pars pro toto

Mai 11, 2019 § 2 Kommentare

Die Opulenz der Berge sprengt jedes Maß. Da ist es angeraten, sich beim Abzeichnen erst mal auf wohlproportionierte Ausschnitte zu beschränken, und sich von den Gebirgspanoramen nicht irre machen zu lassen. Asiatische Künstler wählten für die Darstellung bergiger Landschaften in ihrer grenzenlosen Weisheit vorzugsweise Hochformate, zerschnitten also horizontale Linien und konzentrierten sich auf das, was sich innerhalb eines schmalen Bandes zwischen Himmel und Erde abspielt. Sollten es dennoch unbedingt Überblickspanoramen werden, hülfe im Grunde nur, die Leere des Bildträgers sprechen zu lassen. Beziehungsweise sie durch wenige gekonnt gesetzte Striche und hier und da angedeutete Farbsprengsel in Szene zu setzen. Die Altvorderen der Landschaftsmalerei konnten das, und praktizierten es vorwiegend in ihren Skizzen. Stellvertretend nenne ich hier, weil er weniger bekannt ist, aber sensationelle Landschaften entwarf, Carl Rottmann. Im 19. Jahrhundert bereiste er als einer der ersten Griechenland und widmete seine Arbeiten den Stätten der griechischen Mythologie. In der Berliner Alten Nationalgalerie hängt sein Bild „Schlachtfeld bei Marathon“, da wird einem vor lauter Wetter auch ohne jegliche Andeutung menschlichen Wirkens ganzschön schwindelig. Aber zurück zum Ausgangspunkt. Klein anfangen. Im Ort. Ins DIN-A6-Notitzbüchlein. Diese Skizzen mit dem Rapidograph (Tusche):

 

1AF76F12-05E6-4EB0-88DC-DD279EF46D761C03AD7A-CDF1-45AA-B7B9-918D793883FB13E764FB-CFB5-4BBA-8629-A5ECAD898C7866A1245B-A51E-42AB-9B64-142619EA5D1487A202C2-91D9-46BA-92A5-DBADF4625971F501D36A-D2F2-4721-830D-02C4D8F0F6B7EC3FB4C8-4D6E-443C-8C4F-EED35A9BF5FE

Diese in Graphit:

1367AAC6-862F-43B0-B07C-6F541520B79E

C878762D-F3CB-445A-8DEB-1C7327AF3A8C

Und diese durch die fernöstliche Brille, zudem im Tryptichon, aber ohne tiefere Bedeutung, es passten drei Hochformate nebeneinander, wiederum mit dem Rapidograph:

DB0E3F04-4921-43A3-99A5-705D5D5B0A79

 

Werbeanzeigen

Vierter und finaler Riffian-Splitter

Juni 19, 2018 § 2 Kommentare

 

Wo der Berg an den Himmel stößt formt sich die Linie und krönt die Szenerie ringsum. Ein unermüdliches Auf und Ab, Steigen, Fallen, Herabsenken, Hintanziehen, Überspannen und Gleiten, Werben und Zagen, Schmeicheln, Stocken, Kratzen Krachen Stürzen Verlöschen. Ziehen Wolken herauf und herab löst sich alles auf. Als wir das Passeiertal verließen standen Dampf und Regen an den Hängen. Statt Kontur, Maß und Grandezza Uterus und Plazenta, Ursuppe. Aus diesem höchst faszinierendem aber verkehrstechnisch ungünstigen Schlamassel heraus wählten wir den sicheren Umweg über Bozen. Anstatt, wie letztes Jahr, in 2500 Metern über N. N. in Sommerreifen über den einschneienden Pass zu rutschen. Jedes Abenteuer hat seine Zeit.

Schwaches Nachzittern so mancher Linie, hier und da mit etwas Volumen angereichert:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hinauf. Erster Riffian-Splitter

Juni 11, 2018 § 2 Kommentare

 

 

Zeit in den Bergen. Immer schön. Wollte ich rauskriegen, warum eigentlich, müsste ich tief in meine Kindheit zurück. Mythisch besetztes Land. Es passiert ja stets in den Bergen, oder auf See. Niemals aber im flachen Land. Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses. Da ziehen sich die gepeinigten Indianerstämme in die Berge zurück, dort sind sie sicher vor der US-Armee. Überhaupt Flucht. Wer hinauf steigt, entflieht der Zivilisation. Je unwirtlicher das Gelände, je steiler die Hänge, desto eher entzieht sich die Natur dem Zugriff des Menschen. Und lässt uns an ihrer Erhabenheit erschauern. Das lese man mal nach bei den ersten Alpentouristen im 18. Jahrhundert. Bei Goethe beispielsweise. Die Kosten dieser frühen alpinen Erkundungen waren freilich hoch, man riskierte etwas. Heute gibt’s die Alpen light. Aber eben doch elementar. Wenn das Gewitter aufzieht, die Schwerkraft über Leben und Tod entscheidet, die Almhütte schon geschlossen…

 

Miniaturpanoramen

August 30, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

 

 

Bergsilhouetten – immer gleich, und doch immer anders. Drei Tage noch, dann ist Schluss mit Kuhglockengebimmel und Lärchenwaldduft. Für Gustav Mahler war die Kuhglocke das letzte Zeichen der Zivilisation beim Hinaufsteigen in die höheren Bergregionen. Er fügte sie in das Instrumentarium Spätromantischer Symphonik ein, als Symbol für Einsamkeit und Entrückung. Daran muss ich dieser Tage immer denken, und beneide ein wenig Mahler, der lange vor Ausbreitung des alpinen Massentourismus auf die Berge stieg.

Wo bin ich?

Du durchsuchst momentan Beiträge mit dem Schlagwort Alpen auf Der Dilettant.

%d Bloggern gefällt das: