Ein Wort zum lieben Gott

Mai 23, 2017 § 5 Kommentare

So lieb ist der liebe Gott nun auch wieder nicht, dass er dem, der keinen Inhalt hat, die Form schenkt.

Alfred Hrdlicka

 

 

 

 

Keines meiner Pigmente ist so durchsetzungsstark wie Oxidrot. Am besten, man überlässt ihm das Feld, allenfalls moderiert durch großzügige Dreingabe von Weiß und Cadmiumgelb. Auch so ein Brechermineral.

(Aus dem Bode-Museum: ein Krieger von Schlüter und eine Caritas-Figur)

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September 11, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Der oft gehörte Einwand moderner Kunst gegenüber – „das kann ich auch“ – geht ins Leere. Klar, der Laie „kann es auch“, aber, und das ist das entscheidende, er macht es nicht. (Das wusste schon Arnold Schönberg, als er sagte, „Kunst kommt nicht von Können, sondern von Müssen) . Da die Kunst aber nun so leicht geworden ist, ist sie auch wieder schwer, denn viele wollen Künstler sein, und nicht jeden braucht der Kunstmarkt. Sind aber nun die Objekte selbst leicht herzustellen, verlagert sich die Aufmerksamkeit auf die Person des Künstlers, dem nun die Aufgabe zufällt,

erstens seine Vita durch allerlei Schmankerl zu verkünstlern,

zweitens die Objekte seiner Wahl theoretisch zu überhöhen und

drittens die richtigen Leute von sich einzunehmen.

Hat er es in alsdann den Kunsthimmel geschafft, kann er machen, was er will, denn seine Person adelt fortan das Werk.

Den Dilettanten schert all dies freilich nicht, denn er macht keine Kunst, sondern seinem Namen alle Ehre: er dilettiert. Da braucht er auch keine teuren Materialien, keine Bütten, grundierte Leinwände und lichtechte Künstlerölfarbe. Er nimmt, was gerade herum liegt: Kugelschreiber und Schmierpapier. Sonntags oder an lauen schönen Spätsommerabenden wie diesem hat er seine Spendierhosen an und gibt noch verdünnte Acrylfarbe drauf, gut abgestanden und schon leicht müffelnd:

Mitunter bekommt er aber Gesellschaft, denn auch der Künstler wildert gelegentlich in den Niederungen banaler Alltagsmaterialität. So Norbert W. Hinterberger, dokumentiert in seinem Buch „Das Bildungsprogramm„. Dort finden sich so lustige Sachen wie „Weiblicher Akt (Aquarell auf Hakle Feucht 20 x 10 cm)“, oder „Colosseum (Feder in Sepia auf Lasagne)“, und „Aktion ‚An Goethes Statt in Griechenland’ (Druckstock aus Badesandale, wasserlösliche Farbe)“. Ich also nehme ein gut auf dem Mal- (früher: Schreib-)tisch abgestandenes Blatt Schmierpapier:

Halte daneben als Vorlage ein Foto, dass Alfred Hrdlicka bei der Arbeit für ein Bühnenbild zeigt und zeichne mit Kugelschreiber den Künstler bei der Arbeit:

gebe sparsam dünne Acrylfarbe dazu:

male meine Hand hinein und schon habe ich das Bild:

„Der Dilettant malt Alfred Hrdlicka der ein Bühnenbild malt. Kugelschreiber, Acryl und Spuren von Tusche auf ausrangiertem Endlosdruckerpapier“

Hier noch ein Beispiel, wie auf dem Papier bereits vorhandene Farbreste dem Motiv zusätzlich Richtung und Spannung verleihen können:

Damit habe ich zugleich die Portraitserie fortgesetzt:

Martin Scorsese

 

Und zur obligatorischen Kuh:

Gesellt sich noch ein Pferdekopf:

Wo bin ich?

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