rosagelb

Dezember 7, 2017 § 6 Kommentare

 

Rosa ist gefährlich. Kein Farbeffekt ist billiger zu haben. Sexualisiertes Fleisch, Biologie, Urschlamm. Noch gefährlicher in Verbindung mit gelb. Jetzt, wo der Maler Balthus mal wieder auf den Prüfstand kommt – eine Online-Petition fordert die Abhängung des im New Yorker Metropolitan Museums hängenden Gemäldes „Therese, träumend“ (s. Artikel „Lolita soll gehen“ in der Süddeutschen von heute) – und die Grenzen zwischen Kunst und Realität, Vorstellen und Handeln neu verhandelt, vielleicht nachjustiert werden, lohnt es sich, neu über all dies nachzudenken. Welche Freiheit hat der Künstler. In welcher Verantwortung steht er. Was darf von Kunst erwartet werden. (Nebenbei: ein Blogger echauffierte sich neulich über eine am Steuer mit dem Handy telefonierende Tatortkommissarin – als hätte sie per se eine Vorbildfunktion, bzw. der Tatort den Auftrag zur Volksbildung)  Und eines scheint mir klar: jede Gesellschaft verhandelt die Grenze zum Unerlaubten, zum Tabu hin aufs neue. Und passiert dies, werden spannende Einblicke in die Grundlagen der menschlichen Existenz möglich.

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Figur, aus der Drehung

November 19, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

 

 

 

Weintraube

November 11, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

 

Ein Frauenbildnis, von unterwegs

Oktober 19, 2017 § 6 Kommentare

 

Die Bahn lebt, trotz Mehdorn. Sanft schaukelnd, einmal von Nordost nach Südwest die Republik querend zieht der ICE seine Bahn, begleitet von milde das Land betupfenden Sonnenstrahlen. Der frühmorgendliche Nebel ist bereits Geschichte, ebenso die kleine Irritation ob der ausgefallenen Reservierungsanzeige, deren Ausbleiben ja nur lästig werden kann dem, der sein Sitzplatzglück der Obhut höherer Mächte überlässt. Und was kann man nicht alles während einer solch längeren Bahnfahrt glücklich sitzend anstellen. Dösen, in die Landschaft schauen, in Büchern schmökern, die offenen Münder eingeschlafener Mitreisender zeichnen, schreiben, den Blog pflegen, Kaffee trinken, an seine Liebsten da draußen in der Welt denken – lieber dies als an den Geschicken der Menschheit da draußen (ver)zweifeln. Weil die Zeit des Reisens im Grunde nutzlose Zeit ist – allein dem Zweck von A nach B zu kommen geschuldet, wird sie frei und damit Gewinn.

 

Auf meiner letzten Reise hatte ich übrigens Station in Frankfurt am Main gemacht und die Bonnard/Matisse-Ausstellung im Städel gesehen. Da waren viele Menschen zwischen und vor den Bildern, und wieder einmal wurde mir bewusst, wie wichtig beim Betrachten von Bildern Erholungszeiten für das Auge sind. Verweilt das Auge nämlich zu lange auf dem Bild, sieht es nur noch Matsch. Jedenfalls war ich doch so angefixt vom Farbenrausch dieser Malerei, dass ich zuhause sämtliche Acryltuben und -flaschen an den Start brachte und nach einer längeren Phase des Zeichnens neuerlich in die Vollen ging. Neben dem Schönberg von neulich entstand so u. a. obiges Frauenbildnis.

 

 

 

 

Die Haltung des Künstlers

Oktober 15, 2017 § 4 Kommentare

Arnold Schönberg

 

Mit Anfang 20 verschlang ich Adornos Philosophie der neuen Musik. Der Sog seiner Sprache, die unerbittliche Logik einer Argumentation, die die Tendenz des musikalischen Materials von der Klassik über Romantik und Spätromantik hin zu Auflösung der Tonalität entrollte und die Zweite Wiener Schule um Arnold Schönberg zum einzig legitimen Erben dieser Gesetzmäßigkeit erklärte – all das faszinierte mich als eine Weltsicht von scheinbar bestechender Logik. Wer als Komponist den historischen Lauf der Dinge verpennt, oder willentlich ignoriert hatte, verwirkte das Recht auf Teilhabe am musikalischen Prozess, sein künstleriches Tun blieb reaktionär. Klar, dass ich fortan Menschen, die etwa Sibelius toll fanden, verachtete. Man hatte schließlich auf der richtigen Seite, der des Fortschritts, zu stehen. Nun war Arnold Schönberg tatsächlich ein Mensch mit ausgeprägtem Sendungsbewußtsein. Nach kompositorischen Anfängen im spätromantischen Idiom und – in Überwindung einer als verbraucht erkannten musikalischen Sprache – frei atonalen Kompositionen entwickelte er ein Kompositionsverfahren, in dem sämtliche zwölf dem Komponisten zur Verfügung stehenden Töne „gleichberechtigt“ zum Einsatz kommen. Fortan komponiert er das, was man „Zwölftonmusik“ nennt. Diese „Erfindung“ galt ihm als bahnbrechend, und er kämpfte um das Recht auf Urheberschaft an seiner Idee, wo immer sie angezweifelt oder nicht genügend gewürdigt wurde. In der Philosophie der neuen Musik (1949 erstmals publiziert) erklärt nun Adorno Schönberg zum Sachwalter des musikalischen Fortschritts. Es gilt, sich den Zwängen einer allgegenwärtigen Kulturindustrie zu entziehen und „wahre“ Musik zu komponieren, die als Ausschlag negativer Erfahrung einzig das leidende Subjekt zum Inhalt haben kann. Soweit die Theorie. Wie aber, frage ich mich, steht es um die moralische Integrität des Schöpfers dieser „wahren“ Musik? Wie verhielt er sich beispielsweise zur ersten Katastrophe des 20. Jahrhunderts, dem Ersten Weltkrieg? Lassen wir ihn in einem Brief an Alma Mahler am Vorabend des Weltkrieges zu Wort kommen: „Diese Musik [Strawinsky, Bizet, Delius] war längst eine Kriegserklärung, ein Überfall auf Deutschland … Aber jetzt kommt die Abrechnung. Jetzt werfen wir diese mediokren Kitschisten wieder in die Sklaverei und sie sollen den deutschen Geist verehren und den deutschen Gott anbeten lernen.“* Es ist billig,  aus nachgeborener Sicht zu verurteilen, und neben Schönberg fielen viele, gerade auch Intellektuelle, auf die Kriegspropaganda der preußisch-deutschen Obrigkeit herein. Aber diese Sätze schockieren dann doch in ihrer Deutlichkeit. Da ist ja, wohlgemerkt, nichts metaphorisch gemeint, sondern hier ist Krieg, Töten, Abschlachten gemeint. Mir ist nicht bekannt, ob Adorno um diese Seite seines musikalischen Fortschrittlers wusste. Beantwortet hat er die Frage nach dem Widerspruch zwischen der geistigen Haltung des Menschen Arnold Schönberg, und dem angeblichen philosophischen Wahrheitsgehalt seiner Schöpfungen aber doch, und zwar auf die ihm eigene, Widerspruch ausschließende, herrische Art:

„Der Künstler ist nicht gehalten, das eigene Werk zu verstehen.“**

 

 

*Brief vom 28.08.1914, zitiert nach: Norbert Schläbitz, Als Musik und Kunst dem Bildungstraum(a) erlagen. Göttingen 2016. S. 107

** Adorno: Prismen. dtv 1963. S. 251

 

Zwei Studien

Mai 16, 2017 § 2 Kommentare

 

 

Waldsee

Mai 10, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

 

 

(Das Cadmiumgelb von neulich beleuchtet die Waldszene rückwärtig und legt sich als matter Glanz auf die Wasseroberfläche.)

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