Abspitzen

September 17, 2017 § 10 Kommentare

Wie so oft, ist auch hier die Tugend eine aus der Not geborene. Die Not allerdings ergibt sich, ich gesteh’s freimütig, aus einer gewissen mir eigenen Bequemlichkeit, um nicht zu sagen: Faulheit. Stifte – jedenfalls solche, die aus einer Holzummantelung bestehen, müssen von Zeit zu Zeit angespitzt werden. Das ist lästig. Erst langes Suchen des Anspitzgeräts (für mich meist ein Messer – mit der dafür eigentlich vorgesehenen Vorrichtung stehe ich auf Kriegsfuß), dann akribisches Anspitzen, stets mit der Folge, dass die Spitze vielleicht gleich wieder ab- oder anbricht, in jedem Fall aber die auf dem Papier entstehende Linie ein anderes Aussehen hat als die Vorgängerlinie, was Einübungszwischenstriche, nach Möglichkeit auf einem Extrablatt, erforderlicht macht – Ein Zwischenschritt, der in Ermangelung von Zeit und Geduld meist doch auf dem eigentlichen Blatt erfolgt, mit nun unwägbaren Ergebnissen. Zu allem Überfluss ist der Papierkorb üblicherweise gerade randvoll, das Weggespitze landet also auf dem Fußboden oder der Einfachheit halber gleich auf dem Maltisch, beziehungsweise ist das Weggespitzte ohnehin das eigentliche Ärgernis, denn Mal- und Zeichenmittel wollen nicht weggeworfen, sondern ihrer Bestimmung als sichtbare Spuren bildnerischer Ideen auf einem flachen Medium zugeführt werden. Kurzum: ich habe im Laufe der Zeit die Angewohnheit entwickelt, den Zeitpunkt, zu dem ein Stift eigentlich angespitzt werden müsste, immer weiter hinauszuzögern. Das Führen des Stiftes übers Papier verliert in Folge kontinuierlich seine Leichtigkeit und geht über in ein Drehen und Winden, Drücken und Pressen, Kratzen letztlich bis hin zur Sachbeschädigung (die „Sache“ meint hier zunächst das Papier, kann sich aber auf Stift oder sogar Finger ausdehnen) Wird so das „KunstWOLLEN“ ein geradezu physisch quälender Akt, dessen Spuren als Ritzungen dem Endprodukt einverleibt werden, weitet sich das Ausdrucksmittel Strich zu einer Fülle an Varianten hinsichtlich Breite, Stärke, Kontinuität vs Fragmentierung. Immer öfter wird die Linie durch Unterbrechungen strukturiert, Generalpausen, wie wir sie aus der Musik kennen, vergleichbar. Daraus entwickelte sich vielleicht so etwas wie ein „Stil“. Mir gefiel’s jedenfalls immer öfter. Schöne Begleiterscheinung ist übrigens, dass Ritzungen oft nach dem Aquarellieren als weiße Linien sichtbar werden und der Zeichnung nach diesem zweiten Arbeitsgang mitunter wie von Zauberhand eine weitere Ebene hinzufügen.

 

 

 

 

 

 

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Verregnete Schöpfung

Juni 29, 2017 § 4 Kommentare

(Man fragt sich natürlich, wo der ganze Regen herkommt. Kübelweise, den ganzen Tag bereits, und ein Ende ist nicht abzusehen. Bestimmt von den Russen. Dabei ist diese feucht warme Lust Luft ungemein sinnlich, weckt Begehrlichkeiten. Apropos Begehrlichkeiten: Wenn der Bundestag morgen die Ehe für alle beschließt, haben die Kirchen wieder ein Problem mehr. Ehe ohne den Zweck der Fortpflanzung, also Sex um seiner selbst willen – das erschüttert die christliche Dogmatik in ihren Grundfesten. Ist im Schöpfungsplan schlicht nicht vorgesehen. Aus dem Dilemma kommt die Kirche nie raus, möchte man meinen. Andererseits: dass die Erde nicht Mittelpunkt des Universums ist, hat sie irgendwann ja auch zugegeben…)

 

 

 

 

 

 

Mit Tusche und Kohle

Juni 17, 2017 § 2 Kommentare

 

 

 

 

 

 

 

Großer Akt, über sich …

Mai 25, 2017 § 4 Kommentare

selbst hinauswachsend, angelehnt an Sieghard Gilles Ute mit Besorger, den Besorger weglassend dafür mit Beblo Komma Fritz ins Geschäft kommend:

 

Hüftschwung

Mai 20, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

 

 

Zwei Studien

Mai 16, 2017 § 2 Kommentare

 

 

Mehr Finsternis!

Mai 5, 2017 § 8 Kommentare

Licht – eine Form von Energie. Finsternis – die Abwesenheit von Licht. Oder? Warum nicht andersherum: Finsternis – eine Form von Energie. Licht – die Abwesenheit von Finsternis. Wir alle glauben, Licht zu sehen. Dabei sehen wir nur Körper. Licht kann man nicht sehen, denn wo sich dem Licht kein Widerstand bietet, da bleibt es unsichtbar. Alles dunkel, im (lichtdurchfluteten) Universum. Und erst die Farben. Newton, Goethe. Unzählige Physiker und Geistesgrößen in beider Gefolge. Jetzt Olaf L. Müller, Professor für Naturphilosophie und Wissenschaftstheorie an der Humboldt-Uni Berlin (immerhin!), mit einem 500 Seiten starken Buch und dem Versuch, den von der Naturwissenschaftlichen Forschung längst erledigten Farblehrer Goethe zu reanimieren und nebenbei ein paar interessante wissenschaftstheoretische Fragen aufzuwerfen.* Denkt der Laie. Rezensionen in Fachkreisen haben das Buch mittlerweile zurückgewiesen. Nochmal kurz das Wichtigste soweit ich es bisher verstand: Newton hatte festgestellt, dass das „weiße“ Licht aus Kräften zusammengesetzt ist, die (durchs Prisma geschickt) unterschiedlich stark brechen und der Einfachheit halber als Strahlen bezeichnet werden können, die unterschiedliche Farbempfindungen hervorrufen. Goethe war empört über die Vorstellung, Licht sei etwas Zusammengesetztes und entwickelte demgegenüber die Vorstellung, Farben entstünden erst im Aufeinandertreffen von Licht und Finsternis, seien also nicht einfach im Licht bereits „enthalten“. Müller setzt nun dem von ihm so genannten „Newton-Spektrum“ (die Regenbogenfarben) das „Goethe-Spektrum“ gegenüber. Schickt man nämlich anstelle eines Lichtstrahls in einem dunklen Raum (Newton) einen „Finsternisstrahl“ in einem hellen Raum (Goethe) durchs Prisma, so zeigen sich in abgeänderter Reihenfolge alle Regenbogenfarben, außer dass das mittige Grün durch das mittige Purpur ersetzt ist. Dies machte mich hellhörig, denn ich hatte gerade erst für mich festgehalten, dass sich der herkömmliche Farbenkreis entlang der Regenbogenfarben ja nur rundet, indem man das „in der Natur“ nicht vorkommende Purpur hinzumischt und so die Lücke vom dunkelblau/violett zum rot schließt. Um’s kurz zu machen: Je mehr ich versuche, zu verstehen, desto mehr entgleitet mir das Phänomen. Ein Schicksal, das ich tröstlicherweise sicher mit dem ein oder anderen Laien teile. Der Verdacht allerdings, dass auch die Fachwelt, wenngleich auf viel höherem Niveau, im Dunkel herumstochert, kann auch nicht ganz ausgeräumt werden. Aus alledem folgt eigentlich nur, dass sich glücklich schätzen darf, wer nichts weiß, insbesondere nicht, dass er nichts weiß. Erfreue ich mich doch einfach an selbst angerührtem Cadmiumgelb (über grau):

 

 

und an einer Schlafenden, deren Träume in einer Welt jenseits der Farben angesiedelt sein mögen:

 

 

* Olaf L. Müller, Mehr Licht. Goethe mit Newton im Streit um die Farben. Frankfurt 2015

Wo bin ich?

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