Insta(ge)wimmel und ein paar zeitkonforme Betrachtungen

Mai 11, 2022 § 2 Kommentare

in der Vergangenheit habe ich auf der Suche nach Vorlagen für meine Skizzen und für das Studium figürlicher Arbeiten gerne das unbegrenzt und jederzeit verfügbare Bilderreservoir auf Instagram genutzt. Hier sind es nun nicht einzelne portraitartige Blätter geworden, sondern heraus kam ein Blatt zum Thema Bilderfllut auf Instagram. Natürlich dachte ich dabei an die alten Meister, die gerne auf Studienblättern Detailaspekte einer Zeichnung fixierten. Nebeneffekt bei dieser durchaus auch zerstreuenden Beschäftigung: man klickt sich in wenigen Minuten einmal um die Welt. Konten sind miteinander vernetzt, es lässt sich beliebig weltumspannend von Bild zu Bild und damit Ort zu Ort surfen. Was dabei ins Auge sticht, findet seinen Weg auf mein Blatt. Freilich bleibt das alles rein virtuell. Ein scheinendes Oberflächenkonstrukt, das nur sehr mittelbar etwas über die gestreiften Orte und Menschen verrät. Nun ist es müßig, die immer gleiche (pessimistische) Kulturkritik aus dem Tornister zu holen. Wir Alten blicken stets mit Schrecken nach vorne und suhlen uns in einem rückwärts gewandten Blick, das früher vermeindlich “echte“ Leben idealisierend. Annehmlichkeiten, die die Segnungen der Wissenschaft mit sich brachte, kassieren wir ein anstatt sie in die Waagschale des Für und Wider zu geben. Aber ich verliere mich in allgemeinen Betrachtungen. Dabei wollte ich doch nur ein wenig wimmeln (und bedaure dann doch, dass mein geliebter Rotring Isograph nicht mehr hergestellt wird).

Aufs Papier geworfen – noch mehr Fingerübungen III

März 10, 2022 § 6 Kommentare

Hinterhofzauber

November 25, 2021 § 9 Kommentare

In diesen Tagen besonders wichtig: Licht. Da glüht sogar die Brandmauer voller Ergriffenheit.

S-Bahn-Maskerade

November 13, 2021 § 6 Kommentare

Eine S-Bahn-Fahrt nutzte ich für ein paar schnelle Skizzen. Die Tusche meines Rapidographs floss dabei ungewohnterweise etwas üppig und hinterließ einige Flecken, die aber nicht weiter störten.

Rehausen III

Juli 13, 2021 § 3 Kommentare

Wer sich ihr öffnet, dem offenbart auch die Schattenseite des Lebens ihren Reiz. Abendlicher Schattenwurf an der Klinikzimmerwand.

Im Erker

Januar 3, 2021 § 2 Kommentare

Während ein paar feuchte Flöckchen vom Himmel rieseln und der Winter uns den Anflug einer Aufwartung schenkt – im Tiergarten wird es immerhin für eine beinahe geschlossene Schneedecke reichen, sitze ich im Erker und versuche mich an der ersten Zeichnung des Jahres. Ganz digital und Lockdown-konform.

Großstadtmelancholie

Dezember 17, 2020 § 10 Kommentare

Als ich vor vielen Jahren nach Berlin zog, waren die Winter kalt, der erste Schnee fiel bereits im November und die Luft war Kohleöfengeschwängert. Es stand noch kein sogenanntes Schloss in der Mitte der Stadt, sondern ein stahlbetongewordener Funktionärstraum, Kulturtempel für den neuen Menschen. Oder doch schon: Opium fürs ernüchterte Volk? Vorangestelltes Foto als Erinnerung an Schnee im Herzen Berlins, aber auch an den die DDR zunächst überlebenden Koloss, im beginnenden Todeskampf alsbald ausgeweidet und der Kunst geöffnet – bevor endgültig abgerissen wurde, was als Symbol einer überlebten Ideologie entsorgt werden musste. Nun, 15 Jahre später, steht da wieder ein Koloss. Symbol einer allgemeinen Konfusion in seiner wirren Mischung aus scheinbar Alt und längst veraltetem Neu. Eine Groteske. Mit eingemauerten Booten wo früher Hohenzollern herrschten. Wie mag es sich anfühlen, durch ein historisierendes Schlossportal einzutreten und drinnen vitrinifizierte kultische Artefakte vorzufinden, die mit Herrschergeste aus fernen Erdteilen einst nach Berlin geordert wurden? Eine Initiative fordert bereits den Wiederabriss – eine Formulierung, die in diesen orientierungslosen Zeiten das offenbar notwendig gewordene Pendant zum Begriff des Wiederaufbaus bildet.

Zerreißprobe

Dezember 7, 2020 § 15 Kommentare

Bloghausen bebt. Wie die ganze Gesellschaft. Wer eben noch ein gutes Miteinander pflegte, traut sich plötzlich nicht mehr über den Weg. Muss man vielleicht nicht überdramatisieren, Aufreger kommen und gehen. Ein ungutes Gefühl bleibt aber doch, es scheint schwieriger zu werden mit der Kommunikation. Wer an der Pandemie-Berichterstattung durch gängige Medien zweifelt, wird schnell als Corona-Leugner oder Covidiot abgestempelt. Wer hingegen Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung als notwendiges Übel im Sinne einer Abwägung begrüßt, fängt sich den Vorwurf ein, eine sich abzeichnende Diktatur zu befürworten, nicht „wachsam“ zu sein, gar Untertanengeist zu praktizieren. Krisen sind der Prüfstein einer Gesellschaft. Unterlegene werden in ihrer Bedürftigkeit noch sichtbarer, Gewinner halten sich lieber bedeckt und perfektionieren ihr System im Stillen. In der Süddeutschen Zeitung von heute lese ich ein Interview mit dem Philosophen Boris Groys. Der Bedrohung durch das Corona-Virus begenet er mit radikaler Selbstisolierung in seiner New Yorker Wohnung, leidet aber nicht darunter. Er sitzt eben gern zuhause, wie er freimütig bekennt. Thema sind Verschwörungstheorien und warum sie populärer werden. Dafür benennt er Gründe in zwei Bereichen: die Welt verändert sich, und zwar rückwärts in Richtung Mittelalter und „digitaler Feudalismus mit einem enormen wirtschaftlichen Gefälle“ Sie liefert also Verschwörungstheorien objektiv Gründe. Zum anderen seien Verschwörungsmythen ein Phänomen der Wohlstandsgesellschaft. Ich meine, er bringt das sehr gut auf den Punkt (am Beispiel von Corona-Leugnern):

„Es ist kein Zufall, dass viele Corona-Leugner einer romantischen Naturvorstellung anhängen: Der Mensch und die mächtigen Konzerne sind böse, die Natur ist gut, sie kann nicht so grausam sein wie das Corona-Virus. Dieses idyllische Bild der Natur kann man nicht anders erklären als mit Dekadenz. Wer das glaubt übersieht, dass es Krankheiten gibt, und dass er sterben wird. Das ist die Vorstellung von Wohlstandskindern. Die Welt und die Natur sind dafür da, dass es mir gut geht. Und wenn nicht, sind daran die Mächte der Finsterniss schuld. Weil die Medien von der Pandemie berichten, müssen sie in dieser Logik zu den Mächten der Finsterniss gehören.“ –

Soweit das Eine. Aber jetzt kommt eben das Andere, genauso Entscheidende:

Ich weiß nicht, ob Argumente gegen Verschwörungsmythen helfen. Die Aufklärung muss damit geginnen, die Macht der Tech-Konzerne zu untersuchen und zu beschränken. Es muss transparenter werden, wie ihre Algorithmen unsere Daten auswerten. Das beste Mittel gegen QAnon ist die Domestizierung des digitalen Kapitalismus und die Enteignung, die Wiedervergesellschaftung der Datenbestände im Besitz der Tech-Konzerne.“

(Im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung vom 7. Dezember 2020)

((Diesmal ohne Bild, dafür mit Schubert , der früh sterben musste, weil die Schulmedizin mit ihren Erkenntnissen für ihn zu spät kam und die Natur ihren Lauf nahm.))

Privat

November 28, 2020 § 6 Kommentare

Die wohlbekannte Neigung des schriftstellernden Anfängers, dem Leser sein Privatleben aufzudrängen und in seinem ersten Roman sich selbst oder einen Stellvertreter auftreten zu lassen, rührt weniger von der Anziehungskraft einer fertigen Handlung her, als vielmehr von der Erleichterung, erst einmal sich selber loszuwerden, um dann zu Besserem fortzuschreiten. *

Als ich diesen Satz aus dem Vorwort zu Nabokovs erstem Roman Maschenka las, wurde mir klar, warum ich immer schon einen ersten Roman schreiben wollte. Während ich also des Besseren derweilen harre, mögen wenigstens diese Fotos mein Privatleben illustrieren. Apropos Privatleben. Kürzlich ging mein langgehegter Traum in Erfüllung und bescherte mir ein maßgezimmertes Bücherregal. Alle Bücher sicht- und greifbar anstatt zweit- oder drittreihig versteckt. Das nun mögliche Stöbern brachte dann auch obigen Satz ans Licht, zusammen mit einer Widmung, die privathalber aber nun wirklich in den ersten Roman gehört…

* Vladimir Nabokov, Maschenka. Reinbeck bei Hamburg 1987, S. 7f.

Erhöhter Sicherheitsbedarf

Juli 2, 2020 § 7 Kommentare

 

Das IPad ist mir ein nützlicher ständiger Begleiter geworden, viele Aufgaben des Alltags lassen sich bequem damit erledigen. Schreiben, scannen, zeichnen, dokumentieren, vorführen. Es ist schlank, robust, passt in jeden Rucksack – leider von Apple. „Zwei-Faktor-Authentifizierung“ sagt es regelmäßig, anstatt „Hallo“, oder „Schönen guten Tag“. Wenn ich möchte, kann ich auch das Kleingedruckte der Begrüßungsformel lesen: „Schütze deine Apple-ID und iCloud-Daten, indem du die Sicherheit erhöhst.“ Sicherheit? Von was? Vor wem? Was ist überhaupt „meine“ Apple-ID? Und soweit ich weiß, besitze ich keine iCloud-Daten. Hab sie jedenfalls nicht angelegt. Das ist, so  möchte ich meinen, die sicherste Form der Anlage überhaupt: keine Anlage. Fühlt sich Apple vielleicht nicht sicher vor mir? Haben die ein Problem  mit mir? Die Hartnäckigkeit der Begrüßungsformel lässt auf letzteres schließen. Ich bin lästig, ein Querulant, der sich weigert, unter Apples Schutzschirm zu kriechen, der meint, ein einmal gekauftes Produkt sei so etwas wie Eigentum, selbstherrliche Verfügungsmasse, Spielwiese eigenen Tuns  und Lassens, womöglich gar – o Gott – PRIVAT. Geht dich nix an, Apple, MEINE Sicherheit, MEIN Spielzeug, MEIN Bier. Pasta. Darfst mal gucken, wie’s bei mir aussieht, schau mal, hab ich mit dem IPad gezeichnet:

 

Wo bin ich?

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