Kohlezeichnung

April 11, 2018 § 7 Kommentare

 

Advertisements

Studie

Februar 28, 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

In eigener Sache

Januar 6, 2018 § 8 Kommentare

 

Goethe und Schiller beschäftigten sich gemeinsam mit dem Thema Dilettantismus und planten eine größere Arbeit hierzu. Sie empfanden dilettierende Zeitgenossen als Bedrohung für ihr dichterisches Wirken und die Kunst allgemein. Goethe freilich hatte ein Problem. Er dilettierte selbst, und zwar auf dem Gebiet der Zeichenkunst. So betrachtete er den Dilettanten durchaus mit Wohlwollen. Zu dem gemeinsamen Werk kam es schließlich nicht, es hat sich aber aus der Feder Schillers ein Konzept erhalten:

Schema über den Dilettantismus

Zufällig stieß ich darauf, als ich bei Schiller einen Passus nachlesen wollte, der in dem sehr interessanten Buch „Analoge Nostalgie in der digitalen Medienkultur“ zitiert wird. (Das ist, nebenbei bemerkt, ein Beispiel dafür, wie ich mich – typisch Dilettant eben – permanent verzettele) Ich hatte also kaum begonnen, mich dem Thema analog/digital zuzuwenden, da geriet ich schon auf Abwege und landete über Schillers Abhandlung Über naive und sentimentalische Dichtung bei dessen Dilettantismusschema. Natürlich interessierte mich brennend, was der große Schiller über meinesgleichen geschrieben hatte. Das Schema ist überschaubar, beeindruckt aber durch seine Akribie. In streng wissenschaftlicher Methodik wird das Phänomen zergliedert und die Bereiche Poesie, Zeichnung, Malerei, Skulptur, Architektur, Gartenkunst, Musik, Tanz und Theater jeweils nach Nutzen und Schaden „fürs Subjekt“ und „fürs Ganze“, sowie für Deutschland und das Ausland befragt. Interessant für mich natürlich die bildenden Künste, und große Erleichterung meinerseits, dass fürs Subjekt hier kein möglicher Schaden vermerkt ist, während im Hinblick aufs Ganze „falsche Kennerschaft“ als Schaden festgestellt ist. Das ist natürlich hochaktuell, denn in der Tat droht durch die Möglichkeiten elektronischer Netzwerke hier heutigen Tages maximaler Schaden. Einfach jeder/jede glaubt mitreden zu können und erschleicht sich durchs elektronische Publizieren den Anschein von Kennerschaft. Die weitere Lektüre des Schemas offenbart jedoch auch für mich als Subjekt die Gefährlichkeit meiner dilettierenden Bemühungen. „Mit dem Ernsten und Wichtigen spielen verderbt den Menschen“*. Und es kommt noch schlimmer: „Er überspringt die Stufen, beharrt auf gewissen Stufen, die er als Ziel ansieht, und hält sich berechtigt, von da aus das Ganze zu beurteilen, hindert also seine Perfektibilität… Er kommt immer mehr von der Wahrheit der Gegenstände ab und verliert sich auf subjektiven Irrwegen.“ Und hier fühle ich mich vollends ertappt: „Der Dilettant scheut allemal das Gründliche, überspringt die Erlernung notwendiger Kenntnisse, um zur Ausübung zu gelangen, verwechselt die Kunst mit dem Stoff.“ Puh. Das muss man ja nun erstmal verdauen…

 

… auf subjektiven Irrrwegen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

* Alle Schiller Zitate aus: Sämtliche Werke Band V: Philosophische Schriften. München 1975. S. 565 ff.

Tönende Bilder

Januar 3, 2018 § 9 Kommentare

 

In der Kunstwelt der Renaissance kam die Idee auf, die Linie dem Intellekt, die Farbe  dem Gefühl zuzuordnen. Ein schöner Dualismus, der ganz auf der Linie Seele versus Körper, Geist versus Fleisch(eslust) liegt. Das christliche Abendland liebt(e) solcherart Aufspaltung, mit der sich anschaulich das Gute vom Bösen scheiden lässt. Leicht aber ließe sich z. B. die bildende mit der klingenden Kunst verbinden. Da nehme ich die Linie als Melodie, das Ineinander verschiedener Linien als Kontrapunkt, die Farbe als Harmonie, und die Komposition als Rhythmus. So klingt das Bild, und die Töne fügen sich zum Bild.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aus meinem Skizzenbuch

Dezember 4, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Figur, aus der Drehung

November 19, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

 

 

 

Neo Rauchs gendersensibler Bückling

November 1, 2017 § 6 Kommentare

 

Eine ausgekochte Formulierung: „gendersensibler Bückling“. Aber der Reihe nach. Im September las ich in der ZEIT ein Interview mit Neo Rauch anlässlich des Todes seines Lehrers und Freundes Arno Rink, seiner Zeit Rektor der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Darin erklärt Rauch sinngemäß, dass heutzutage ein sinnenfrohes, die Formen des weiblichen Körpers feierndes, genießerisch freies Leben (den Männern) nicht mehr möglich sei und insbesondere seine Studenten sich vor lauter Angst, etwas falsch zu machen und gegen das „inquisitorische Umfeld“ zu wirken nichts mehr trauten. Statt von weiblichen Körperformen fühlten sich die jungen Männer nur mehr von „Blockseminaren zum gendersensiblen Sprachgebrauch“ angeregt. Nachdem mich die anfängliche Sympathie für einen Maler, den mir erst kürzlich ein formidabler Film nahegebracht hatte, eine Weile durch den Interviewtext trug, wuchs zunehmend ein unterschwelliges Unbehagen. Trotz flotter, scheinbar einleuchtender Formulierungen war da etwas im Argen. Im ganz furchtbar Argen. Ich stieß ein zweites Mal auf dieses Interview, als Alban Nikolai Herbst in seinem immer lesenswerten Arbeitsjournal auf Die Dschungel daraus zitierte (s. hier). Im weiteren Nachdenken erst zeigte sich mir die subtile Infamie der Rauchschen Formulierung. Die sie triggernde Empörung ist wohlfeil zu haben, denn in der Tat treibt ein bestimmtes Bemühen um die richtige Sprache und den richtigen Umgang der Geschlechter miteinander so manche Stilblüte und gebiert so manchen Übereifer. Jedoch: worum geht es denn? Das Projekt, das Verhältnis der Geschlechter nach Jahrhunderten männlich Dominanz auf eine gerechtere Grundlage zu stellen, und des weiteren den Sprachgebrauch von Spuren ebendieser Dominanz zu entrümpeln, ist ein zutiefst aufklärerisches und notwendiges. Man mache sich doch einmal klar, auf welch einem Misthaufen an Privilegien sich Männer Jahrhundertelang durchs Leben fläzten. Dass es jetzt, wo es daran geht, diesen Haufen zu entsorgen, allerorten knirscht, es mitunter gar heult und zähneklappert, kann nicht verwundern. Rauch aber pöbelt nicht, sondern schließt feine Giftpfeile ab. Eine Formulierung wie der „gendersensible Bückling“ ist angewandte Rhetorik und funktioniert nach dem gleichen Muster wie bsw. der Begriff „Verschwörungstheorie“. Instrument ist der Ebenenwechsel; der Gegner wird in eine Ecke gestellt, aus der heraus er nicht mehr argumentationsfähig ist. Also entweder pathologisiert, oder der Lächerlichkeit preisgegeben. Einen „gendersensiblen Bückling“ betrachtet man im Reagenzglas, oder unter dem Mikroskop. Das desavouiert das Anliegen einer genderbewussten Sprache, gleich ob deren Anhänger aufrecht durchs Leben gehen oder untertänigst (ein Charakterzug, der in allen Milieus vorkommt). Ganz genauso funktioniert übrigens der inzwischen schon wieder aus der Mode gekommene „Russlandversteher“, oder, noch früher, der „Gutmensch“. Nun könnte man Rauchs Angriff als Ausdruck eines typischen Generationenkonflikts deuten, der stets nach dem Muster abläuft, Sitten und Gebräuche der eigenen Jugendzeit zu heroisieren und gegen Verflachung und Verweichlichung der gegenwärtigen Generation abzugrenzen. Aber selbst wenn seine Studentenzeit von Partys und wildem Sex durchdrungen war, so könnte es ja sein, dass sich seine heutigen Studierenden nun mal für ein anderes Leben entschieden haben. Das muss nicht jedem gefallen, aber vor dem historischen Hintergrund, dass (männliche!) Maler in ihren Ateliers ihre Machtposition regelmäßig dazu benutzten, bei den weiblichen Modellen zum Zug zu kommen, irritiert die Unverfrorenheit, mit der Rauch hier den männliche Blick (und Zugriff) auf den weiblichen Körper feiert. Lassen wir Rauch nochmal im ganzen Satz zu Wort kommen: „Heute dominiert der Typus des gendersensiblen Bücklings, der sich nicht ins Leben hineinwagt, weil dort zu viele Gefahren lauern.“ Genau, lieber Rauch, und alle altersgeilen malenden Männer, traut euch hinaus ins Leben und begegnet dort – hoffenlich: starken  -Frauen!*

Und weil auch ich weibliche Formen liebe, keine Scheu habe sie zu malen, keinerlei Druck oder Erwartung verspüre, sie nicht malen zu dürfen, sondern mir lediglich einen auf Respekt, Toleranz und Augenhöhe basierenden Umgang der Geschlechter wünsche, und am liebsten alles dem direkten, persönlichen Umgang einander höflich zugewandter Menschen überließe, hier ein paar Zeichnungen, passend zum Thema:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Übrigens ist derzeit im Barberini-Museum in Potsdam ein Bild von Sighard Gille zu sehen, „Die wilde Fete II“ (oder so ähnlich – ich erinnere mich nicht genau), mit einem stocksteif grau traurig thronenden Arno Rink inmitten grell gemalter freizügig gekleideter Frauen und einer sie umschwärmenden Männerschar. Bestimmt ist da auch irgendwo Rauch abgebildet, ich hab ihn aber nicht erkannt…

Wo bin ich?

Du durchsuchst momentan Beiträge mit dem Schlagwort Akt auf Der Dilettant.