis hin zur Sachbeschädigung (die „Sache“ meint hier zunächst das Papier, kann sich aber auf Stift oder sogar Finger ausdehnen) Wird so das „KunstWOLLEN“ ein geradezu physisch quälender Akt, dessen Spuren als Ritzungen dem Endprodukt einverleibt werden, weitet sich das Ausdrucksmittel Strich zu einer Fülle an Varianten hinsichtlich Breite, Stärke, Kontinuität vs Fragmentierung. Immer öfter wird die Linie durch Unterbrechungen strukturiert, Generalpausen, wie wir sie aus der Musik kennen, vergleichbar. Daraus entwickelte sich vielleicht so etwas wie ein „Stil“. Mir gefiel’s jedenfalls immer öfter. Schöne Begleiterscheinung ist übrigens, dass Ritzungen oft nach dem Aquarellieren als weiße Linien sichtbar werden und der Zeichnung nach diesem zweiten Arbeitsgang mitunter wie von Zauberhand eine weitere Ebene hinzufügen.

 

 

 

 

 

 

Fünf Momente

September 14, 2017 § 2 Kommentare

Dilettanten kratzen ja nur an der Oberfläche, und mit den Bergen wird man ohnehin nicht fertig. Daher lasse ich’s – für dieses Mal – damit bewenden und kehre zur Figur zurück. Da finde ich das Menschliche doch geschmeidiger im Umgang – auf dem Papier wenigstens.

 

 

 

Solides Schuhwerk

September 5, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

 

Dies ist einer von zwei Schuhen, in denen schon mein Vater in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts deutsche Mittelgebirge durchwanderte. Irgendwann überließ er sie mir, wahrscheinlich für meine erste große Tour kurz vorm Abi durch’s korsische Gebirge. Grandiose Sache damals, die mich freilich ob diverser Widrigkeiten an den Rand meiner Möglichkeiten brachte, mental und physisch. Seit dem trugen mich die Schuhe buchstäblich über Stock und Stein. Ein winning team, meine Füße und diese Schuhe, die stets zuverlässig dafür sorgten, dass ich erstere nicht spürte. Das Profil freilich ist, nun ja, noch sichtbar, am Hacken hatte ich vor Tirol jeweils ein Stück Sohle aufkleben lassen. So lief sich’s gut in den Alpen, immer noch fester Halt auf Gestein (feucht war’s halt nicht, Gott sei’s gedankt). Als ich nun aber die Schuhe vorm Reinigen betrachte, ist da plötzlich ein Loch in der Sohle, und – Hurra! – in dem Loch klemmt ein Steinchen, ein Mitbringsel vom Berg. Wie aufmerksam.

 

 

 

 

Und hier noch eine zeichnerische Nachlese zur Trentiner und Südtiroler Bergwelt – zwei benachbarte, aber doch unterschiedliche Gegenden. Andere Menschen, andere Pflanzen, andere Kultur. Ich muss mich da selber erst mal schlau machen, ergötz mich aber derweil am schönen Wort „Welschtirol“. So nannten die Deutschen nämlich das Trentino früher. Aber davon vielleicht demnächst mehr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Palmen und der erste Schnee

September 3, 2017 § 5 Kommentare

Der Wanderführer, ein drahtiger, braungebrannter Mittsechziger mit jungburschenhafter Dynamik begrüßte uns. Pünktlich zur Gipfelwanderung war das Wetter umgeschwenkt. Statt Sonne satt tief hängende Wolken. „Schaut nit so gout aus. Vielleicht gibt’s Regen – oder Schnee.“ Pause. Ein breites Grinsen ging über sein Gesicht „Hoffentlich Schnee! Ich bin ein Schneemensch!“ Der Mann gefiel mir sofort. Wer mit den Bergen aufwächst, hat Sinn für Theatralik und schockt gerne mal weichgespülte Flachländer. Den Schnee gab’s dann aber erst Samstag, auf dem Rückweg ins flache Land oben in 2500 Meter Höhe auf dem Timmelsjoch. Aus Furcht vor einem Rückreisewellenverstopften Brenner hatten wir uns für einen Schleichweg auf die Nordseite der Alpen entschieden. Vielleich war’s zu früh am Morgen, oder der einsetzende Schneefall versetzte die Österreichischen Beamten in Feierlaune – jedenfalls winkte uns der Beamte an der Mautstation einfach durch und ersparte uns 16 Euro. Dank dafür von dieser Stelle aus! Vor dem Schnee aber genossen wir die Palmen im Passeiertal (in dem übrigens, wie wir vor Ort erfuhren, die Deutsche Fußballnationalmannschaft sich 2014 WMTitelreif trainiert hatte), überhaupt die üppige Vegetation:

 

 

Wo bin ich?

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