Ostsee-Impressionen IX

Juli 30, 2019 § 7 Kommentare

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Die See ist warm und dunkel. Sie trägt oder verschlingt. In ihren Tiefen bewahrt sie das Erbe des letzten Krieges – und gibt es preis, Stück für Stück. Das letzte Bild von der Ostsee – au revoir, mon amour.

 

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Ostsee-Impressionen VI

Juli 23, 2019 § Hinterlasse einen Kommentar

 

Die gänzlich irdische Rosenpracht und ein Himmel ohne Drogen

Juli 21, 2019 § Hinterlasse einen Kommentar

 

Kitschige Rosenbilder – die leider nicht riechen wie die Originale. Das nämlich war das eigentlich betörende daran, durch den Rosengarten des Guts Groß Siemen zu spazieren. Düfte aller Couleur, von süßlich-zart bis faulig-morbide, in dieser Dichte ein Ereignis. Statt also am Strand abzuhängen, erkundeten wir das Hinterland. Und fanden außer Rosen das wirklich beeindruckende Bad Doberaner Münster und daselbst die Büste Frank Zappas, aus Anlass der aktuellen Zappanale Sonnenblumen bekränzt – ein sicher wohlgemeinter aber gänzlich unzappaesker Ansatz, schließlich hatte Zappa für blumentragende Hippies seinerzeit nur Spott übrig.

Hey Punk, where you goin‘ with that flower in your hand?

Well, I’m goin‘ up to Frisco to join a psychedelic band.

Hey Punk, where you goin‘ with that button on your shirt?

I’m goin‘ to the love-in to sit & play my bongos in the dirt.

Yes, I’m goin‘ to the love-in to sit & play my bongos in the dirt.

Hey Punk, where you goin‘ with that hair on your head?

I’m goin‘ to the dance to get some action, then I’m goin‘ home to bed.

Hey Punk, where you goin‘ with those beads around your neck?

I’m goin‘ to the shrink so he can help me be a nervous wreck…

 

Gefreut haben dürfte er sich hingegen über die Zigarettenbeigabe, denn womöglich ist der Himmel drogenfrei. 

A Night at the Opera

Juli 4, 2019 § Hinterlasse einen Kommentar

Deutsche Oper

Das passiert, wenn man im Foyer der Deutschen Oper zu Berlin seine hübsche Begleiterin im Gegenlicht einer Abendsonnendurchstrahlten Fensterfront fotografiert und den Farbnegativfilm anschließend versehentlich als Diapositivfilm einscannt. Heraus kommt die ins Positive gewendete Negation dezenter Unterbelichtung. Gewissermaßen. Die Titelgebende Schallplatte einer wohlbekannten Band aus ihrer Prästadionrockphase enthält übrigens nicht nur den Klassiker Bohemian Rhapsody, sondern auch das knarzige I’m in love with my car, seinerzeit mein Lieblingssong. Heuer war die Musik auch vorzüglich, eine mir unbekannte Oper (Hamlet von Ambroise Thomas) und erstklassige Solisten, allen voran eine kraftvolle Diana Damrau.

Mein Leben auf Zelluloid

April 24, 2019 § 4 Kommentare

Zur Reaktivierung meines seit längerem brachliegenden Tagesfotoprojekts kaufte ich mir unlängst eine Rollei 35S. In den Sechzigern entworfen und bis in die achtziger Jahre hinein produziert, ist sie die wohl kleinste Kleinbildkamera und somit perfekt für meine Zwecke. Begonnen hatte die Serie mit dem ersten Tagesfoto am 19. Februar 2000, geknipst mit einer analogen IXUS im APS-Format. Die damalige Entscheidung für das APS-Format erwies sich leider als Fehler, denn am 9. Juni 2015 war mein Kontingent an APS-Filmen endgültig aufgebraucht, die Produktion längst eingestellt. Ich entschied mich für die versuchsweise Fortführung des Projekts auf digitaler Basis und knipste fortan mit der Sony RX-100, einem kleinen und nicht üblen Apparat, dessen Möglichkeiten ich natürlich auch für Fotos außerhalb des Projekts nutzte. Dadurch veränderte sich aber der „Flow“ des Projekts. Statt einer sich lückenlos auf Zelluloid materialisierenden Folge trat die Notwendigkeit einer nachträglichen Auswahl des jeweiligen „Tagesfotos“ am Rechner und damit eine schleichende Verwässerung des ursprünglichen Gedankens, ein einmaliges Auslösens des Tagesfotos nicht im Nachhinein einer Manipulation anheimzustellen. Nach längerem Hin und Her stellte ich die „offizielle“ Produktion der Tagesfotos ein. Dennoch ließ mir der Gedanke an das Projekt keine Ruhe. Angeregt durch einen äußeren Zufall und ein erneutes Interesse an der analogen Fotografie starte ich nun einen neuen Anlauf mit der Rollei. Und ich verhehle nicht meine Faszination für das Vollmechanische, Primitive, dieser Kamera. Sie funktioniert einwandfrei ohne die eingebaute, aber defekte Elektronik. Belichtungszeit, Blende und Entfernung sind anhand von Erfahrungswerten manuell einzustellen, Ergebnisse unterliegen jederzeit einem Zufallseffekt, die Unmöglichkeit jeglicher planbaren Perfektion begeistert mich. Heute also holte ich den ersten abgeknipsten Film im Fotoladen ab, nachdem ich 36 Tage lang mehr oder weniger ins Blinde hinein fotografiert hatte, ohne die Spur einer Ahnung, wie die Bilder wohl werden würden. Und was soll ich sagen – die Qualität der Bilder überrascht mich. Chemie ist wohl, was die korrekte Belichtung angeht, einfach viel toleranter. Butterweiche Farbverläufe, überraschende Zufallseffekte, authentisch schummriges Kneipenlicht, einfach mehr Spaß am Knipsen. Leider meinte es der Fotoladen zu gut mit mir und ließ einen Papierabzug weg. Zu dunkel. Hab‘ ich also das Negativ mit meinem Epson-Dinosaurier selbst eingescannt, und siehe da:

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Monika Grütters eröffnet am 4.4.2019 die Lotte-Laserstein-Ausstellung in der Berlinischen Galerie, als hätte Rembrandt sie gemalt.

Wetter

März 28, 2019 § Hinterlasse einen Kommentar

Ein abfotografiertes Bild muss durch geeignete Bildbearbeitungssoftware so weit getrimmt werden, dass es ungefähr dem realen Eindruck entspricht. Manchmal reichen da schon Autokorrekturfunktionen, mitunter bringen diese aber auch bizarre, bisweilen gar verblüffende Ergebnisse. Dieses autokorrigierte Bild:

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sieht real etwa so aus:

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Tatsächlich gefallen mir beide Versionen recht gut (Zum Einsatz kam übrigens der automatische Weißabgleich von GIMP)

Vom Schichten der Bilder

März 26, 2019 § 2 Kommentare

Jeder Malvorgang ist ein Aufschichten von Pigmenten. Form und Haltbarkeit bekommen sie durch eine zähe Masse, die den farbgebenden „Inhalt“ bindet. Die englische Sprache kennt da praktischerweise zwei Begriffe, wo wir uns im Deutschen mit nur einem begnügen müssen: „paint“ ist die aufzutragende Substanz,  „colour“ hingegen benennt das Farbphänomen. Auf einem stabilen Bildträger lässt sich dieses Aufschichten im Grunde beliebig lange fortsetzen, aus einem anfänglich „flachen“ Phänomen wird dann zunehmend ein dreidimensionales, das Bild mutiert zum Relief, das Relief zur Skulptur. Bis dahin ist es freilich ein weiter Weg, und obgleich die Übergänge hier, insbesondere in der neueren Kunst, fließend sind, und auch in älteren Zeiten schon immer Maler den pastosen Farbauftrag schätzten, droht die aufgeschichtete Farbe irgendwann abzubrechen. Als Idee für eine mögliche künftige Ausstellung spukt daher in meinem Kopf eine kleine Installation herum. In einer stillen Ecke steht ein Eimer, gefüllt mit dicken, abgeplatzten Farbschwarten. Vor dem Eimer steht ein Schild, auf dem zu lesen sein wird: „Bild im Eimer“. Bild im Eimer meint dann nicht nur ein gescheitertes Bild, und eine banale Beschreibung dessen, was man sieht, sondern ist zugleich ein Hinweis der Art, wie man sie gemeinhin unter einem Bildtitel findet: „Acryl auf Leinwand“ zum Beispiel, also ein Ausweis der verwendeten Technik. Warum aber überhaupt Schicht auf Schicht setzen, gnadenlos das einmal Gesetzte immer neu überformen und letztlich einen skulpturalen Bilderfriedhof produzieren? Die einfache Antwort: es gibt doch schon genug Bilder. Und nicht nur das, es werden immer mehr. Und zwar immer mehr immer mehr. Eine im digitalen Zeitalter exponentiell steigende Kurve, die eines nicht mehr fernen Tages die Menge aller produzierten Bilder mit der Menge aller möglichen Bilder in eins setzen wird. Alle Bilder verschmelzen zu einem Metabild: der Welt, wie sie optisch erfahrbar ist. Und das bringt mich zum eigentlichen Grund: So wie bei der Masse  heutigen Fotografierens nicht mehr das Foto Zweck der Tätigkeit ist, sondern der Moment des Fotografierens als Bewusstseinsbildender Akt (quasi: ich weiß, die Kulturpessimisten unter uns werden hier mit den Augen rollen) erlebt wird, geht es mir beim Malen auch, und immer mehr, um das Tun. Auf den folgenden Detailaufnahmen des aktuellen großformatigen Bildes, die x-ste Übermalung, zeichnen sich schon recht deutlich reliefartige Strukturen ab. Materialdynamische Verwerfungen, die uns darauf vorbereiten, dass die Ergebnisse schöpferischer Arbeit eines Tages wieder zu der Natur werden, der sie abgetrotzt wurden.

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