Kopfstudien

März 8, 2019 § 4 Kommentare

geneigter Kopf 1

KopfhörermannSkeptiker

Am Kopf hängt der Mensch. Er ist die Quintessenz seiner physischen und seelischen Existenz. Das daraus abgeleitete Verb macht ihm definitiv den Garaus. Alles am Körper ließe sich vielleicht ersetzen. Der Kopf, das Gesicht: nicht. Malt man einen Menschen, rückt man ihn zur Gänze ins Bild, oder zoomt heran, stets aber auf den Kopf. Gelegentlich werden nur die Hände abgebildet; sie sprechen vielleicht, nächst dem Gesicht, am markantesten. Meist aber wird hier typisiert: die Hände des Pianisten, des Bauarbeiters etc. In früheren Zeiten glaubte man, aus der Physiognomie Wesens- oder Charaktermerkmale der Person herauslesen zu können. So spricht man noch heute von der „hohen Denkerstirn“. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das alles Unsinn ist. Entledigt man ein Portrait jeglicher „Standesmerkmale“, so lässt sich ein Beruf, eine besondere Eigenschaft o. ä. nicht aus dem Antlitz ablesen. Das ist ja auch der Grund, warum im klassischen Portrait aller größte Sorgfalt auf die Ausgestaltung der Attribute, insbesondere der Kleidung und hier etwa teurer Stoffe verwandt wurde. Vermutlich waren die gefragtesten Portraitmaler gerade die, die hier die größte technische Brillanz an den Tag legten. Für mich ist in meinen Kopfstudien die Physis einfach Ausdrucksträger. Denn so oder so – das Leben hinterlässt Spuren auch, und gerade, im Gesicht.

Mann mit roter Fliege

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§ 4 Antworten auf Kopfstudien

  • gkazakou sagt:

    interessant, was du über die „Attribute“ sagst, die aus einem Menschen erst einen Würdenträger, Handwerker, Bauern etc machen.

    Doch nicht nur der Kopf ist unauswechselbar (heute macht man auch Gesichtstransplantationen, das nebenbei), auch der Körper ist, bis in den kleinesten Finger hinein, individuelll ausgeprägt. Ein Torso kann ebenfalls viel über den Menschen aussagen, zu dem er gehört.
    Grüße! Gerda

    Gefällt 3 Personen

    • derdilettant sagt:

      An die heutige Möglichkeit der Gesichtstransplantation habe ich auch gedacht, aber ob das psychisch zu verkraften ist? Und es stimmt, ein Torso ist gleichfalls eine einzigartige Repräsentation des Individuums. Aber wenn es um Wiedererkennbarkeit geht, sind wir auf das Gesicht fixiert, plus unterstützende Merkmale, beispielsweise der Gang, was mir immer dann auffällt, wenn ich mal nicht so gut sehe und einen auf mich zukommenden Menschen intuitiv am Gang erkenne, bevor sich die Gesichtszüge zu erkennen geben. Grüße in den Süden!

      Gefällt 2 Personen

      • gkazakou sagt:

        danke! Ja, der Gang eines Menschen ist sehr charakteristisch, und zwar nicht nur für Individuen, sondern auch für Völker und Kontinente….Ich erkenne deutsche Männer (hier im Süden) sehr oft schon am Rücken, an der Art, wie sie die Schultern bewegen, an der Energie im oberen Rückenteils… Griechen gehen zwar sehr unterschiedlich, klar, aber sie gehen nie wie Deutsche. Sie sitzen auch anders, haben ein sichtbar anderes Verhältnis zum Gesprächspartner etc pp. Sie haben ein anderes Nähe-Ferne-Verhältnis, einen anderen Rhythmus der Bewegung…., wobei immer gilt, dass es da wiederum unendliche Varianten gibt, die aber zu einer volks-typischen Kategorie zu gehören scheinen. .

        Gefällt 2 Personen

  • […] Weltfrauentag: Eben las ich etwas von „Verehren“ – und beim Herrn Dilettanten las ich etwas und kommentierte zu Kopf und sonstigem Körper. Da fiel mir dieser Blog-Eintrag ein, […]

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