Kaffeehausbewohner

Januar 20, 2022 § 9 Kommentare

Bei Menschen, die auf Computerbildschirme starren, denke ich manchmal, es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Schirm die Person in sich hineinsaugt. In die Lektüre eines Buches versunkene Menschen schauen anders. Scheint mir. Spontane Skizze.

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§ 9 Antworten auf Kaffeehausbewohner

  • Denselben Gedanken hatte ich 2001 in Tokio, als praktisch jeder ins kleine Quadrat schaute.

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  • paulpeterheinz sagt:

    Ich denke, der Unterschied liegt in den Intentionen, die der Betrachter seinem Blick beifügt. Ich kann mich auch in einem Buch „verlieren“. Manches Mal -nach mehreren Sätzen in einem Buch- fällt mir auf, dass ich nicht mehr weiß, was ich da soeben gelesen habe. Das passiert vielleicht schneller oder umfassender im Internet. Ohne Intentionen laufe ich ja oft durchs Internet wie ohne Stadtplan durch eine überfüllte Weltstadt. Aber bald „nimmt“ auch sie mich vielleicht „in ihren Bann“. Wie ein Konzert, ein Pferderennen, ein Fußballspiel… Keiner geht auf dem Markt und kommt ohne „Fische“ zurück. Ebenso betritt keiner die „Welt“ und will nicht nicht von irgendetwas in ihr in den Bann gezogen werden. Wir sind eben keine „festgestellten“ Tiere, sondern „offene“ Wesen auf einer nach oben undefinierten Richterskala. Wir sind offensichtlich „entzündliche und entzündende Wesen“ und wer lässt sich nicht gerne auch mal „gehen“, gibt sich den Entzündungen „hin“, genießt das frei „Wandern“ ohne „Sinn“ und „Ziel“. Ei, was einem da alles entgegenkommt. Man ist wie „von Sinnen“. Ich war neulich nach längere Zeit mal wieder im Museum. Dort sah ich viele Menschen „schweigend in sich verschwinden“ – still, andächtig, wie in einem Hochamt ohne Orgelmusik und Priester, vor einem Bild aus „blauestenblau“…sonst nichts. Offensichtlich sprechen Bilder zu uns und ziehen uns in ihr Künstlichkeit why not,!wenn sie schöner ist als das reale.

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    • derdilettant sagt:

      Danke für diese schönen und ausführlichen Überlegungen. Ich dachte etwas banaler. Z.B kam mir der Gedanke, dass das stundenlange Starren auf einen Bildschirm den Augen viel mehr abverlangt als das Gleiten entlang von Buchstaben über (gut beleuchtete) Seiten. So mag es zu kompensatorischen Anspannungen kommen, die letztlich meinen Eindruck des vom Bildschirm aufgesogenen Digitalarbeitenden auslösten.

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      • paulpeterheinz sagt:

        Ja, jan- da bist du auf etwas gestoßen:
        Auf dieses unberechenbare, unbeschreibbare, unwahrscheinliche Wesen der Moderne, das in Appartments lebt und allenfalls in Einkaufszentren oder Stadien auftaucht, ansonsten aber ein fast mönchische Leben führt, nur die Klostergemeinschaft nicht mehr mit einem Gott, sondern mit Medien gestaltet. Aus dem ursprünglich mindestens „Zwei“ wird ein Großversuch mit „Eins“. Dazu hat es sich mit allem ausgestattet, was zu einem modernen Mönchsleben gehört: Die Außenwelt kommt übers Internet oder über den Logistikdienstleister und es kann darüber in die „Außenwelt“ gehen. Es beherrscht Selbstwahrnehmungs- und -formungstechniken für die „Arbeit“ am unruhigen ICH. Als zeitgemäße Bibel nutzt es Kochbücher oder die außenwelt-beleuchtende Beliebigkeitsromane. Das DU ist schon zu einer, mit einem Klick einzugehenden oder zu schließende InterNETverbindung mutiert. Das Spiegelbild, die einzige lebende Erinnerung daran, dass es MICH gibt und auch das ist so un-ehrlich wie der Betrachter. Kaum ist der Spiegel verschwunden, scheinen wir anders. Allerdings scheint dieses neu-mutierte Wesen aber doch ursprünglicher geblieben zu sein als gedacht. Denn seine ständigen Gäste sind und bleiben diese Wallungen, diese Sehnsüchte nach X, seine Gefühlsungeheuer. Diese wohl unzähmbaren Gesellschaften, die unangemeldet, ungefragt, unaufgefordert kommen und gehen. Sie klopfen nicht an, lassen sich nicht vertreiben, sie tanzen auf ihren Schultern und äffen es an. Aber mit ihnen kann man auf die Yogamatte gehen und sie in Meditation mit sich selber füttern und vorübergehend abstellen. Denn das ist das Wunderbare an ihnen: Es gibt sie in allen Schattierungen. Sie schwanken auch stündlich, sekündlich, halten selten still, bleiben „Sekunden-un-glück“. Was also ist so modern an diesem modernen Asketen? Was würde nur aus diesem Wesen, wenn es ihm gelänge, auch dieses übers Internet zu beziehen, etwa von einer Gentechnik-Bank, als Menü oder von der Tageskarte? Wenn sich dann die Umgangssprache wandelt und nicht mehr: „Ich muss noch eben ins Bad und mich schmincken“..gesagt würde, sondern..“Moment bitte, ich muss schauen welches Guthaben ich noch auf dem Lebens-Varianten-Konto habe“.
        Aber das Beruhigende am Aufregenden: Es gibt in allem nur Dilettanten. Auch bei den Transhumanisten.

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      • derdilettant sagt:

        Interessant zu lesen, danke. Das Medium wäre also nicht mehr die „message“, sondern Gott. Vielleicht neigen Betrachtungen, die ältere Menschen (sorry, ?) (so wie ich) über die Gegenwart und ihre Phänomene anstellen zu attraktiven Verabsolutierungen? Das Internet verdrängt ja nicht die Realität, sondern ergänzt, bereichert, vereinfacht, verschlimmer (was immer) sie.

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  • paulpeterheinz sagt:

    Ja ja ..nicht ja jan..Sorry.

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  • paulpeterheinz sagt:

    ..Bin eben auch Dilettant..

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