selbst getuscht

April 29, 2018 § 2 Kommentare

 

einmal von vorne

und das gleiche von hinten

(Nicht der entspanntesten Gesichtsausdrücke einer. Aber hey, ich musste heute drinnen aufräumen, während draußen frisches Grün in der Sonne funkelte.)

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Paar

April 25, 2018 § Ein Kommentar


 

Verbunden und doch für sich. Dass der Mensch sich paart, steht in seinen Genen. In welche Rolle er dabei schlüpft, sicher nicht. Auch wenn die kulturell präformierten Muster unser aller Denken prägen und leicht im Gewande der Natürlichkeit daher kommen. Aber was ist schon Natur. Sowieso das, was uns grad in den Kram passt, wenn wir was wollen.

 

Alltagsfragen

April 21, 2018 § 6 Kommentare

 

Ist die Badewanne ein sicherer Ort?

 

Geben wir zu oft den Clown?

 

Grübeln wir zu viel?

 

Sind wir primitiv?

 

Ist Transparenz eine Tugend?

 

Hätten wir die Haare besser nicht gefärbt?

 

Was ist der Preis der Schönheit?

 

 

… dabei sprach aber viel Seligkeit aus seinen Augen.

April 19, 2018 § 7 Kommentare

 

Robert und Clara Schumann

 

Das Thema Psychiatrie überfordert viele von uns. Auch wer sich beruflich mit dem Thema beschäftigt, nutzt oft, legitimerweise, mehr oder weniger große Spielräume zum Schutz der eigenen seelischen Integrität. Wie auch soll man sich vorstellen, was in einem psychisch kranken Menschen vorgeht; wie weit ist Empathie – im Hinblick auf  körperlich Erkrankte wohlfeil zu haben – möglich Menschen gegenüber, deren Krankheit weit in die Persönlichkeit eingreift, in den Charakter und all das, was wir im persönlichen Miteinander schnell unter moralischen Kategorien abhandeln? Das legitime Bedürfnis Erkrankter nach Schutz und Hilfe geht mit dem Verlangen der Allgemeinheit nach „Schutz“ v o r den Kranken nur zu oft eine unheilvolle Allianz ein. Wer in einem geschützten Umfeld Linderung und Heilung sucht, ist eben schnell gleichermaßen weggesperrt und damit dem persönlichen Umfeld als Last „abgenommen“. Seit jeher erprobte Muster im Umgang mit „Verrückten“ sind Tabuisierung, Skandalisierung, Entmenschlichung, – aber auch Versuche der Hinwendung und des verantwortlichen Sorgens. Oder aber: Romantisierung, Überhöhung. Die Formel dafür: „Genie und Wahnsinn“, eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Typischer „Fall“: der Komponist Robert Schumann, der einer beliebten Erzählung zufolge zunächst in einem hochromantisch-heroisch geführten Kampf gegen den pedantischen Schwiegervater in spe die Ehe mit der Klaviervirtuosin Clara Wieck errang, um dann nach vierzehnjähriger Traumkünstlerehe vor einer ausbrechenden Geisteskrankheit in einer privaten Heilanstalt Schutz zu suchen, wo er nach zweijähriger Leidenszeit von seinem irdischen Dasein erlöst wurde. Der renomierte Psychiater Uwe Henrik Peters stellte demgegenüber erstmals 2010 die These auf, dass Schumann nicht geisteskrank war, sondern aufgrund einer Fehldiagnose behandelnder Ärzte, und de facto entmündigt von seiner Frau, in die Irrenanstalt eingewiesen wurde, dort letztendlich gegen seinen erklärten Willen festgehalten wurde und sich schließlich, aller Würde beraubt, und um seinem Leiden ein Ende zu setzen, zu Tode hungerte. Als ich vor einigen Wochen, aus einem harmlosen Wiederauffrischungsinteresse am Klavierwerk Schumanns heraus, auf die inzwischen in Buchform vorliegenden Arbeiten Peters stieß, ergriff mich mit zunehmender Lektüre ein Schwindel – ich glaubte, in einen Abgrund zu schauen. Halt erhoffte ich mir von kritischen Rezensionen der Publikationen, seriös wissenschaftlichen Widerlegungen der Thesen Peters seitens der Schumann-Forschung. Was ich fand – vielmehr: nicht fand – ließ mich schaudern. Die „offizielle“ Schumann-Forschung, allen voran der Ehrenvorsitzenden der Robert-Schumann-Gesellschaft Zwickau Gerd Nauhaus, diffamierte entweder Arbeiten und Person U. H. Peters, oder verschwieg sie einfach. Mir wurde schnell klar, dass große Teile der Musikforschung wie auch der musikinteressierten Öffentlichkeit offensichtlich nicht an der Wahrheit, oder dem, was man im Ergebnis historischer Forschung dafür halten mag, interessiert sind, sondern einzig daran, ein tradiertes Schumann-Bild zu schützen. Oder, wie Peters vermutet: der Schumann-Mythos ist offenbar zu stark. Sechzehnjährig hörte ich zum ersten Mal die Kreisleriana Schumanns, in einem Konzert des Pianisten Radu Lupu, der für den erkrankten Alfred Brendel eingesprungen war. Ein musikalisches Erweckungserlebnis, dem viele beglückende Musikerfahrungen im Schumannschen (Klavier)Kosmos folgten. Der Gedanke, sich den Urheber dieser vielen persönlichen Glücksmomente und tiefen Erfahrungen als einen Gedemütigten, Entrechteten, Gequälten und letztlich unter der „Obhut“ eines mit eiskaltem Wasser, Zwangsmedikation und physischer Gewalt behandelnden Arztes zum Tode Verurteilten vorstellen zu müssen – dieser Gedanke hat etwas zu tiefst bestürzendes.

 

 

Robert Schumann Versuch eins

 

Robert Schumann Versuch zwei

 

Robert Schumann Versuch drei

 

„…dabei sprach aber viel Seligkeit aus seinen Augen“: Überschrift des letzten der 18 Davidsbündlertänze, komponiert in der Zeit der heimlichen Verlobung mit Clara Wieck. Schuman schrieb über diese Tänze: „War ich je glücklich am Clavier, so war ich es als ich sie componierte.“ (zitiert nach: Henle Urtextausgabe)

Literatur:

Henrik Uwe Peters: Abgeschoben ins Irrenhaus. In: Deutsches Ärzteblatt  22/2010

ders.: Robert, Clara und Johannes. Schumanns letzte Jahre. 2. Auflage Köln 2013

 

 

P. S. Die Dame von Welt widmet dem Thema Psychiatrie gerade einen empfehlenswerten Artikel anlässlich des hoch problematischen Bayerischen Psychiatriegestzentwurfs.

 

Kohlezeichnung

April 11, 2018 § 7 Kommentare

 

Heimatbesichtigung und was die Altvorderen so trieben

April 8, 2018 § 6 Kommentare

 

Besuch der alten Heimat und dort Gelegenheit, sich mit den Vorfahren zu beschäftigen. Der Akribie und Schreiblust meines Großvaters sowie der Auskunftsfreudigkeit älterer Familienmitglieder verdanke ich Kenntnis unzähliger Einzelschicksale. Dazu Fotografien, bis ins 19. Jahrhundert zurückreichend, davor Reproduktionen von Ölgemälden. Hier der Urgroßvater hochbetagt verschmitzt in eine Kamera lächelnd und auf 60iger-Jahre Farbfilm gebannt, dort derselbe vierzehnjährig als Jüngling, in Sepia gebleicht und von professioneller Fotografenhand weichzeichnend in eine Atelierkulisse gebettet. Nur so als Beispiel. Und dann die Geschichten. Im Bleisarg als Tuberkuloseleiche zurück nach Hause geschickt. Nach Australien verbannt wegen Fehlverhaltens, dort Familie gegründet und fünfzehnjährige Tochter zurück in die Heimat geschickt, die dann mit Riesenhut die Dorfjungs verrückt macht. Im Argentinischen Gran Chaco gegen Indios gekämpft. Wegen burschenschaftlicher Umtriebe 1848 außer Landes geflüchtet, später vom Landesfürsten begnadigt und Beamtenlaufbahn. Verwundete eines Gefechts 1866 zwischen preußischen und bayerischen Truppen versorgt, dafür von der Bayerischen Krone ausgezeichnet. In Irrenanstalt eingewiesen und dort gestorben. Früh Mitglied der SS geworden um Reiten zu können, dann zu „nachlässig“ Kriegsgefangenen gegenüber, denunziert, an die Front geschickt, dort getötet, letzter Brief an die Eltern erst dreißig Jahre später bei Abbruch des Hauses unterm Abtritt entdeckt. Nazi-Richter, danach Republik-Richter. Die Frauen verheiratet oder Lehrerinnen. Kinder gebären und großziehen. Die Männer Kaufleute und Beamte. Uneheliche Kinder am Katzentisch. Im Bemühen alles richtig zu machen meist alles noch schlimmer gemacht, manchmal Glück gehabt. Auf der Rückreise aus Südhessen fahren wir durch die Röhn. Dort, im vorderen Teil, liegt Roßdorf, wo sich laut Familienüberlieferung die Pächterin des Rittergutes mit ihrer Tochter, meiner Ururgroßmutter, um die verletzten Soldaten im Krieg 1866 gekümmert haben soll. Aber wer weiß das denn schon so genau, denke ich, während wir aus dem Auto steigen und uns umschauen. Ein perfektes Blau überwölbt diesen stillen Ort inmitten sanfter Hügelketten – Zonenrandgebiet nannte man das früher. Wir stehen auf dem Gelände des ehemaligen Guts, ein hübsch restauriertes Schloss, Neben- und Wirtschaftsgebäude, museal aufbereitete Mauerreste. Und dann sehe ich die große Infotafel, und da steht gleich oben ihr Name: Emma Ritter. Und die ganze Geschichte, noch ausführlicher als ich sie kannte. Das berührt dann doch.

 

Bei allem Lesen und Reden blieb leider wenig Zeit fürs Skizzieren. Immerhin:

 

 

 

zu Ostern

März 31, 2018 § Ein Kommentar

 

Am plausibelsten gegen die Existenz eines Gottes spricht, dass, mal angenommen, es gäbe keinen, der Mensch mit Sicherheit einen erfunden hätte.

 

Notwendige Religionskritik ändert freilich nichts daran, dass unser Alltag noch immer von christlicher Kultur geprägt wird. Inwieweit hier Inhalte zu Ritualen erstarren und diese wiederum als bloße Folklore konsumierbar werden, mag jeder für sich beurteilen. Da haben wir Heutigen die Wahl. Was ja schon mal nicht schlecht ist. Schlecht wird zu Ostern vielleicht das Wetter. Aber da breche ich an dieser Stelle gerne eine Lanze für j e g l i c h e s Wetter. Stemmen Sie sich dem Wetter entgegen, reiben Sie sich an seinen Anmaßungen, gehen Sie raus. Ihr Körper, einer widerborstigen Umwelt im Laufe von Jahrmillionen evolutionär abgerungen, wird es Ihnen danken. In diesem Sinne – frohe Ostern!