Schubert, zwei Versuche

November 11, 2018 § 2 Kommentare

 

Schubert recto

Franz Schubert

 

 

 

Schubert drei

Franz Schubert

 

Wer sich bildnerisch der Physis Franz Schuberts annähern will, muss auf bereits vorhandene Abbildungen oder Artefakte zurückgreifen. Unter Einbeziehung von zeitgenössischen Beschreibungen, wenn man will. Ein Arbeiten vor dem lebenden Modell ist nicht möglich. Man kann sich dabei von dem, was wir an Schubert lieben – seine Musik – leiten lassen, was dann vermutlich eine Art idealisiertes Portrait hervorbringt. Zwar hinterlässt ein gelebtes Leben Spuren in der Physiognomie, die wiederum ins Portrait einfließen können. Dass aber ein Geistiges, hier die Musik, das Antlitz formt, darf getrost ins Reich der Legende verwiesen werden. Schuberts unmittelbare Nachwelt aber hatte nichts Eiligeres zu tun, als den Mensch von allem „Makel“, allem „Unmoralischen“ zu befreien. Das ist die Gedankenwelt des Idealismus, nach der äußere und innere Schönheit einhergehen. Morgens „Himmlische“ Musik komponieren, und abends „liederlichen“ Ausschweifungen nachgehen –  das durfte nicht sein. So stand es denn auch in einem der ersten Nachrufe, erschienen wenige Tage nach Schuberts Tod, in der Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode, aus der ich hier nur die Übersetzung ins Englische aus dem Lexikon Grove Musik Online zitieren kann: „…his private life was absolutely honourable and worthy, as is always the case with every true artist.“ Ein schöner, guter Gedanke, leider unwahr.

P. S. Mein erster Schubert ginge vielleicht auch als Daniel Barenboim durch, merke ich grad…

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Ordensköpfe III

Februar 28, 2016 § Hinterlasse einen Kommentar

Es befinden sich weitere Herren des Orden pour le merit in Warteschleife, die ich hiermit nach und nach der Öffentlichkeit übergeben möchte. Ziel dieser Serie ist weiterhin, die Möglichkeiten rascher Porträtskizzen anhand fotografischer Vorlagen auszuloten und nach und nach in entlegenere Bereiche zeichnerischer Umsetzung vorzudringen.

 

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Porträt versus Kopf

Dezember 6, 2015 § 2 Kommentare

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Im Mittelpunkt meines bildnerischen Treibens stand von Anbeginn an der Mensch. Seine Körperlichkeit, sein Antlitz. Häufig male ich Gesichter, scheue mich aber, sie Porträts zu nennen. Ich bevorzuge den Begriff „Kopf“. Als ich neulich ein paar Bilder ausstellte, fragte mich jemand, die Köpfe betrachtend: Kennen Sie die alle? Damit traf er den Nagel auf den Kopf [sic]. Im Porträt geht es um Repäsentanz eines konkreten Individuums. Üblicherweise als Auftragsarbeit, zum Zwecke der Selbstdarstellung, der Verständigung mit der Welt – auch mit zukünftigen Generationen (Ahnengalerie). Unterschiedliche künstlerische Mittel kamen im Verlaufe der Kunstgeschichte zur Anwendung. Physische „Ähnlichkeit“ spielte dabei meist, aber nicht immer eine Rolle. Das nachantike Abendland verzichtete weitgehend darauf und kaprizierte sich auf Symbole und Attribute. Im Grunde reichte die Namensnennnung, die bloße Behauptung: dies ist … Mit dem Interesse an der Welt, wie sie physisch erfahrbar ist, wuchs jedoch seit der Renaissance die Bedeutung von „Wiedererkennbarkeit“ und physiognomischer Genauigkeit. Und der Künstler formulierte eigene Ansprüche, in denen er die Bedürfnisse des Auftraggebers mitunter weit hinter sich ließ, sie gar konterkarierte. Das gab oft genug Ärger, wähnte sich doch der Porträtierte/Auftraggeber in dem Glauben, es ginge um i h n. Dem Künstler aber geht es um das gute B i l d. Ein grundsätzliches Missverständnis, das Stoff für manche Anekdote bot. So bemerkte ein von Kokoschka porträtierter Herr süffisant, er werde sich Mühe geben, im Laufe seines Lebens seinem Porträt immer ähnlicher zu werden. Und Picasso hat vermutlich im berühmten Porträt der Gertrude Stein unserer Vorstellung von ihrem Aussehen den finalen Stempel aufgedrückt. Auch mein Bemühen – ich betone: Bemühen (wie hätte ich sonst die Reihe Kokoschka – Picasso – DerDilettant aufmachen können) – gilt einzig dem guten Bild. Und da halte ich es zunächst ganz einfach mit Lichtenberg, für den das menschliche Gesicht „die unterhaltendeste Fläche auf der Erde“ ist.* Freilich geht’s dann weiter. Ein Gesicht ist nie „neutral“. Es ist immer Ausdruck, Spiegel der Seele, Einfallstor irrlichternder Erkenntnis. All das finde ich auf Fotografien von Menschen, die dann eine bildnerische Umsetzung triggern. Über die konkrete Person xy weiß ich nichts. Interessiert mich auch nicht. Denn das ist ein abgebildetes Antlitz auch: Projektionsfläche. Jeder mag darin sehen, was ihn/sie beschäftigt. Und wenn das Bild gelungen ist, bietet es d e n Widerhaken, an dem sich das Auge aufhängt. Ins Grübeln kommt. Den Weltdingen nachspürt. Und irgendwann lässt es das Bild hinter sich. Ist das Bild aber r i c h t i g gut, kehrt das Auge immer wieder zurück…

*zitiert nach: Unter vier Augen. Sprachen des Porträts. Kerber o. J. S. 14

 

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Portraits

Juni 19, 2012 § Ein Kommentar

Ähnlichkeit

Mai 1, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Ähnlichkeit zwischen Portrait und Portraitiertem herzustellen ist das Schwerste. Jemanden so aufs Papier zu bringen, dass das komplette Umfeld entzückt ausruft: „getroffen!“ – ein mir noch immer unbegreiflicher Vorgang. Köpfe, Gesichter so zu malen, dass sie „richtig“, stimmig, glaubwürdig wirken – das mag mit etwas Glück hin und wieder gelingen. Dilettierend, wie es meine Art ist, probiere ich einfach unentwegt drauf los, und bemerke: Je vertrauter mir der abzumalende Mensch ist, desto schwieriger wird es. Warum das? Darüber habe ich lange nachgedacht und komme vorläufig zu dieser banalen Einsicht: Bei Menschen, die man gut kennt, ist man einfach kritischer in der Beurteilung des Ergebnisses. Und vorläufig tröste ich mich: wer aus dem Publikum vermag denn im Angesicht eines Portraits beurteilen, ob der Maler die abgebildete Person „getroffen“ hat? Schließlich muss man die reale Person ja kennen, mindestens von Fotografien her. Die Portraits von, sagen wir: Leonardo da Vinci, Francesco del Corsa, Davide Ghirlandaio, Hans Memling, Rogier van der Weyden – jüngst zu bestaunen in der Berliner Ausstellung „Gesichter der Renaissance“ – beeindrucken ob unglaublicher Genauigkeit der Darstellung und atemberaubender Intensität. Aber: Ähnlichkeit mit den historischen Personen? Hm… Möge also einstweilen jedes Bild für sich sprechen.

Hier zum Beispiel habe ich mich auf Packpapier gepackt, mit Acryl und etwas Dispersionsweiß, schön auf Tapetenkleister verteilt, und nun gruselt mir ein wenig vor mir selbst…


Und hier erinnere ich nicht mehr, ob ich Erleuchtung, Trost oder die Fliege an der Decke gesucht habe. Gereicht hat aber schwarze Kreide:

Selbst ist der Dilettant

April 26, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

und allein.

September 7, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Diese verflixten Portraits… Man sieht ein Gesicht, das Gehirn erfasst es im Bruchteil einer Sekunde, speichert es ab, registriert einen Ausdruck, Nuancen der Veränderung – aber wenn man es aufs Papier bringen will, bleibt’s ein Konstrukt aus Linien; bestenfalls wird’s ein korrektes Gesicht, die Proportionen stimmen halbwegs, wenn man Anatomie und Mimik studiert hat und ein wenig geübt. Aber warum ist es so verdammt schwer, jemanden zu „treffen“? Es ist doch alles gut sichtbar und müsste lediglich aufs Papier übertragen werden? Je mehr ich darüber nachdenke, desto klarer wird: sehen und „sehen“ sind zwei Paar Schuhe. Was das Auge optisch erfasst, transformiert das Gehirn in einem wahrscheinlich unfassbar komplexen Vorgang in das, was wir „sehen“. Man „sieht“ nur, was man denkt. Wären wir aufs reine Registrieren optischer Signale angewiesen – wir würden zusammenbrechen unter der Reizüberflutung diffusester Signale. Daraus folgere ich: beim Zeichnen, Portraitieren geht’s in einem ersten Schritt darum, das „Denken“ auszuschalten und zu registrieren, was wir sehen. In einem zweiten aber, und hier beginnt die Krux, müssen wir die Transformationsmaschine Gehirn aufbrechen und ein Gespür für die Muster bekommen, mit denen das Gehirn arbeitet. Gesegnet sind die, die das intuitiv können. David Levine war so jemand. Seine Karikaturen von Literaten (Levines lustiges Literarium. Vorgestellt von John Updike) sind phänomenal. Ich habe gleich mal den Selbstversuch unternommen und zwei Selbstkarikaturen probiert (ich ersparte mir aber Levines hochdifferenzierte Schraffurtechnik)

Ich arbeite in der Regel nach Fotografien. Die halten still. Es besteht freilich die Gefahr, zu sklavisch am Original zu haften und am Ende aller Bemühungen dem Foto einen Bastard abgerungen zu haben, dessen einziges Lebensrecht darin besteht, Zeugnis selbstquälerischer Bemühungen abzulegen. Üblicherweise umschiffe ich diese Klippe durch überhöhte Geschwindigkeit der Strichführung und drücke der Zeichnung so den Stempel grobmotorischer Eigengesetzlichkeit auf. Oder ich betone bewusst die eine oder andere als „typisch“ für die Person erkannte Nuance. Da werden die Grenzen zur Karikatur fließend. Nach den Selbstversuchen suchte ich mir ein paar Opfer aus dem Bekanntenkreis. Bemerkenswerterweise gibt es Gesichter, die meinem Strich gewogener sind als andere. Rainer geht in der Regel gut:

Konzentriert habe ich mich hier auf das Ohr, den Blick und das Bier.

Auch Olaf kommt mir entgegen:

Im Profil freilich, obwohl alles schön markant herausgearbeitet, kippt die Person komplett weg und es entsteht allenfalls eine interessante Farbstudie mit vagen Anklängen an die reale Person:

Bei einer zuvor entstandenen Zeichnung nach der gleichen Fotografie hatte ich ihn aber gleich getroffen:

Ein Mysterium, warum das mal klappt und mal nicht…

Da aber das „Treffen“ realer Personen auf die Dauer anstrengend ist, gabs zwischendurch lockere Stilübungen in Sachen Anatomie. Das lässt mehr Spielraum für freies Gestalten…

Wo bin ich?

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