Aus meinem Skizzenbuch

Dezember 4, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

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Figur, aus der Drehung

November 19, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

 

 

 

Neo Rauchs gendersensibler Bückling

November 1, 2017 § 6 Kommentare

 

Eine ausgekochte Formulierung: „gendersensibler Bückling“. Aber der Reihe nach. Im September las ich in der ZEIT ein Interview mit Neo Rauch anlässlich des Todes seines Lehrers und Freundes Arno Rink, seiner Zeit Rektor der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Darin erklärt Rauch sinngemäß, dass heutzutage ein sinnenfrohes, die Formen des weiblichen Körpers feierndes, genießerisch freies Leben (den Männern) nicht mehr möglich sei und insbesondere seine Studenten sich vor lauter Angst, etwas falsch zu machen und gegen das „inquisitorische Umfeld“ zu wirken nichts mehr trauten. Statt von weiblichen Körperformen fühlten sich die jungen Männer nur mehr von „Blockseminaren zum gendersensiblen Sprachgebrauch“ angeregt. Nachdem mich die anfängliche Sympathie für einen Maler, den mir erst kürzlich ein formidabler Film nahegebracht hatte, eine Weile durch den Interviewtext trug, wuchs zunehmend ein unterschwelliges Unbehagen. Trotz flotter, scheinbar einleuchtender Formulierungen war da etwas im Argen. Im ganz furchtbar Argen. Ich stieß ein zweites Mal auf dieses Interview, als Alban Nikolai Herbst in seinem immer lesenswerten Arbeitsjournal auf Die Dschungel daraus zitierte (s. hier). Im weiteren Nachdenken erst zeigte sich mir die subtile Infamie der Rauchschen Formulierung. Die sie triggernde Empörung ist wohlfeil zu haben, denn in der Tat treibt ein bestimmtes Bemühen um die richtige Sprache und den richtigen Umgang der Geschlechter miteinander so manche Stilblüte und gebiert so manchen Übereifer. Jedoch: worum geht es denn? Das Projekt, das Verhältnis der Geschlechter nach Jahrhunderten männlich Dominanz auf eine gerechtere Grundlage zu stellen, und des weiteren den Sprachgebrauch von Spuren ebendieser Dominanz zu entrümpeln, ist ein zutiefst aufklärerisches und notwendiges. Man mache sich doch einmal klar, auf welch einem Misthaufen an Privilegien sich Männer Jahrhundertelang durchs Leben fläzten. Dass es jetzt, wo es daran geht, diesen Haufen zu entsorgen, allerorten knirscht, es mitunter gar heult und zähneklappert, kann nicht verwundern. Rauch aber pöbelt nicht, sondern schließt feine Giftpfeile ab. Eine Formulierung wie der „gendersensible Bückling“ ist angewandte Rhetorik und funktioniert nach dem gleichen Muster wie bsw. der Begriff „Verschwörungstheorie“. Instrument ist der Ebenenwechsel; der Gegner wird in eine Ecke gestellt, aus der heraus er nicht mehr argumentationsfähig ist. Also entweder pathologisiert, oder der Lächerlichkeit preisgegeben. Einen „gendersensiblen Bückling“ betrachtet man im Reagenzglas, oder unter dem Mikroskop. Das desavouiert das Anliegen einer genderbewussten Sprache, gleich ob deren Anhänger aufrecht durchs Leben gehen oder untertänigst (ein Charakterzug, der in allen Milieus vorkommt). Ganz genauso funktioniert übrigens der inzwischen schon wieder aus der Mode gekommene „Russlandversteher“, oder, noch früher, der „Gutmensch“. Nun könnte man Rauchs Angriff als Ausdruck eines typischen Generationenkonflikts deuten, der stets nach dem Muster abläuft, Sitten und Gebräuche der eigenen Jugendzeit zu heroisieren und gegen Verflachung und Verweichlichung der gegenwärtigen Generation abzugrenzen. Aber selbst wenn seine Studentenzeit von Partys und wildem Sex durchdrungen war, so könnte es ja sein, dass sich seine heutigen Studierenden nun mal für ein anderes Leben entschieden haben. Das muss nicht jedem gefallen, aber vor dem historischen Hintergrund, dass (männliche!) Maler in ihren Ateliers ihre Machtposition regelmäßig dazu benutzten, bei den weiblichen Modellen zum Zug zu kommen, irritiert die Unverfrorenheit, mit der Rauch hier den männliche Blick (und Zugriff) auf den weiblichen Körper feiert. Lassen wir Rauch nochmal im ganzen Satz zu Wort kommen: „Heute dominiert der Typus des gendersensiblen Bücklings, der sich nicht ins Leben hineinwagt, weil dort zu viele Gefahren lauern.“ Genau, lieber Rauch, und alle altersgeilen malenden Männer, traut euch hinaus ins Leben und begegnet dort – hoffenlich: starken  -Frauen!*

Und weil auch ich weibliche Formen liebe, keine Scheu habe sie zu malen, keinerlei Druck oder Erwartung verspüre, sie nicht malen zu dürfen, sondern mir lediglich einen auf Respekt, Toleranz und Augenhöhe basierenden Umgang der Geschlechter wünsche, und am liebsten alles dem direkten, persönlichen Umgang einander höflich zugewandter Menschen überließe, hier ein paar Zeichnungen, passend zum Thema:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Übrigens ist derzeit im Barberini-Museum in Potsdam ein Bild von Sighard Gille zu sehen, „Die wilde Fete II“ (oder so ähnlich – ich erinnere mich nicht genau), mit einem stocksteif grau traurig thronenden Arno Rink inmitten grell gemalter freizügig gekleideter Frauen und einer sie umschwärmenden Männerschar. Bestimmt ist da auch irgendwo Rauch abgebildet, ich hab ihn aber nicht erkannt…

Abspitzen

September 17, 2017 § 10 Kommentare

Wie so oft, ist auch hier die Tugend eine aus der Not geborene. Die Not allerdings ergibt sich, ich gesteh’s freimütig, aus einer gewissen mir eigenen Bequemlichkeit, um nicht zu sagen: Faulheit. Stifte – jedenfalls solche, die aus einer Holzummantelung bestehen, müssen von Zeit zu Zeit angespitzt werden. Das ist lästig. Erst langes Suchen des Anspitzgeräts (für mich meist ein Messer – mit der dafür eigentlich vorgesehenen Vorrichtung stehe ich auf Kriegsfuß), dann akribisches Anspitzen, stets mit der Folge, dass die Spitze vielleicht gleich wieder ab- oder anbricht, in jedem Fall aber die auf dem Papier entstehende Linie ein anderes Aussehen hat als die Vorgängerlinie, was Einübungszwischenstriche, nach Möglichkeit auf einem Extrablatt, erforderlicht macht – Ein Zwischenschritt, der in Ermangelung von Zeit und Geduld meist doch auf dem eigentlichen Blatt erfolgt, mit nun unwägbaren Ergebnissen. Zu allem Überfluss ist der Papierkorb üblicherweise gerade randvoll, das Weggespitze landet also auf dem Fußboden oder der Einfachheit halber gleich auf dem Maltisch, beziehungsweise ist das Weggespitzte ohnehin das eigentliche Ärgernis, denn Mal- und Zeichenmittel wollen nicht weggeworfen, sondern ihrer Bestimmung als sichtbare Spuren bildnerischer Ideen auf einem flachen Medium zugeführt werden. Kurzum: ich habe im Laufe der Zeit die Angewohnheit entwickelt, den Zeitpunkt, zu dem ein Stift eigentlich angespitzt werden müsste, immer weiter hinauszuzögern. Das Führen des Stiftes übers Papier verliert in Folge kontinuierlich seine Leichtigkeit und geht über in ein Drehen und Winden, Drücken und Pressen, Kratzen letztlich bis hin zur Sachbeschädigung (die „Sache“ meint hier zunächst das Papier, kann sich aber auf Stift oder sogar Finger ausdehnen) Wird so das „KunstWOLLEN“ ein geradezu physisch quälender Akt, dessen Spuren als Ritzungen dem Endprodukt einverleibt werden, weitet sich das Ausdrucksmittel Strich zu einer Fülle an Varianten hinsichtlich Breite, Stärke, Kontinuität vs Fragmentierung. Immer öfter wird die Linie durch Unterbrechungen strukturiert, Generalpausen, wie wir sie aus der Musik kennen, vergleichbar. Daraus entwickelte sich vielleicht so etwas wie ein „Stil“. Mir gefiel’s jedenfalls immer öfter. Schöne Begleiterscheinung ist übrigens, dass Ritzungen oft nach dem Aquarellieren als weiße Linien sichtbar werden und der Zeichnung nach diesem zweiten Arbeitsgang mitunter wie von Zauberhand eine weitere Ebene hinzufügen.

 

 

 

 

 

 

Verregnete Schöpfung

Juni 29, 2017 § 4 Kommentare

(Man fragt sich natürlich, wo der ganze Regen herkommt. Kübelweise, den ganzen Tag bereits, und ein Ende ist nicht abzusehen. Bestimmt von den Russen. Dabei ist diese feucht warme Lust Luft ungemein sinnlich, weckt Begehrlichkeiten. Apropos Begehrlichkeiten: Wenn der Bundestag morgen die Ehe für alle beschließt, haben die Kirchen wieder ein Problem mehr. Ehe ohne den Zweck der Fortpflanzung, also Sex um seiner selbst willen – das erschüttert die christliche Dogmatik in ihren Grundfesten. Ist im Schöpfungsplan schlicht nicht vorgesehen. Aus dem Dilemma kommt die Kirche nie raus, möchte man meinen. Andererseits: dass die Erde nicht Mittelpunkt des Universums ist, hat sie irgendwann ja auch zugegeben…)

 

 

 

 

 

 

Mit Tusche und Kohle

Juni 17, 2017 § 2 Kommentare

 

 

 

 

 

 

 

Großer Akt, über sich …

Mai 25, 2017 § 4 Kommentare

selbst hinauswachsend, angelehnt an Sieghard Gilles Ute mit Besorger, den Besorger weglassend dafür mit Beblo Komma Fritz ins Geschäft kommend:

 

Wo bin ich?

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