Doppelportrait

Dezember 18, 2022 § 3 Kommentare

Ein serbischer Kriegsgefangener zeichnete 1942 anhand einer fotografischen Vorlage das Portrait meines Urgroßvater in Neuenhaus, Grafschaft Bentheim. Sicherlich im Tausch gegen Naturalien, der Familienüberlieferung zufolge aber auch aus Dankbarkeit für dessen Sohn, meinen Großonkel Ernst August Ocker, der als Lageraufseher Verantwortung trug für die Kriegsgefangenen und, so wird erzählt, ein Vertrauensverhältnis zu ihnen aufbauen konnte. Dabei verstieß er gegen die Vorschriften, wurde im Ort angeschwärzt und an die Front nach Russland strafversetzt. Als einziger unter seinen Geschwister überlebte er den Krieg nicht. Die Zeichnung in fotorealistischer Ausführung zeugt von hohem handwerklichen Können. Leider wissen wir nichts über das weitere Schicksal des Künstlers. Eine Sichtung der mittlerweile reichlich vorhandene Literatur über die Geschichte der Emslandlager im Westen Niedersachsens mag hier künftig Hinweise liefern. 

Die aktuelle Fotografie des hinter Glas gerahmten Bildes rückt mich unverhofft in die Nähe meines Urgroßvaters.

Licht. Von der Sonne in den Maschinenraum

Mai 14, 2022 § Hinterlasse einen Kommentar

Licht. Von der Sonne aufs Objekt, von dort gebrochen auf die Netzhaut und weiter ins Gehirn. Die Nerven schaffen dann anhand eines Bauplans, den die Evolution ersann, ein Bild, das wir für die Welt halten. Finden wir‘s schön, beauftragen wir ein Maschinchen, dem wir mitgeteilt haben, wie es die Welt abbilden soll, das Bild über den Moment hinaus festzuhalten. Zum Beispiel hier in meinem Blog. Im Maschinenraum.

Fade out

März 18, 2022 § 2 Kommentare

Mein Lieblingsblick in Moabit. Raus aus der Häuserschlucht ans Wasser. Der Himmel öffnet sich, alles wird weit und licht, die Erde ist nicht flach sondern in den Kosmos eingespannt. Und wenn wir dereinst auslöschen, zieht sich die Welt zurück. Fade out.

Wasserspiele

Februar 10, 2022 § 4 Kommentare

An der Lessingbrücke zauberte die samtig-gläserne Spree neulich derart schöne Strukturen auf ihre Wasseroberfläche, dass ich einfach fotografieren musste. Das Zusammenspiel natürlicher Elemente – Wasser, Sonne, Wind – auf einen Sekundenbruchteil reduziert und damit seiner flirrenden Nervosität beraubt bedurfte allerdings einer Nachbearbeitung, um die fehlende Dimension auszugleichen. Das zog die Naturerscheinung ins Abstrakte, was mir noch reizvoller erschien.

Illuminiertes Häusermeer am Bundesratufer

Januar 24, 2022 § 4 Kommentare

An einem trüb-grauen Novemberabend im Januar zieht es mich nach Einbruch der Dämmerung hinunter ans Wasser. Kein Hauch regt sich, aalglatt liegt die Spree in ihrem Bett, die Lichter der Stadt lässt sie kalt abblitzen. Geruckelte Langzeitbelichtung schachtelt die Häuser am Bundesrathufer ineinander und lässt die Lichter geordnet Ballett tanzen. Den Rest erledigt ein kreativer Chip, in Stimmung gebracht durch ein paar nachträgliche Justierungen seiner Parameter. Malen mit Zahlen, wenn man so will.

Lichtskulpturen II

Dezember 22, 2021 § Hinterlasse einen Kommentar

Diesmal der etwas anderen Art. In die gestrigen Lichtskulpturen war er nur beiläufig gerutscht – der Mond. Heute also reiche ich das Solo für Vollmond nach. Als Quelle der Lichtspur ist er übrigens schon daran zu erkennen, dass er nicht “stottert“, also eine ungebrochene Linie auf dem Chip hinterlässt, während elektrische Lichtquellen flackern. So schnell freilich, dass das Auge die Unterbrechrechungen erst gewahr wird, wenn sie fotografisch linear aufgefächert werden.

Lichtskulpturen

Dezember 21, 2021 § 5 Kommentare

Hinterhofzauber

November 25, 2021 § 9 Kommentare

In diesen Tagen besonders wichtig: Licht. Da glüht sogar die Brandmauer voller Ergriffenheit.

Licht

September 23, 2021 § 2 Kommentare

Rehausen VI

Juli 26, 2021 § 3 Kommentare

Wer sein Leben neu auf die Beine stellt, findet auch mal die Zeit zu beschaulicher Wolkenbetrachtung. Zu wunderlichen Ungetümen erstarrt präsentiert sich hier das Gewölk. Wendet man den Blick jedoch eine Weile ab, so zeigen sich unter der Hand völlig neue Formationen. Dieses Prinzip schaue ich mir für die Reha ab. Denn allzu ergeiziges Fixieren bestimmter Ziele, gewünschter Fortschritte, führt zu Frustration ob vermeintlichen Stillstandes. Erst das Loslassen, die freundliche Herreinnahme anderer Themen macht die Veränderung am Ende sichtbar. Über zwei Birken thront hier ein pausbäckiger, geflügelter Budda, die Hand erhoben zu mildem Gruß. Ich glaube, im Vorübergleiten segnet er mein Begehr.

Wo bin ich?

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