Francis Bacon

September 21, 2021 § 5 Kommentare

Wer Wege der Darstellung des menschlichen Körpers sucht, kommt an dem britischen Maler Francis Bacon nicht vorbei. Das Dogma einer vermeintlich allein selig machenden abstrakten Kunst in der Nachkriegszeit konsequent ignorierend, suchte er nach Möglichkeiten, das Wesen menschlichen Seins als physisches Spektakel auf die Leinwand zu bringen.

Doch anders als heutzutage üblich ist der Körper bei Bacon kein Lifestyle-Produkt, das nach Belieben klischeehaften Schönheitsvorstellungen untergeordnet wird. Bacons Körper gehen durch den Schmerz, vibrieren vor Lust und grenzen bei aller Vitalität stets an das Stadium morbiden Verwesens. Die Bilder schockieren noch immer, weil sie alles bloß Illustrative strikt meiden und die Dynamik menschlich-physiognomischen Agierens durch stellenweise groteske Verzerrungen sichtbar machen. Bacon war ein fanatischer Genussmensch und bediente sich schonungslos der Möglichkeiten des eigenen Körpers. Bannte er ihn auf die Leinwand, ungeschönt und die Sensationen des Nervensystems auslotend, hatte er am eigenen Leib erfahren, worum es ging.

Mir persönlich sind Exzesse dieser Art fremd. Drum bleibt meine Skizze des Baconschen Kopfes auch dem Illustrativen verhaftet. Das Faszinosum seiner Bilder aber wirkt. Nicht zuletzt, weil das Prinzip einer ästhetische Überhöhung die an Körper und Seele jüngst erfahrenen eigenen Verletzungen in ein neues Licht tauchen.

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